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Hausach "Jedes Projekt ist ein neues Abenteuer"

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Ein Meer aus Büchern und Filmen zum diesjährigen Leselenz zierte den Tisch zur Pressekonferenz, bei der Kurator José F. A. Oliver das Programm vorstellte. Foto: Möller Foto: Schwarzwälder-Bote

Hausach. Die Pressekonferenz für den Hausacher Leselenz war gestern (siehe Ortenaukreis-Seite). Die Drehbuchautorin und Lektorin Nicole Armbruster ist in diesem Jahr auch zu der Kulturreihe eingeladen, die unter dem Motto "bewegt:bilder ­ Literatur, Film und Theater" steht. Dem SchwaBo hat die gebürtige Hornbergerin vorab ein Interview gegeben.

Frau Armbruster, ist das für Sie als Genre-Fremde und Kinzigtälerin ein Heimspiel?

Ja, schon. Ich freue mich natürlich, dass diese schöne Veranstaltung ausgerechnet in meiner Heimatstadt stattfindet. Und was es noch schöner macht, ist, dass ich dabei auch die Gelegenheit haben werde, meine Familie mal wieder zu sehen.

Wann kam die Anfrage?

José Oliver hatte mir im Februar eine Mail geschickt, ob ich Lust und Zeit hätte, zum Hausacher Leselenz zu kommen.

Sie wurden in Hornberg geboren und sind in Hausach aufgewachsen. Ist es für Sie als Kinzigtälerin etwas Besonderes, Teil des Leselenz-Programms zu sein?

Ja. Als Drehbuchautor wird man eigentlich selten zu solchen Veranstaltungen eingeladen, weil das Drehbuch an sich ja nicht gelesen oder verkauft wird. Es ist nur die Vorlage für einen Film. Beim Leselenz sind ja meist wahrscheinlich eher Romanautoren eingeladen, da bin ich schon eher der Exot. Ich habe mich aber auf alle Fälle sehr über die Einladung gefreut.

Kennen Sie den Hausacher Leselenz von seinen Anfängen?

Nein, leider nicht. Ich glaube, ich war damals noch zu jung oder ich hab es durch meinen Umzug knapp verpasst. Ich musste erst nach Berlin ziehen, um vom Hausacher Leselenz zu erfahren.

Wie kamen Sie auf die Idee, Drehbuchautorin zu werden?

Ich bin nicht den klassischen Weg gegangen. Also ich gehöre nicht zu den Leuten, die schon mit acht Jahren geschrieben haben – im Gegenteil. Zuerst war ich Fremdsprachenkorrespondentin und habe eine Weile in dem Beruf gearbeitet. Dann habe ich mein Abitur nachgeholt. Und dann war ich irgendwann in einer Offenburger Buchhandlung und hatte so ein Buch über das Handwerk des Drehbuchschreibens in der Hand.

Wie ging es dann weiter?

Das Buch hat mich fasziniert. Ich habe dann angefangen, mir Drehbücher im Internet runterzuladen und die Filme zu "lesen". Ich wusste, ich würde das gerne können, aber natürlich war mir auch klar, dass ich noch überhaupt keine Ahnung davon hatte. Und dann habe ich erfahren, dass es in Berlin die Filmhochschule in Babelsberg gibt und habe mich beworben.

Gab es bei Ihnen eine Schlüsselsituation?

Nach meiner ersten Absage an der Filmhochschule. Die Bewerbungen da sind sehr hart. Das sind immer über 100 Bewerber, genommen werden jedoch nur zwischen vier und maximal zehn Autoren. Aber nach der ersten Absage wusste ich, dass ich das wirklich machen will. Eine Weile hab ich noch versucht, mich dazu zu bringen, was "Anständiges" zu studieren, aber na ja -– hat nicht geklappt.

Wenn man die Fernsehzeitschriften betrachtet, fällt auf, dass wenig Spielfilme gezeigt werden. War der Berufsstart schwer?

