So könnte die Zukunft des Stöckerkopfs aussehen – zumindest wenn es nach der Firma Wüstenrot geht. Foto: Partner und Partner Architekten

Die Zukunft des Stöckerkopfs bewegt die Gemeinde Baiersbronn schon lange. Nun könnte Bewegung in die Sache kommen.

Bereits vor eineinhalb Jahren hatte die Firma Wüstenrot ihren Hut in den Ring geworfen, den Zuschlag jedoch nicht erhalten. „Es ist fast ein Jahr her, seit das letzte Projekt von den Investoren ad acta gelegt wurde. Nun freuen wir uns, dass die Wüstenrot immer noch Interesse hat, ihr 2022 entwickeltes Projekt zu realisieren“, sagte Bürgermeister Michael Ruf in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Vanessa Ackermann von Wüstenrot ließ das Gremium und die Zuschauer warten und kam mit Verspätung zur Präsentation, die teilweise noch den Stand von 2022 zeigte – samt Seilbahn. Doch die Seilbahn wird es nicht geben. So viel steht fest. „Wir schätzen Baiersbronn. Darum haben wir auch nicht aufgegeben. Wir wissen allerdings, dass wir ohne Ihre Unterstützung keinen Fuß auf die Erde bekommen werden“, so die Wüstenrot-Vertreterin.

Angepasst an die Landschaft

Eine Berghütte soll laut Planung anstelle der Glasmännlehütte entstehen: offen modern, aber dennoch angepasst an die Landschaft. 21 Wald-Chalets in ein- oder zweistöckiger Ausführung sollen hinzukommen, die Mobilität hauptsächlich durch elektrischen Fahrzeuge abgedeckt werden. „Wir als Investor möchten nicht Betreiber sein“, so Ackermann. Doch wer Betreiber sein könnte, sei noch unklar. Vorgesehen seien bei den Wald-Chalets verschiedene Ausstattungs- und Preisvarianten. Eine Kooperation mit der Baiersbronn Touristik sei in Planung. Als sportliche Komponente könnte eine Yoga-Plattform mit Ausblick auf Baiersbronn zum Tragen kommen.

Fertigstellung bis zur Gartenschau

„Die Fertigstellung können wir nicht zur Gartenschau garantieren. Zumindest die Berghütte und ein bis zwei Chalets wollen wir bauen, aber garantieren kann ich heutzutage nichts mehr.“

Ackermann stellte die Entwürfe von Partner und Partner Architekten vor, die am Konzept vom vergangenen Jahr festgehalten hätten. „Wir haben dem Stöckerkopf ein Krönchen aufgesetzt“, beschrieb sie die spitz zulaufenden Formen der neu geplanten Hütte. Große Glasflächen, viel Holz, eine Aussichtsterrasse auf dem Dach und ein Kiosk für die kurze Rast gehören ebenfalls zum Konzept. „Schön, dass es schon einen Bebauungsplan gibt, daran möchten wir uns halten.“

Elektromobilität als Teil des Konzepts

Ebenso erklärte Ackermann, dass Interesse bestehe, die Sankenbachlodge zu erwerben. Gespräche sollen klären, ob der derzeitige Besitzer Verkaufsabsichten habe. Im vorgelegten Mobilitätskonzept setzte Wüstenrot ganz auf Elektromobilität: Kleine zugähnliche Bahnen, die rund 30 Personen vom Bahnhof Baiersbronn auf den Stöckerkopf fahren können. Auch Offroadbusse könnten eingesetzt werden.

„Wir haben eine 20-prozentige Steigung. In der kommenden Hauptsaison möchten wir einen Probelauf mit Elektrobahnen starten, die dann die Wege hoch fahren.“ Eine Kooperation mit einem örtlichen Busunternehmen sei vorstellbar. Car-Sharing für Gäste, die ohne Auto anreisen und mobil sein möchten, sei ebenso denkbar. Um den Strom zur Verfügung zu haben, könnten sich die Planer einen Parkplatzausbau im Sankenbach mit Photovoltaikanlagen vorstellen, die als Parkunterstände konzipiert würden. Nach der Vorstellung gab es Applaus – und dieses Mal kaum kritische Nachfragen.

Bürgermeister und Gemeinderäte äußern ihre Meinungen zum Konzept

Diskussionsrunde
  „Es ist ein gelungenes Konzept, wenn es zur Realisierung kommt“, sagte Bürgermeister Michael Ruf
nach der Präsentation. Sabine Finkbeiner
, Bezirksbeiratsvorsitzende von Baiersbronn betonte: „Die Baiersbronner wünschen sich dort oben eine Hütte. Kritische Stimmen gab es zwar für das hochpreisige Übernachtungskonzept, aber mehrheitlich haben wir uns für das Projekt ausgesprochen.“ „Wir können uns glücklich schätzen, dass Wüstenrot nach unserer Absage immer noch im Boot ist. Wir haben Lehrgeld bezahlt“, merkte Gemeinderat Ingo Christein
(CDU) an. Auf die Nachfrage von Ludwig Wäckers
(BUB) sagte Ackermann, dass die Investitionskosten im zweistelligen Millionenbereich liegen würden und die Übernachtungspreise in den Chalets bei rund 350 Euro pro Nacht angesetzt würden. „Das wird sich nicht jeder leisten können, aber wir planen auch kein High-End-Produkt.“ Die Bedenken von Lutz Hermann
(FDP/UBL) nach möglichen Finanzierungsschwierigkeiten konnte Ackermann zerstreuen: „Das ist eine Sonderimmobilie. Wir stehen dahinter und haben die Möglichkeiten. Wenn wir Partner ins Boot holen, sind es verlässliche.“Ruf betonte, dass nach wie vor angedacht sei, den Stöckerkopf auf Basis eines Erbbaupachtvertrags für 50 Jahre zur Nutzung freizugeben. Friederike Schneider
(BUB) fragte nach, ob es richtig sei, dass kein Wellnessbereich entstehe und wollte mehr über die Pläne für den Wegebau zu den einzelnen Chalets wissen. „Ja, es gibt keinen Wellnessbereich. Die Wege sollen möglichst naturbelassen bleiben. Wir betonieren nicht und auch der Waldabstand ist geregelt“, so Ackermann. „Die Bürger interessiert die Hütte. Ich finde die Idee mit dem Kiosk gut. Wichtig ist, dass rüber kommt, dass die Hütte für jeden erreichbar und leistbar ist“, erklärte Gemeinderat Karlheinz Nestle
(FWV). „Wir wären kaufmännisch schlecht beraten, wenn wir nur für die Chaletgäste planen. Wir brauchen dort oben Gäste“, so Ackermann.Mit fünf Enthaltungen wurde mehrheitlich beschlossen, entsprechend dem vorgelegten Konzept mit Wüstenrot die Weiterentwicklung des Stöckerkopfes voranzutreiben.