Der Austausch auf dem Schulhof fehlt den Schülern des Robert-Gerwig-Gymnasiums in Hausach.Foto: Dorn Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Der Austausch auf dem Schulhof oder in der Klasse fehlt den Schülern des Hausacher Gymnasiums

Die Schulsozialarbeiterin Birgit Lehmann am Hausacher Robert-Gerwig-Gymnasium versucht die mentalen Folgen des monatelangen Lockdowns aufzuarbeiten. Dazu dient ein "Mammutprogramm" von Unterrichtsbesuchen.

Hausach. Das Programm hat sie mit den Schülersprechern initiiert. Im Gespräch mit dem Schwabo hat sich Lehmann zu den Beweggründen für dieses Angebot geäußert. Zwar bringe die Umstellung auf den Wechselunterricht neue Hürden mit sich (unter anderem dicht gedrängte Klassenarbeiten), aber bei Lehrern und Schülern überwiege die Vorfreude auf die Abwechslung nach der langen Zeit des Fernunterrichts.

Konzept soll nachgeschärft werden

In der Unterstufe hatte Lehmann die kurze Öffnungsphase nach den Osterferien für Besuche bei den Klassen genutzt und auch die Schüler der Jahrgangsstufe 1 konnten im Hybrid-Unterricht ihre Sorgen schildern. Dabei meldeten sich hauptsächlich die Schüler im Klassenzimmer zu Wort, die online Zugeschalteten lauschten. Hier möchte Lehmann das Konzept noch nachschärfen, auch wenn das die doppelte Anzahl an Gesprächen bedeuten würde.

Zur Vorbereitung von Terminen hat Lehmann eine Mail an die Lehrkräfte verschickt und über die Klassenlehrer viele Rückmeldungen in Form von angebotenen Zeitfenstern im "kostbaren" Präsenzunterricht für den Besuch in der Klasse erhalten. "Wir ziehen hier wirklich an einem Strang", so Lehmann.

Unsicherheit, Monotonie und Motivation hatten befragte Schüler aus der Jahrgangsstufe 1 als Probleme geschildert. Aspekte wie Probleme mit dem Tragen der Maske, dem ständigen Lüften oder den Schnelltests als Voraussetzung für den Schulbesuch wurden ausdrücklich nicht erwähnt. Unsicherheit wie es weitergeht, die Eintönigkeit des Schulalltags und als "Riesenthema" (Lehmann) die fehlende Motivation: Wenn schon die Generation der 17- und 18-jährigen Schüler, die alle zwei Wochen im Wechsel das RGG von innen sehen konnte, sich nur schwer motivieren kann, ist es Lehmann um die Unter- und Mittelstufe besonders bange.

Lehmann war zwar im Home-Office telefonisch und per Video-Chat immer erreichbar, die Schwelle zur (digitalen) Tür der Schulsozialarbeiterin war im Lockdown aber wohl höher als im normalen Schulalltag, blickt Lehmann auf die Schulschließung zurück. Wer richtige Sorgen habe, leide jetzt im Stillen, der Austausch zwischen den Kindern und Jugendlichen im Klassenraum oder auf dem Schulhof fehle massiv. Wo sonst die Klassenkameraden vielleicht "Alarm" geschlagen hätten, bleibt so mancher besorgniserregende Gemütszustand unentdeckt, auch da bei Video-Konferenzen im Fernunterricht die meisten Kameras ausgeschaltet bleiben. Mit Gesprächsrunden "in Präsenz" soll das Klima wieder zum Positiven verändert werden. Schließlich geht es mit großen Schritten auf das Schuljahresende und mögliche schwierige Versetzungsentscheidungen hin.

Online-Spieleabende, Spaziergänge und Kochen für die Familie stehen für die Jugendlichen hoch im Kurs, wenn es darum geht, im Lockdown Struktur in den Corona-Alltag zu bringen, so die spontanen Äußerungen der befragten Schüler der Jahrgangsstufe 1 im Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin. Und natürlich sei es wichtig, sich Ziele zu setzen, beispielsweise für Mama, Papa und die Geschwister einmal ein besonderes Essen zu kochen.

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