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Hausach Fliegen sterben mit besserer Aussicht

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Zurückhaltendes Bühnenbild und starke Schauspieler zeichnet das Stück "Unschuld" der Theater-AG aus. Fotos: Beule Foto: Schwarzwälder Bote

Es ist ein leises Stück, das sich die "große" Theater-AG des RGG in diesem Jahr vorgenommen hat. Und es kommt fast gänzlich ohne Effekte aus – und gerade deshalb wirkt es so sehr. Am Sonntag haben die Schüler "Unschuld" von Dea Loher aufgeführt.

Hausach. Eine Fliege habe 3000 Ansichten eines Dinges auf jedem Auge, sagt Absolut, die blinde Gogo-Tänzerin, und Elisio, ein illegaler Immigrant, kontert: "Stirbt sie deshalb klüger als wir? Oder hat sie nur ein schöneres Panorama?" – "Mehr als ich sieht sie schon", antwortet Absolut. Die fragilen Pointen in Dea Lohers Stück sind bittersüß und herrlich ambivalent. Die Schuld verbindet die handelnden Personen, und wer keine trägt, kann sich nicht entschuldigen.

Ein ganzes Kaleidoskop solcher Figuren auf Sinnsuche handelt im Stück: Da ist zum Beispiel Franz, der eine Arbeit als Bestatter gefunden hat. Er schleppt nicht abgeholte Urnen mit nach Hause, ignoriert aber seine Frau, als wäre sie schon tot. Dabei wünscht sich Rosa nichts mehr, als ein Kind. Sei’s drum, denn seit ihre diabeteskranke Mutter Frau Zucker sich in der Einzimmer-Wohnung einquartiert hat, ist an Zweisamkeit ohnehin nicht mehr zu denken. Denn die ist so unzufrieden mit ihrem eigenen Leben, dass sie es auch anderen madig machen muss. Zerfressen von Selbstmitleid und der Krankheit, an die sie langsam aber sicher ihr Bein verliert – herrlich aufdringlich und mit viel Zynismus. Frau Habersatt gibt sich Angehörigen der Opfer von Amokläufen gegenüber als Mutter des Täters aus und bittet sie um Verzeihung: "Ich bin die Mutter von Udo, dem Amokläufer. Ach, der hieß Achim? Jaja, ich bin die Mutter von Achim", sagt sie süffisant lächelnd. Warum? Weil ihr eigener Sohn kurz vor der Geburt starb.

Die blinde Absolut lebt von den Blicken der Männer, für die sie sich abendlich auszieht. Die rastlose Philosophin Ella führt Selbstgespräche und verachtet ihren stummen Mann Helmut. Die beiden illegalen Immigranten Fadoul und Elisio beobachten eine Frau beim Ertrinken – und tun nichts, aus Angst, abgeschoben zu werden. Später findet Fadoul hunderttausende Euro in einem Müllsack, verwechselt "Geld" aber mit "Gott".

Bitterböse Ironie gegenüber dem Leben

Die bitterböse Konsequenz aus dem "Suizidexhibitionismus" eines auf der Autobahnbrücke Stehenden tragen die entnervt wartenden Autofahrer als tanzender Chor vor: "Also spring doch endlich, los, alle auf drei, eins zwei – spring – gen – sprin – gen – sprin – gen".

Das Stück zeichnet die Ironie gegenüber dem Leben aus. So besteht Fadoul im Supermarkt darauf, als Ausländer doch bitteschön diskriminiert zu werden. Es ist die Hoffnung, die sie verbindet – darauf, dass ihr Leben vielleicht nicht ganz so erbärmlich ist, wie es ihnen erscheint. Durch Kontaktaufnahmen und kleine Verweise vernetzen sich die Geschichten immer feinmaschiger.

Die gelungene Mischung aus bemerkenswertem Text und großartigen jungen Schauspielern macht aus dem Stück eine starke Inszenierung, die nachhallt. Vom Publikum wird das Stück mit viel Beifall bedacht.

Im Stück "Unschuld" waren zu sehen:

Elisio: Christian Schneider

Fadoul: Jan Brohammer

Absolut: Aleyna Yilap

Frau Habersatt: Annika Held

Franz: Andy Haberer

Rosa: Maja Münch

Frau Zucker: Mandy Daub

Ella: Sidonie Ameloot

Helmut: Leonie Fritsch

Regie: Die Schüler der "großen" Theater-AG unter der beratenden Leitung der Lehrer Sabine Pelz und Thomas Rothkegel

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