Ulrike Derndinger und Heinz Siebold (linkes Bild) verbanden das Niederalemannische mit dem "Hebel-Alemannischen", während Carola Horstmann sich mit der Pandemie beschäftigte. Foto: Schwarzwälder Bote

Freizeit: Muettersproch Gsellschaft feiert die Alemannische Mundart in der Hausacher Stadthalle

Eine letzte Veranstaltung vor dem Teil-Stillstand im Land hat es am Samstagabend in Hausach gegeben. Die Muettersproch Gsellschaft hatte zum Mundart-Abend in die Stadthalle geladen und präsentierte hervorragende Musiker und Literaten.

Hausach. Als einer der drei geschäftsführenden Vorstände oblag Jürgen Hack die Moderation des Abends. Seine weißen Handschuhe hätten etwas mit künstlerischem Ausdruck zu tun, mit perfekter Sauberkeit, Kreativität, geistigem Freigang – und uneingeschränkter Aufmerksamkeit, erklärte er gut gelaunt. "Wir sind die Letzten, die noch auf der Bühne stehen dürfen", betonte er. Es werde ein schöner Abend, versprach er – und sollte damit Recht behalten.

Der Dialekt habe etwas von einer Geheimsprache, wie ein übergeworfener Zaubermantel – der nicht jedem passe. "Manchmol fühlsch dich wie a ›Ausländer‹ im eigene Land", befand Jürgen Hack und leitete zu Carola Horstmann als erster Protagonistin des Abends über. Die Künstlerin habe unglaublich viele Bücher, Hefte und Gedichtbände geschrieben und veröffentlicht – und damit viele Preise gewonnen, machte er neugierig. Die Corona-Krise war dann ihr erstes großes Thema und die bange Frage: "Macht jetzt alles wider zue?" Die Gesichter seien bereits zu, Anfassen sei verboten, statt Küssen gebe es Mundschutz, es gelte Hände zu waschen – und Abstand – Abstand – Corona. "Bringsch uns alli durenand und usenand und ewäg voenand. Füreanand sin mer e Gfahr worde", las sie zur musikalischen Begleitung durch den Moderator. In den Laboren werde wie verrückt gearbeitet, damit es an einem schönen Tag heißen könne: "Jetz isches umme mit dr Corona."

Am Ende des Vortrags stand der erste große Applaus des Abends – so groß er bei der coronabedingt reduzierten Besucherzahl möglich war.

Wortgewandter Feinsinn und feine Unterschiede

Mit dem "Tango argentino", der "leichten Haushose" und den Erinnerungen an die pubertären Zeiten in den 1960er-Jahren zeigte die Künstlerin wortgewandten Feinsinn.

Das Duo Ulrike Derndinger und Heinz Siebold verbinde neben der Liebe zum Dialekt auch der Ehering, wie vom Moderator zu erfahren war. Lesend und singend verbanden sie dann das Niederalemannische Derndingers aus der Ortenau mit dem "Hebel-Alemannischen" des Südschwarzwälders Siebold aus dem Wiesental. Wenn sie beispielsweise erklärte, was die Nachbarin sagt – aber eigentlich meint, und er das "ch" in der Sprache redegewandt als den auffälligsten Unterschied benannte, war der Unterhaltungswert groß.

Singend beschrieb Siebert seine Reise vom Wiesental ins Kinzigtal. "Weckli – Schleckli – Deckli – hesch on jedem Eckli", spielte er singend auf das gleichnamige Buch von Ulrike Derndinger an. Diese erklärte nach der gelungenen Integration von zwei Kaiserstühlern in Mahlberg: "Fremd si kannsch überall – daheim aber zum Glück au!" Und warum sie als Kind "a Muggaseggele wit weg vum a Schwätzli mit einem vun de Beatles" war, unterhielt die Besucher ebenso gut wie die Friseurin mit anglo-alemannischem Akzent. Mit dem Klagelied vom Cowboy aus dem Schwarzwald, der eine Frau sucht "tot oder lebendig – er brucht sie bis om nägschde Mändig" ging es in die Pause.

Sandhya Hasswanie stand dann als Geburtstagskind auf der Bühne und eröffnete ihr Programm mit einem Urlaubslied über Verona, wo sie wegen Corona nicht hinkam. Für den Mund-Nasen-Schutz fand sie nette Bezeichnungen wie Muul-Schlüpfer, Goschehalter oder Schnüre-Blümle und meinte: "Uf d’Stroß gibt’s weniger z’mule un z’befke, will alle uf eimol gsund si welle.“ Der Schneckenfund der kleinen Tochter wurde ebenso thematisiert wie das Navi, das keinen Dialekt versteht.

Lautstarker Abschluss gehört dem Rock

Der lautstarke Abschluss des Abends gehörte den Musikern Martin Lutz und Karl David, die ihren Alemannen-Rock seit 15 Jahren auf die Bühne bringen. Mit der Rockband "Hurlibue" waren sie bereits seit den 1980er-Jahren unterwegs, auch damals schon aus Überzeugung auf Alemannisch. Mit ihren selbst geschriebenen Songs gab es mächtig eins auf die Ohren und doch wurden auch ganz leise Töne angeschlagen. Beispielsweise beim Lied "So zerbrechlich – kei Garantie – im nägschde Augeblick, kann alles anders si", das so gut in die aktuelle Situation passt und doch eigentlich nach dem Tod der eigenen Mutter vor Jahren entstand. Mit dem Liebeslied "Tanz Maidle, tanz" wurden die Besucher nach beinahe drei Stunden bester Unterhaltung schließlich verabschiedet.

Der Rundfunksender SWR 4 überträgt am Sonntag, 22. November, Ausschnitte des großen Mundart-Abends in seinem Programm "Mundart und Musik". Am Rande der Hauptversammlung der Muettersproch Gsellschaft in Hausach war vor zwei Jahren die Idee zu einer Mundart-Veranstaltung in Verbindung mit dem SWR 4 entstanden.

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