In der Fertigung in Hausach entstehen erste Bauteile für E-Fahrzeug-Plattformen. Foto: Tekfor Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Gleichzeitig will Tekfor Teile der Produktion nach Rumänien auslagern / Arbeitsplätze sichern

Einiges ist los in Hausach: Die Tekfor-Gruppe will den Standort zum Entwicklungszentrum für E-Mobilität ausbauen. Gleichzeitig sollen Teile der Produktion nach Rumänien ausgelagert werden. Warum, erklärt nun das Unternehmen.

Hausach (red/kty). Die Europäische Union will bis 2050 einen Verkehr ohne klimaschädliche Abgase. Bis 2030 sollen mindestens 30 Millionen emissionsfreie Fahrzeuge auf den Straßen Europas unterwegs sein. Das bedeutet für die Automobilindustrie einen forcierten Umstieg von Antrieben mit Verbrennungsmotor auf E-Mobile. Als Spezialist für geschmiedete und bearbeitete Teile entwickelt die Hausacher Tekfor-Gruppe Komponenten für E-Mobile – und wird zukünftig mit Bauteilen in einer der größten E-Fahrzeug­Plattformen vertreten sein, heißt es in einer Mitteilung.

"Bei den anstehenden Umwälzungen in der Automobilindustrie ist es wichtig, als Zulieferer rechtzeitig einen Fuß in der Tür zu haben. Das haben wir bereits geschafft. Vor kurzem haben wir einen Großauftrag eines führenden europäischen Automobilherstellers erhalten und den bislang größten Auftrag der Firmengeschichte in Nordamerika gewonnen. Wir haben Geschäft für Elektroantriebe gebucht, die in 2025 circa zehn Prozent unseres Umsatzes ausmachen werden", so Johann Ecker, CEO der Tekfor-Gruppe.

Alle Autokonzerne stellen sich derzeit im Eiltempo auf den Wechsel vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb ein und wollen die Elek­trifizierung ihres Produktportfolios beschleunigen.

Hausach, wo die Wurzeln des Unternehmens liegen, komme als Standort für die Zukunft eine entscheidende Bedeutung zu, heißt es. Dort sei das Zentrum der Entwicklung für die ganze Gruppe und deshalb sei das Werk Hausach eng mit dem laufenden Transformationsprozess in der Automobilindustrie verbunden. Produkte für die E-Mobilität sollen in Zukunft den Schwerpunkt der Entwicklung in Hausach und der Wertschöpfung auch für andere Standorte bilden. Das bedinge jedoch auch Umstellungen in den Produktionsprozessen.

"Wir verlagern die Produktion von vergleichsweise lohnkostenintensiven, einfachen Standardteilen nach Rumänien, wo wir seit Ende 2020 dafür einen neuen Standort aufgebaut haben. Arbeitsplätze in Hausach oder an unseren anderen deutschen Standorten gehen dadurch jedoch nicht verloren, sondern werden vielmehr gesichert. Denn wir erhöhen so unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit und schaffen neue Kapazitäten für E-Mobility-Komponenten in Hausach. Mittelfristig und für die weitere Zukunft bedeutet das neue hochqualifizierte Arbeitsplätze, wenn die Automobilindustrie ihre Umbaupläne wie avisiert umsetzen kann", betont Ecker in der Mitteilung.

Die Hybridisierung und Elektrifizierung eröffnen für Tekfor mehr Chancen als Risiken, denn auch auf diesem Gebiet hat die Gruppe ihre Innovationskraft bereits unter Beweis gestellt. Ihre Kernkompetenz ist - unabhängig davon, ob ein Elektromotor oder ein Verbrenner das Auto antreibt – ein ingenieurmäßiges Verständnis und eine langjährige Expertise in den Produktionsprozessen der Automobilhersteller. Dabei lag der Schwerpunkt in der Vergangenheit klar auf Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Eine aus mehreren Teilen gebaute Nockenwelle, die nach einem bei Tekfor entwickelten Verfahren hergestellt und heute von vielen Motorenherstellern genutzt wird, ist ein Beispiel für das Engineering-Know-how aus Hausach. Mit dieser Kompetenz wurden nun auch gemeinsam mit Kunden neue Konzepte für alternative Antriebe entwickelt.

"Auch wenn wir damit rechnen, dass 2030 noch 70 Prozent der weltweit gefertigten Autos einen Verbrennungsmotor an Bord haben, stellen wir uns heute so auf, dass wir unabhängig sind vom Antriebsmix. Zwar wird der Anteil an Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahren sinken, aber dies wird für uns durch Zuwächse im Bereich der alternativen Antriebe und dem generellen Wachstum im Automobilmarkt mehr als kompensiert. Unter dem Strich wird die Tekfor-Gruppe weiter wachsen", ist Ecker überzeugt.

Die Tekfor-Gruppe habe sich in den vergangenen Jahren als strategisch eigenständiger "Global Player" im Automotive-Markt positioniert und ist damit auch gut durch die Corona-Krise gekommen. Es werde weiter in die Kernkompetenz in Hausach – nämlich der Entwicklung innovativer Komponenten für Antriebe der Zukunft – investiert. "Wir schreiben schwarze Zahlen und sind daher in der Lage, die für die Transformation nötigen Investitionen aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Jedes Jahr investieren wir dabei rund 25 Millionen Euro in die Produktion und neue Produkte. Unser Fokus liegt ganz klar auf Wachstum", so Johann Ecker.

Aktuell ist die Tekfor-Gruppe mit Standorten in Europa sowie in Süd- und Nordamerika führend in der Konzeption, Entwicklung und Produktion von innovativen Lösungen für Getriebe, Motor, Antriebsstrang sowie Sicherheitsmuttern. An den deutschen Standorten Hausach, Rotenburg an der Fulda, Schmölln und Eschborn bei Frankfurt sind derzeit knapp 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit arbeiten rund 2100 Mitarbeiter daran, internationale Autokunden und deren Zulieferer mit Produkten im Wert von circa 300 Millionen Euro jährlich zu beliefern. Mit rund 700 Mitarbeitern ist Hausach einer der größten Standorte.

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