Über den Schwarzwald als Touristenziel hat unsere Redaktion mit Hausachs Stadtarchivar Michael Hensle gesprochen. Er hält am Sonntag einen Vortrag über das Thema.
Es gibt gute Nachrichten von der hiesigen Urlaubsregion – denn die boomt nach wie vor. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor, die Geschäftsführer Hansjörg Mair von der Schwarzwald Tourismus in dieser Woche bei der Tourismusmesse CMT in Stuttgart vorgestellt hat.
Demnach wurden von Januar bis November 2025 rund 8,6 Millionen Gäste im Schwarzwald gezählt, ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Jahr. Laut Hochrechnungen sei zu erwarten, dass die Übernachtungen 2025 bei knapp 23,3 Millionen liegen werden, freute sich Mair. Die meisten Urlauber seien wieder aus Deutschland gekommen, auf sie entfielen demnach 16,8 Millionen der Übernachtungen. Der Schwarzwald habe sogar besser als Baden-Württemberg insgesamt abgeschnitten: In der gesamten Landesstatistik seien die Übernachtungen im Vorjahr um 0,5 Prozent auf 54,77 Millionen zurückgegangen, während der Schwarzwald als zentrale Tourismusregion im Ländle stabil geblieben sei.
Verständlich, dass Mair sehr zufrieden ist, wie die Schwarzwald Tourismus mitgeteilt hat: „Auch wenn die finalen Zahlen noch ausstehen, ist eines bereits jetzt klar: Wir bewegen uns auf dem Niveau von 2024 – und das war ein absolutes Rekordjahr für unsere Destination.“ Nicht nur in Deutschland sei der Schwarzwald bekannt und begehrt, betonte Mair: „Unter dem Namen Black Forest ist er längst eine internationale Love-Brand – weltweit“. Die Marke Schwarzwald sei „bärenstark“.
Michael Hensle hat in alten Akten interessante Entdeckungen gemacht
Das sind Nachrichten, über die sich auch Michael Hensle freut, der als gebürtiger Freiburger mit der Region fest verwurzelt ist. Hensle ist Stadtarchivar von Hausach und hat in dieser Funktion interessante Einblicke gewonnen, wie sich der Tourismus speziell auch im Kinzigtal entwickelt hat. Darüber hält er einen Vortrag am morgigen Sonntagnachmittag im Kaminzimmer des örtlichen Herrenhauses.
Zu den Aufgaben des Stadtarchivars gehöre es, alte Akten und Dokumente zu durchforsten, zu prüfen, ob sie interessantes Material enthalten, das für die Geschichte von Stadt und Region bedeutsam ist, erzählt Hensle in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Bei der Durchsicht der Altregistratur – der Fachbegriff für historische Datenbestände – von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre habe sich bestätigt, was für eine große Rolle der Tourismus damals bereits eingenommen habe. „Das waren schon Boom-Jahre“, hebt Hensle hervor. 1972 hätten die 25 Gemeinden des mittleren Schwarzwaldes um das Kinzigtal zum Beispiel mehr als 1,7 Millionen Übernachtungen gezählt.
Doch Hensle forscht nicht nur über die Geschichte des Schwarzwald-Tourismus, er ist natürlich auch selbst ein Fan der Region. Woher kommt seine persönliche Faszination dafür? „Die Landschaft“, erwidert er. „Wenn man von der Rheinebene in das Kinzigtal fährt und dann aus dem Fenster sieht, das hat schon was.“ Wie erklärt er sich, dass die Touristen weiterhin zahlreich kommen, um Titisee und Schluchsee, die Wasserfälle von Triberg, die Feldbergregion und andere Sehenswürdigkeiten der Region zu erkunden? Hensle sieht es ähnlich wie Mair, bezeichnet den Schwarzwald als „starke Marke“. Erzähle man etwa in Spanien, man komme aus dem „Selva Negra“, wüssten die Einheimischen sofort Bescheid.
Ein Beweis für die anhaltende Begeisterung für die Region ist für Hensle der Hype um die Schwarzwaldmarie, eine Playmobil-Sonderfigur mit Bollenhut, Tracht und Mini-Kirschtorte, die bei Einheimischen und Touristen extrem beliebt ist. Die ersten 77 000 Figuren waren im Herbst 2025 in wenigen Tagen vergriffen, woraufhin sie im Netz teils sogar für das Zehnfache veräußert wurden. Mittlerweile sind mehr als 200 000 Exemplare verkauft worden.
„Die Schwarzwaldmarie knüpft am Mythos Schwarzwald an, geschaffen von Schwarzwaldmalern mit ihren unverwechselbaren Bildern und Erzählern wie Wilhelm Hauff mit Werken wie ’Das kalte Herz’“, heißt es in der Ankündigung von Hensles Vortrag über den riesigen Erfolg der kleinen Plastikfigur. Längst sei der Schwarzwald zu einem Sehnsuchtsort geworden, mit dem Bollenhut als Erkennungs- und Markenzeichen.
