Corona: "Gesundes Kinzigtal" stellt Projekt gegen Verbreitung des Virus in Firmen vor

Wie können Mitarbeiter und Kunden vor Corona geschützt werden und damit die Wirtschaftlichkeit auch in der Krise sichergestellt werden? "Gesundes Kinzigtal" ist Teil eines Forschungsprojekts, dessen Ergebnisse nun vorgestellt wurden.

Hausach/Mittleres Kinzigtal. Bei der Online-Konferenz hatten sich mehr als 30 Teilnehmer eingeloggt, darunter Haslachs Bürgermeister Philipp Saar und mehrere Verantwortliche von Kinzigtäler Unternehmen, was zeigte, dass das Thema einen aktuellen Nerv trifft.

Aus Graubünden in der Schweiz hatten Janina Stunder, Abteilungsleiterin bei "Gesundes Kinzigtal" mit Sitz in Hausach, und Geschäftsführer Christoph Löschmann Joachim Fischer zugeschaltet. Dieser ist Direktor des Mannheimer Instituts für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin (MIPH). Er stellte das Projekt "CoviSecure" vor.

"Die Grundidee war, dass irgendwo da draußen der infizierte Mister X herumläuft und andere ansteckt, bevor er Symptome entwickelt, so dass wir sehr viele Menschen in Quarantäne stecken müssten. Die Alternative ist: Wir finden ihn mit Hilfe von Tests", führte Fischer aus.

Zuerst sei dabei an Antigentests gedacht worden, da dabei kein unangenehmer Abstrich in der Nase vorgenommen werden muss wie bei der PCR-Methode, sondern der Speichel analysiert wird. Leider seien die Antigentests aber fehleranfällig. Aus diesem Grund habe eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Fischer nach einer Alternative geforscht. Das Ergebnis: die Untersuchung von Speichelproben, die in Mundspül- oder Gurgelwasser wurden. Deren Vorteile sind die Schnelligkeit – ein negatives Ergebnis kann nach sechs Stunden vorliegen – und dass das Verfahren im Vergleich zum PCR-Tests kostengünstiger ist. Zwar ist die Gurgel-Methode nicht so sensibel wie ein PCR-Test, ist aber um den Faktor 10 bis 100 höher als die der besten am Markt erhältlichen Antigen-Tests.

Im Ergebnis ließen sich mit einer engmaschigen Testung in Verbindung mit einem Fragebogen frühzeitig Infizierte herausfischen. Gerade in Bezug auf solche, die keine Symptome zeigten, sei das von Vorteil. "Viele Menschen gehen zum Arzt und werden erst dann getestet, wenn sie sich krank fühlen", erklärte Fischer. Bis dahin können Corona-Infizierte schon viele Menschen angesteckt haben.

Pilotphase im Dezember mit 527 Personen

"Die Pilotphase des Projekts im Dezember ist gut gelungen", meinte Stunder. Viele Betriebe im Kinzigtal mit mehr als 500 Personen hätten teilgenommen. Sie führte aus, dass die Testintervalle unterschiedlich und abhängig von dem Risiko sind, dem die geteste Person ausgesetzt war, also, ob sie Kontakte zu einem Infizierten hatte oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten habe. Bei einem hohem Risiko wird beispielsweise zwei Wochen lang täglich getestet.

Wie genau eine Testung mit "CoviSecure" vonstatten geht, erläuterte Maren Scupin, Chief Client Officer von "HealthVision". So kann man sich mit einen QR-Code einloggen und kommt dann automatisch auf die Plattform. Scupin führte durch den auszufüllenden Fragebogen und erklärte den herauskommenden Datensatz.

Von seinen Erfahrungen mit CoviSecure berichtete Arzt Martin Wetzel aus Hornberg. "Als Arbeitgeber und als Praxis müssten wir eigentlich ständig in Quarantäne", erzählte er. Nachdem er und seine Mitarbeiter aber zuerst täglich und nun zweimal pro Woche jeweils negativ getestet werden, könnten sie mit einem beruhigten Gefühl arbeiten. Zwar würde das Testen ihn pro Tag und Mitarbeiter 80 bis 120 Euro kosten, aber "das ist es mir wert, wenn wir beruhigt arbeiten können", meinte Wetzel.

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