Jahrzehntelang hat Hausarzt Peter Stoll Patienten in Alpirsbach behandelt. Jetzt kann er sich guten Gewissens in den Ruhestand verabschiedet: Die Zukunft seiner Praxis ist gesichert.
Es sah nach einem aussichtslosen Unterfangen aus: Mehr als 300 Oberärzte schrieb Peter Stoll an – in der Hoffnung, einen Nachfolger für seine Praxis für Allgemeinmedizin im Alpirsbacher Gesundheitszentrum zu finden. Die Zahl der Interessenten? Null.
Es schien so, als würde die Geschichte der Praxis Stoll, die sein Vater Werner 1959 eröffnet hat, nach 67 Jahren enden – wäre da nicht dieser Zettel gewesen, der dafür gesorgt hat, dass Peter Stoll heute von einem „Glücksfall“ sprechen kann.
Silja Günter, Managerin der „Regiodocs“-Praxis in Schramberg, fand den Zettel eines Tages in der Post – und hielt ihn zunächst für Werbung. Doch er entpuppte sich als Anfrage für eine Praxisübernahme – an denen es den „Regiodocs“ eigentlich auch nicht mangelt. „Aber die ist irgendwie anders“, meinte das Team und kam zu dem Schluss: „Da rufen wir mal an.“
Am 28. Dezember kommt der Anruf
Peter Stoll erinnert sich noch genau: Es war der 28. Dezember vergangenen Jahres, als sein Telefon klingelte. Der erste Kontakt zu den „Regiodocs“. Am Abend des 4. Mai, weniger als ein halbes Jahr später, sitzt er strahlend in seiner nun ehemaligen Praxis, die an diesem Tag erstmals unter dem neuen Namen Regiodocs MVZ Alpirsbach Patienten empfing.
Geschäftsführerin der neuen Gesellschaft ist Sandra Herrmann, Ceylan Sarkecili fungiert als Praxismanagerin. Allen Mitarbeiterinnen konnte die Weiterbeschäftigung angeboten werden. Die ärztliche Leitung hat Annika Schiepe inne, die bereits viele Jahre in Stolls Praxis als Fachärztin für Allgemeinmedizin arbeitete.
Nur vier Wochen Schließzeit
Nur vier Wochen lang war die Praxis geschlossen, um Vorbereitungen zu treffen. In dieser Zeit wurden die Patienten aus Alpirsbach an anderen Standorten der „Regiodocs“ betreut – denn die betreiben bereits Praxen in Aichhalden, Eschbronn, Hardt, Schramberg-Talstadt und -Sulgen.
Das ist laut Herrmann auch der große Vorteil der „Regiodocs“: Gemeinsam sind Praxen stärker als allein. „Die Wirtschaftlichkeit kann durch einzelne Praxen nicht mehr gestemmt werden“, sagt Herrmann. Ein Beispiel: Wird ein Arzt krank, kommen einzelne Praxen ins Straucheln – während die „Regiodocs“ für die Vertretung auf ein großes Ärzteteam zurückgreifen können.
In Alpirsbach fand er sein berufliches Glück
Die hausärztliche Versorgung in Alpirsbach bleibt damit gesichert. Für Peter Stoll heißt es nach 39 Jahren: Abschied nehmen. 1987 trat er in die Praxis seines Vaters ein, ab 1989 führte er sie mit ihm als Gemeinschaftspraxis – obwohl er einst andere Pläne hatte. Aber: „‚Ja, Herr Professor‘ habe ich nicht gerne gesagt“, erinnert er sich an seine Zeit an der Uniklinik.
In Alpirsbach fand er sein berufliches Glück. Er verstehe nicht, warum viele Ärzte Bedenken hätten, sich niederzulassen. Eine Praxis an einem so schönen Ort wie Alpirsbach? „Dann kann man eigentlich zufrieden sein“, sagt Stoll.
Und weil er weiß, dass es in seiner Praxis weitergehen wird, kann er nun auch zufrieden den Ruhestand antreten. „Da freue ich mich drauf. Langweilig wird mir nicht“, versichert Stoll. „Und wenn, haben wir immer ein Sprechzimmer frei“, scherzt Herrmann.