Aus der Traum mit einer Hausarztpraxis in der Waldklinik: Dem vormals potenziellen Bauherren wird das Projekt zu teuer. Foto: Gegenheimer

Paukenschlag auf der Sonneninsel: Nach intensiver Beratung ziehen sich die SRH Gesundheitszentren Nordschwarzwald als Bauherr vom Erdgeschossumbau des Hauses "Gisela" auf dem Dobler Klinikgelände zur Hausarztpraxis zurück. Auch die Praxis Elsenbruch aus Bad Herrenalb ist nun um eine Lösung bemüht.

Dobel. Bürgermeister Christoph Schaacks letzte Bekanntgabe war eine, die "alle nicht erfreuen wird": der Allgemeinmediziner Hendrik Niehoff, seit rund eineinhalb Jahren in Gesprächen mit der Gemeinde und seit vergangenen November auch offizieller Kandidat für eine neue Hausarztpraxis, hatte Schaack ein bei ihm eingegangenes Schreiben der SRH-Gesundheitszentren Nordschwarzwald zukommen lassen. Nach intensiver Beratung würden diese sich als Bauherr vom Erdgeschossumbau des Hauses "Gisela" auf dem Dobler Klinikgelände zur Hausarztpraxis zurückziehen. Dies habe gesamtwirtschaftliche Gründe. Die Umbaukosten überstiegen die ursprüngliche Planung so weit, dass eine Refinanzierung durch Mieteinnahmen nicht mehr möglich erscheine. Niehoff bedauere diese SRH-Entscheidung ebenfalls sehr, so der Rathauschef, der seine Enttäuschung kaum verbergen konnte: "Die Gemeinde hat hier bereits sehr viel getan, unterstützt, finanzielle Förderung in Aussicht gestellt." Jetzt stehe alles wieder auf Anfang mit der Praxissuche.

Im echten Sinn tragisch ist diese späte Entscheidung der Klinik – deutlich nach Erteilung der Baugenehmigung durch das Landratsamt Calw Mitte August – da es durch zwischenzeitliche Einwendungen der Hausverwaltung eines benachbarten Wohngebäudes dazu gekommen war, dass dortige Wohnungseigentümer "sogar auf der Straße aktiv angegangen" wurden (wir berichteten). Und dies, wie einer davon am Ende der Sitzung sachlich-eindrücklich schilderte, obwohl Eigentümer wie er selbst weder von den Einwendungen wussten, noch zu irgendeiner Zeit persönliche Vorbehalte gegen den Einzug einer Arztpraxis im Nachbargebäude hatten.

Praxis Elsenbruchauch auf Suche

Damit nicht genug zum Thema Hausarztpraxis: Aus der Zuhörerschaft meldete sich zu guter Letzt Sabine Elsenbruch, seit gut zwei Jahren in Dobel wohnhaft. Ihr Ehemann Robert Elsenbruch, mehrfacher Facharzt, betreibt in Bad Herrenalb seit 2020 eine Praxis für physikalische rehabilitative Medizin und hat mit Peter Görgler seit Juli dieses Jahres einen Allgemeinmediziner mit im Boot. Sabine Elsenbruch, ausgebildete Krankenschwester und als Praxismanagerin dort tätig, erklärte, dass sie parallel zu den Aktivitäten der Gemeinde Dobel sich ebenfalls auf die Suche gemacht hätten und nun "mit sehr viel Zeit und Arbeit" einen weiteren Allgemeinmediziner gefunden hätten, der zum Januar 2022 in die Praxis Elsenbruch einsteigen wird. Dazu seien sie mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Kontakt. Aber auch, ob eine Zweitpraxis in Dobel machbar sei. Dann könnte der neue Mediziner – ebenso wie ihr Ehemann – für einige Stunden wöchentlich in Dobel praktizieren. Knackpunkt Räumlichkeiten: Eine Option dazu sei sogar ein Neubau auf dem eigenen Grundstück an der Neusatzer Straße (ehemals Areal Haus Birkengrund) mit Interimslösung wie Praxis in privaten Räumen oder das Angebot von Hausbesuchen. Weiterhin seien verschiedene Räumlichkeiten auf der Sonneninsel bereits ins Visier genommen worden, die entweder zur Miete oder zum Erwerb stünden. Eines macht Sabine Elsenbruch klar: "Wir möchten die Situation für Dobel ohne Hausarzt zeitnah beenden. Dafür hoffen wir auf Unterstützung der Verwaltung wie der Bürgerschaft."