Sami Nübel probt momentan intensiv für seine Auftritte – teilweise auch sonntags. Foto: privat

Schule, Handballtraining und intensive Proben: Für Sami Nübel ist das derzeit Alltag. Der 13-Jährige übernimmt im Hausacher RGG-Musical „Rags“ eine der zentralen Rollen.

MMit 13 Jahren sorgen sich wohl die wenigsten Teenager, ob sie ihren Text können, sie ihr Lampenfieber im Griff haben, und die wenigsten von ihnen verbringen fast ihre komplette Freizeit mit sechs Jahre älteren Jugendlichen und Erwachsenen. Sami Nübel aus Wolfach tut genau das – zumindest momentan. Er probt seit mehreren Wochen für seine Auftritte bei dem RGG-Musical „Rags“, das am Sonntag, 7. Juni, seine Premiere feiert. Sami übernimmt in dem Stück die Rolle des David, eine der Hauptcharaktere. Damit ist er der jüngste Darsteller mit tragender Rolle.

 

Wie er im Gespräch mit unserer Redaktion verrät, ist es nicht das erste Mal, dass er für ein RGG-Musical auf der Bühne steht. Bereits vor zwei Jahren, als in Hausach „Shrek“ aufgeführt wurde, war er dabei, damals noch als „Baby-Shrek“ und ein Geißlein. „Und damals hatte ich noch viel Lampenfieber“, blickt er zurück. Das habe er glücklicherweise mittlerweile gut im Griff. „Das hat sich gelegt.“

Gesangsunterricht an der Musikschule

Er habe schon immer gerne gesungen, vor allem mit anderen, und ist Mitglied im 9/8er-Chor des Gymnasiums. Und schon in der Grundschule habe er das Profilfach Chor gehabt. Nicht zuletzt nehme er an der Musikschule Gesangsunterricht mit Schwerpunkt Klassik. Ihm sei klar gewesen, dass er nach „Shrek“ beim nächsten Musical wieder mit dabei sein würde, berichtet er. Zwar sei zunächst ein anderes Stück geplant gewesen, für das das RGG dann aber nicht das Copyright bekam. Als schließlich feststand, dass stattdessen „Rags“ aufgeführt werden würde, merkte Sami schnell: „Die Rolle des David passt zu mir. Wir haben in etwa das gleiche Alter und ich wollte gerne etwas Größeres spielen. Viele fragten mich auch, ob ich das nicht machen wollte“, so Sami.

Es gab allerdings einen Bewerbungsprozess, den jeder durchlaufen musste. Dieser war ziemlich einfach gehalten: Alle Darsteller in spe bekamen einen Zettel, auf dem sie ankreuzen konnten, welche Rollen sie gerne übernehmen würden. Sami markierte nur eine einzige: die des David. Die Mail, dass er den Part tatsächlich ergattert hatte, erhielt Sami dann im Urlaub. Sein erster Gedanke: „Wow, so eine große Rolle!“, gibt der 13-Jährige seine damalige Reaktion wieder. Dem Staunen folgten kurz Zweifel, ob er dem gewachsen sei, doch die legten sich bald wieder, „und dann habe ich mich einfach nur gefreut.“

Die Proben begannen bereits Anfang dieses Jahres. Und damit auch all die damit verbundenen Herausforderungen. Sami lernte bei ihnen viel über sich selbst. „Ich war zum Beispiel überrascht, wie schnell ich den Text gelernt habe“, erzählt er. Schwerer sei es ihm allerdings gefallen, eine große Bandbreite an Emotionen darzustellen. Zwar hat er bereits Theatererfahrung und beim Hausacher „Theater unter der Burg“ beim Stück „Der Rattenfänger“ mitgewirkt. „Aber da musste ich ganz andere Gefühle ausdrücken“, fasst Sami zusammen.

Sprung vom klassischen Gesang zu Broadway-Musik

Auch dass er ein Gesangssolo hat, ist für ihn neu. Doch er lobt in diesem Zusammenhang die Unterstützung, die er vom musikalischen Leiter Reinhard Bäder und Regisseur Gino Santo bekommt.

Sie helfen ihm dabei, in die Welt der Musicals hineinzufinden, wobei Sami den Sprung vom klassischen Gesang zur Broadway-Musik nicht als so groß empfindet. „Das geht eigentlich. Mehr Probleme hat mir bereitet, dass das Stück sehr viele Elemente jüdischer Musik enthält mit den dafür typischen Halbtonschritten. Da musste ich mich erst dran gewöhnen.“

Weiter gebracht habe ihm da, dass Bäder ihm Hörproben der vergangenen „Rags“-Aufführung zur Verfügung gestellt hat – denn bereits 2009 hatte das RGG das Musical in der Stadt unter der Burg präsentiert.

Mittlerweile haben die Hauptproben begonnen und Sami verbringt viel Zeit mit den anderen Darstellern, unter anderem mit Helena Tritschler. Die 18-Jährige spielt Davids Mutter Rebecca. Und wie ist es für einen 13-Jährigen, so eng mit älteren Jugendlichen und Erwachsenen zusammenzuarbeiten? Das klappe sehr gut, meint Sami. „Wir haben keine Hierarchien und man lernt viel über die andere Person. Wir sind quasi eine Familie geworden.“

Wie die anderen Darsteller muss Sami nun schon seit mehreren Monaten die Proben mit dem Rest seines Lebens vereinbaren – und das war schon vorher voll gepackt. Denn er nimmt nicht nur Gesangsunterricht, er spielt auch Handball im Baden-Württemberg-Kader. „Da hatte ich anfangs schon ein bisschen Schwierigkeiten“, gibt der Wolfacher zu. „Mittlerweile kriege ich das gut hin.“ Santo und Bäder sprächen die Probentermine immer mit ihm ab, sodass er alles unter einen Hut bekommt.

Freunde und Familie haben Verständnis für Aufwand

Auch seine Freunde hätten Verständnis. Genau wie Sami wüssten sie: „Wenn man so etwas machen will, muss man damit rechnen, dass man wenig Freizeit hat. Das ist jetzt einfach für ein paar Monate so“, fasst Sami zusammen. Seine Motivation: „Ich will alles mitnehmen, was mir geboten wird.“ Seine Familie, zumindest seine Mutter, sieht er trotz der Proben aber noch recht regelmäßig, denn sie ist Mitglied im Kostüm-Team. Sie wird bei der Premiere am 7. Juni also auf jeden Fall dabei sein. Aber auch der Rest seiner Familie hat ihr Kommen zugesagt.

Und mit welchem Gefühl blickt er auf den ersten Auftritt? „Ich bin sehr aufgeregt, aber auch sehr zuversichtlich. Wir haben gute Vorarbeit geleistet.“

Termine und Tickets

Die Aufführungen finden an folgenden Terminen in der Hausacher Stadthalle statt: Sonntag, 7. Juni, 18 Uhr; Montag, 8. Juni, 19 Uhr; Mittwoch, 10. Juni, 19 Uhr; Freitag, 12. Juni , 19 Uhr; Samstag, 13. Juni, 18 Uhr. Eintrittskarten sind bei der Tourist-Info Hausach, bei Stifte & Mohr in Hausach, im Buchladen Limberger in Haslach, bei Tabak und Herrenmode Schmidt in Wolfach sowie im Sekretariat des Robert-Gerwig-Gymnasiums erhältlich. Sie kosten 15 Euro für Erwachse und fünf für Studenten sowie Schüler.