Nach seinem gekonnten Spiel mit Kontrasten der Liebeslyrik hatte Christoph W. Bauer (links) viele Autogrammwünsche zu erfüllen. Foto: Jehle

Christoph W. Bauer präsentiert Lyrikband mit Anleihen von Catull und den "Toten Hosen".

Hausach - 37 Gedichte besingen in Christoph W. Bauers neuestem Werk die unterschiedlichen Phasen einer Liebesbeziehung. Aus seinem Lyrikband "mein lieben mein hassen mein mittendrin du" las der Hausacher Stadtschreiber von 2010 am Sonntag im Hausacher Rathaussaal vor.LeseLenz-Kurator José F. A. Oliver stimmte die zahlreichen Literaturinteressierten bei der Matinee bereits in seiner Begrüßung mit heiteren Worten auf das zeitlose Wesen der Liebe ein, die schon antike Poeten zu unsterblichen Versen inspirierte. Die Gedichte des österreichischen Autors Christoph W. Bauer erfreuen sich denn auch illustrer Paten wie des römischen Dichters Gaius Valerius Catullus, deutsch kurz Catull genannt, und des Pendants "Die Toten Hosen", die dem "Minnesang" drastischer Ausdruck verleihen.

Es bereitete pures Vergnügen, Bauer von Vers zu Vers zu folgen, und wie das Ausatmen das Einatmen ablöst, scheint der leidenschaftlichen Liebe notwendig der Schmerz hinterdreinzulaufen. Den "Toten Hosen" ähnlich, suchte der Innsbrucker Autor die Nähe zum Publikum und brachte mit Tändeleien über das – vielleicht fiktive – Süßholzraspeln des Catull eine kräftige Prise Erotik in das Lese-Ereignis.

Der Kontrast zwischen rhetorisch geschliffener Sprache und ruppiger Gossenrede darf, so man will, als weitere Analogie zur Geschichte des Liebespaares, die Veränderung im Umgang des lyrischen Alter ego mit seiner Geliebten, interpretiert werden. Besingt das elfte Gedicht noch "Hüftschwung" der Angebeteten, "um den dich die Bräute der Dichter beneiden", erlebte der Zuhörer hautnah das Abflachen der Gefühle bis in Gedicht 25 "nicht genug für ein entzwei für ein zweisam zu wenig" da ist.

In trefflicher Diktion trägt Bauer seinen "Liebesroman" in Gedichtform vor, der die Geschichte einer Liebe von den Anfängen über einzelne Episoden bis zu ihrem Ende und darüber hinaus erzählt. Wiederholt nimmt er Bezug auf den antiken Dichter Catull, gesteht jedoch freimütig, dass er Latein auch als Lautmalerei einsetze, die der Rhythmik diene. Offene Satzkonstruktionen, konsequente Kleinschreibung und das Fehlen jeglicher Interpunktion lassen Wortkaskaden entstehen, die einer Liedkomposition nahekommen.

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