Die Schwarzwald-Marie wird in Hensles Ausführungen am Sonntag Erwähnung finden, vor allem aber soll es um den Tourismus vor Ort und seine Geschichte gehen. Der Stadtarchivar will anhand vieler, teils auch kurioser Anekdoten erzählen, wie einst Touristenmassen den Schwarzwald als Erholungsraum entdeckten und welche lokalen Auswirkungen das hatte.
Sonderzug „Vergnügter Breisgauer“ brachte Urlauber ins Kinzigtal
Speziell in Hausach habe der Tourismus in den 1950er-Jahren einen Wieder-Aufschwung erlebt, insbesondere durch die Neugründung des Verkehrsvereins 1950. In den folgenden Jahren seien zahlreiche Einrichtungen für Kurgäste geschaffen worden: Wanderwege wurden angelegt, Ruhebänke aufgestellt, eine Kneippanlage, Wassertretanlage im Stadtwald eröffnet, blickt Hensle zurück. Es gab diverse Veranstaltungsprogramme des Verkehrsamts, Musikaufführungen oder Heimatabende. Die Bundesbahn setzte sogar Sonderzüge ein, wie etwa „Vergnügter Breisgauer“ oder „Fahrt ins Blaue“ mit Halt in Hausach.
Einen Höhepunkt habe der Tourismus in Hausach in den 1970er-Jahren erreicht. Damals seien so viele Übernachtungen angefragt worden, dass in der Hausacher Verwaltung beispielsweise allein für das „Braunschweiger Reisebüro“ ein eigener Aktenordner angelegt worden sei. Dieses Reisebüro habe mit dem Omnibus-Unternehmen Mundstock vor allem Busreisen nach Süddeutschland und Österreich organisiert. „Der Schwarzwald war auch damals offenbar ein Renner“, so Hensle. So habe Mundstock in seinem Katalog nicht nur seine „beliebte Schwarzwald-Rundreise“ angepriesen, sondern seine Gäste auch in einzelne Orte im Schwarzwald gefahren. „Von Braunschweig aus ging es nach einem Übernachtungsstopp in Kork, Rheintal, beispielsweise ins Kinzigtal, etwa mit dem Ziel Hausach, aber auch Haslach, Wolfach oder Schiltach“, schildert Hensle.
Touristen sammelten Unterschriften gegen eine Lärmbelästigung
Entscheidend für die Entwicklung des Tourismus im gesamten Schwarzwald war die Verkehrserschließung ab 1870: Die Schwarzwaldbahn (ab 1873) und die Höllentalbahn (ab 1887) ermöglichten den Zugang zu den Höhenlagen des Mittelgebirges und lösten einen Boom an Tagestouristen aus. Die Urlauber, die länger bleiben wollten, waren mit den keineswegs stets verlässlich ländlich-idyllischen Verhältnissen nicht immer zufrieden, stellte Hensle fest. 1974/1975 habe es sogar eine Unterschriftenaktion der Gäste des Gasthauses Blume gegeben, die sich gegen den Lärm durch das Hammerwerk eines benachbarten Betriebs richtete. Dabei hatte das städtische Verkehrsamt laut Hensle noch 1973 anlässlich der 100-Jahr-Feier der Schwarzwaldbahn in der Jubiläumsbroschüre versprochen: „Nach dem Bau der Schwarzwaldbahn haben sich umfangreiche Industrien angesiedelt, die den Fremdenverkehr nicht stören und der Stadt ihr heutiges Gepräge gegeben haben.“
Zurück in die Gegenwart. Heutzutage sind eher Kurzurlaube für die Tourismusregion typisch. Laut der Schwarzwald Tourismus lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Vorjahr bei 2,5 Tagen und damit leicht unter dem Wert von 2023. Die Bettenauslastung habe knapp 39 Prozent erreicht. Die Angebotsstruktur habe sich nur geringfügig geändert: Die Zahl der Beherbergungsbetriebe sank leicht, während die Zahl der Schlafgelegenheiten moderat anstieg. „Wer ein marktgerechtes, qualitativ hochwertiges Angebot schafft, wird auch in herausfordernden Zeiten keine Probleme haben, Gäste zu finden“, blickt Hansjörg Mair, der Chef der Schwarzwald-Tourismus, zuversichtlich nach vorn.
Der Vortrag
„Begeben Sie sich mit Stadtarchivar Michael Hensle auf eine spannende Zeitreise. Erleben Sie ein mit Dokumenten reich bebildertes Stück Zeitgeschichte, vielleicht erkennen Sie ein eigenes Stück Geschichte wieder?“ So wirbt das Hausacher Museumsteam für den Vortrag über „Fremdenverkehr und Tourismus in Hausach und im Kinzigtal“. Hensle hält ihn am Sonntag, 25. Januar, ab 14.30 Uhr im Kaminzimmer des Herrenhauses in Hausach. Der Eintritt ist frei.