Sich überschneidende Symptome machen es Betroffenen oft schwer, klar zu bestimmen, woran sie leiden. Hausarzt Wolfgang von Meißner aus Baiersbronn klärt daher auf.
Die Nase läuft, der Hals kratzt, der Kopf dröhnt – und plötzlich ist da diese Unsicherheit: Erkältung, Grippe oder vielleicht sogar Corona? Oftmals fällt es Betroffenen schwer, eindeutig zu sagen, womit sie es zu tun haben. Gerade in den kalten Wintermonaten stehen Hausärzte oft täglich vor dieser Frage.
Einer von ihnen ist Wolfgang von Meißner. Er ist Hausarzt in der Gemeinschaftspraxis „Hausärzte am Spritzenhaus“ in Baiersbronn und weiß genau, dass sich die Krankheiten in der Praxis oft nicht zuverlässig voneinander trennen lassen.
Schuld daran sind die sich überlappenden Symptome von Erkältung, Grippe und Corona. Zu diesen gehören etwa Fieber, Husten, Halsschmerz und Abgeschlagenheit, erklärt von Meißner.
Kombi-Schnelltests schaffen Klarheit
Doch wie finden Betroffene nun heraus, an was genau sie leiden? Kombinierte Antigen-Schnelltests aus der Drogerie oder Apotheke, wie etwa Fünffach-Tests auf Covid-19, Influenza A und B, RSV und Adenovirus, könnten eine erste Orientierung geben, meint von Meißner. Bei Risikopersonen, schwerer Symptomatik oder unklarer Lage sei zudem eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Wenn nun jedoch gerade mal wieder die Grippewelle kursiert, wird es wohl aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Grippe sein – oder? Nicht unbedingt, meint von Meißner. Welche der Erkrankungen gerade vorherrschend ist, hänge stark vom aktuellen Zirkulationsgeschehen ab. Im Winter wechselten sich Phasen ab, in denen mal Influenza, mal SARS-CoV-2 oder andere Erkältungsviren dominieren, erklärt von Meißner. Ein Schnelltest ist da zuverlässiger.
Rechtzeitiges Erkennen und Behandeln
Doch ist es überhaupt von Belang, welche Krankheit es genau ist? Bei vulnerablen Gruppen, wie Älteren, chronisch Kranken, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Schwangeren können alle drei Erkrankungen schwer verlaufen, erklärt von Meißner. Auch könnten bakterielle Superinfektionen wie Pneumonien dazukommen.
Die Konsequenz sei daher laut von Meißner weniger „der Name des Virus“ als viel mehr das rechtzeitige Erkennen von Warnzeichen und Komplikationen sowie die passende Diagnostik und Behandlung.
Abwarten und Tee trinken
Wen man nun – Schnelltest sei Dank – weiß, was genau man hat, stellt sich jedoch bereits die nächste Frage: Was tun? Bei milden Verläufen rät von Meißner „abwarten und Tee trinken“. Grundsätzlich sollte symptomatisch behandelt werden, sprich ausreichend Trinken, Ruhe und Schlaf, fiebersenkende und schmerzlindernde Maßnahmen und gegebenenfalls Hustenlinderung. Die Apotheken bieten dazu ein breites Spektrum an rezeptfreien Medikamenten, so von Meißner.
Zudem rät der Hausarzt zuhause zu bleiben, um niemanden anzustecken, auf Handhygiene zu achten und bei unvermeidlichen Kontakten eine Maske zu tragen. Bei hohem Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl, Auswurf oder Zeichen einer Lungenentzündung sei eine ärztliche Abklärung ratsam. Dann entscheide der Arzt je nach Befund über die weitere Diagnostik und gegebenenfalls spezifische Therapie, erklärt von Meißner.
Wie jedoch jeder weiß, ist Vorsicht besser als Nachsicht. Um sich also präventiv vor den Krankheitserregern zu schützen, rät von Meißner Abstand zu halten, Maske zu tragen und sich jedes Jahr rechtzeitig im Herbst gegen Grippe und Corona impfen zu lassen. Die beiden Impfungen ließen sich auch gut kombinieren. Zusätzlich, je nach Alter und Vorerkrankungen, sei auch eine Impfung gegen Pneumokokken und RSV sinnvoll.