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Hausach Musik als Gegenentwurf zu Parolen

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Traugott Fünfgeld (von links), Kathrin Krichel und Gastgeber Hans-Michael Uhl in der Diskussion Foto: Dorn Foto: Schwarzwälder Bote

Zur Januar-Ausgabe der "Ortsgespräche" hatte sich Gastgeber Pfarrer Hans-Michael Uhl mit Kathrin Krichel und Traugott Fünfgeld in der Region verwurzelte musikalische "Schwergewichte" eingeladen. Zahlreiche Gäste kamen ins Gemeindezentrum.

Hausach. Das Thema war "Musik, Glück und Glaube". Der große Saal im schmucken evangelischen Gemeindezentrum war gut besucht. Mit einer Händel-Sonate eröffneten die Flötistin und der Kantor den Gottesdienst, dann hieß es Platz nehmen auf den beiden Traustühlen. Zur Unterstützung für den Trialog mit den beiden "Kirchenfürsten" Uhl und Fünfgeld hatte sich Krichel ihren "Privatchor" Achtgesang mitgebracht.

Zum Auftakt durften beide Gäste biografische Details zu ihrem musikalischen Werdegang illustrieren. Schnell wurde klar, dass die Musik sowohl für den Kirchenmusiker als auch für die "weltliche" Musikpädagogin mehr Berufung als bloßer Job ist. Krichel hat Querflöte studiert, im Studium ihr Talent zur musikalischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erkannt und mit der Zweigstellen-Leitung in Wolfach und Hausach dann die passgenaue Stelle für sich gefunden, ein Job, für den sie gerne aus Nordrhein-Westfalen ins dörflich geprägte Kinzigtal gekommen ist. "Das Ländle gefällt mir", äußerte Krichel als Adresse an all jene, die sie noch nicht in ihrer engagierten Arbeit als Musiklehrerin oder Chorleiterin erleben durften.

Fünfgeld verfügt über keinerlei "Migrationsbiografie". Er habe das Glück gehabt, in seiner Heimatstadt Offenburg eine Anstellung als Kirchenmusiker gefunden zu haben. Aus diesem sicheren Hafen bespielt Fünfgeld mit großer Reichweite das Feld der Kirchenmusik, konnte er doch kürzlich 762 Sänger und 3500 Zuhörer in der Oberrheinhalle zu einem Musical versammeln oder mit einem Fernseh-Gottesdienst im ZDF ein Millionenpublikum erreichen.

Sie erfordert Disziplin und eröffnet Freiheiten

Musik erfordert Disziplin und eröffnet Freiheiten, Musik ist Offenbarung – routiniert arbeiteten Gastgeber und Gäste die erwartbaren Fragestellungen ab, dann lenkte Uhl den Fokus zurück auf das Verhältnis von Musik und Glaube. Musiker seien latent religiöser, so der Verdacht des Pfarrers. Fünfgeld, obschon als Kantor im Sold der Kirche, wollte dies nicht allein an der Musik festmachen. Die Musik könne das Herz öffnen, darüber hinaus wirke die Kirche aber als Ensemble aus Architektur, Gemeinschaft und Musik. Manchmal reiche ein Sonnenstrahl in einem Votiv-Fenster, ein anderes Mal wirke die Musik (Fünfgeld denkt an die Matthäus-Passion) alleine, manchmal aber auch die Gemeinschaft im Chor.

Auf seine Reihe "Töne des Friedens" angesprochen spricht aus Fünfgeld der Furor des Überzeugungstäters: "75 Jahre Frieden sind ein Wert, den es zu bewerben gilt". Die Gesellschaft dürfe die Prägung der Kinder und Jugendlichen nicht denjenigen überlassen, die daraus einen Nutzen ziehen wollen.

Krichel springt ihrem Kollegen bei. Es gelte, Musik als Gegenentwurf zu billigen Parolen zu positionieren, "Singen statt Skandieren" – für einen kurzen Moment wird es ganz still im Publikum. Zur Entspannung gibt es fünf Minuten Träumereien an Klavier und Querflöte, dann erzählen Krichel und Fünfgeld aus ihrem beruflichen Alltag.

Als Kirchenmusiker leidet Fünfgeld darunter, in keinem Gremium vertreten sein zu dürfen und musikalisch relevante Entscheidungen nur in Protokollen lesen zu können. In den Chorproben seien dann oft Zupacken und Improvisieren gefordert, um die Verhältnisse wieder gerade rücken zu können.

Krichel ist in ihren Entscheidungen freier. Geschäftsführer und Gesellschafter der Musikschul-GmbH hätten ein offenes Ohr für ihre Belange. Als Beispiel erinnerte Uhl an die aktuelle Entwicklung vor Ort in Hausach, wo die Musikschule mit der "Alten Kaplanei" Einzug ins "Machtzentrum" der Stadt mit Rathaus und Kirche halten wird. "Geld und Musik gehören zusammen", warb auch Fünfgeld für eine gute Alimentierung der Musik.

Das Publikum stellte am Ende die Gretchenfrage an die beiden Chorleiter: "Was machen Sie, wenn jemand im Chor mitsingen will, der leider überhaupt nicht singen kann?" Die Antwort war natürlich eher diplomatischer Natur. Krichel glaubte an die Entwicklungsfähigkeit der menschlichen Gesangsstimme in Zusammenarbeit mit den Sangeskollegen. Fünfgeld, mit ungleich größeren Chören tätig, sah die Sache deutlich pragmatischer und brachte das wichtige Amt des Notenwarts zur Sprache.

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