Ja, das war und ist nicht einfach. Es gibt Drehbuchautoren wie Sand am Meer und gleichzeitig werden immer weniger Spielfilme gemacht. Die größte Hürde ist immer, überhaupt mal einen ersten Langfilm zu machen. Man nennt das Debüt. Ich hatte da noch großes Glück, weil gleich mein erstes Langfilm-Buch, also mein Abschluss-Drehbuch an der Filmhochschule verfilmt wurde. Und trotzdem war es nicht leicht. Es ist am Anfang wirklich schwierig, davon zu leben. Die meisten haben noch Nebenjobs. Ich habe auch eine Zeit lang nebenbei übersetzt und lektoriert.

Wo finden Sie Inspiration?

Die Stoffe fliegen einen irgendwie zu. Manchmal ist es ein Zeitungsartikel, manchmal erzählt eine Freundin etwas Spannendes, manchmal liest man ein Buch über ein Thema – das ist sehr unterschiedlich. Manchmal kommt man auch zu einem Projekt dazu, weil zum Beispiel der Regisseur, der das Buch selber schreiben wollte, nicht weiter kommt. Das passiert auch.

Sie haben im vergangen Jahr den deutschen Drehbuchpreis 2013 für Ihren Film "Freistatt" gewonnen. Wie hat sich Ihre Arbeit seither entwickelt?

Es ist ein bisschen leichter geworden. Man genießt mehr Vertrauen. Die Produzenten rufen auch mal mich an und nicht immer nur umgekehrt. Aber dennoch, auch nach dem "Deutschen Drehbuch-preis" ist jedes Projekt immer ein neues Abenteuer. Und man weiß am Anfang nie, ob am Ende auch ein Film daraus wird.

An was für einem Projekt arbeiten Sie momentan?

Ich arbeite immer an mehreren parallel, weil ich nie weiß, welches Buch am Ende auch wirklich realisiert wird: Eine Geschichte handelt zum Beispiel von Jugendgewalt und ist erzählt aus der Perspektive einer Richterin, ein anderes Buch ist eine Freundschaftsgeschichte und handelt von verpassten Träumen und Zielen im Leben. Dann schreibe ich noch an einem heiteren Kammerspiel zum Thema "Vollzeit-Mütter" versus berufstätige Mütter beziehungsweise "Elternzeit-Väter" versus "Nicht-Elternzeit-Väter". Dann noch an einem Bio-Pic über einen Showmaster. Aber wie gesagt, das bedeutet nicht, dass daraus immer ein Film wird. Entscheidend ist immer der Redakteur, der das grüne Licht geben muss.

Und was bringen Sie mit zum Leselenz nach Hausach?

Ich hoffe, dass ich einen kleinen Ausschnitt aus dem neuen Film "Freistatt" zeigen kann. Aber das kläre ich gerade mit den Produzenten. Ich selbst habe den Film noch gar nicht gesehen. Das wird also auch für mich noch ganz neu sein. u  Die Fragen stellte Katharina Bächle.

Nicole Armbruster ist am 17. Juli 1975 in Hornberg geboren und in Hausach zur Schule gegangen. Es folgte eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin in Gengenbach an der Vorbeck Schule. Danach hat sie ihr Abitur nachgeholt. Anfangs in Berlin hat sie zuerst beim dortigen Flughafen am Check-In gearbeitet. Armbruster ist Drehbuchautorin mit Diplom der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff Potsdam/Babelsberg und hat diverse Auszeichnungen erhalten; neben dem  Deutschen Drehbuchpreis 2013 und den Emder Drehbuchpreis für "Freistatt" hat sie auch den Thomas-Strittmatter Drehbuchpreis für den Kinofilm "Festung" bekommen. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Anfänglich hat sie noch für "Senator Film" oder "Deutschfilm" lektoriert und Seminare zum Drehbuchschreiben an der Humboldt Universität Berlin gegeben. Mittlerweile lebt sie nur noch vom Drehbuchschreiben. Foto: privat

 
 

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