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Hausach "Es trifft eher die ältere Generation"

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Von außen weist nichts darauf hin, das die Stunden des Rewe-Markts gezählt sind. Fotos: Reinhard Foto: Schwarzwälder Bote

Noch deutet nichts darauf hin, dass die Stunden des Rewe-Markts gezählt sind und am heutigen Samstag sein letzter Öffnungstag ist – zumindest von außen. Immer noch prangt das rote Schild über den Eingang, Rentner, Hausfrauen, Jugendliche und Handwerker schlendern oder hasten durch die Schiebetür. Alles wirkt wie immer.

Auch im Inneren unterscheidet sich der Markt auf den ersten Blick nicht von anderen. Das Obst und Gemüse ist frisch, die meisten Regale sind voll. Erst wer genauer hinschaut, sieht, dass es in einigen Gestellen Lücken gibt. Ausgegangene Ware scheint nicht mehr aufgefüllt zu werden. Gerade in der Tiefkühlabteilung gibt es größere Löcher. Pizzen, die viele gerne mal für ein schnelles Abendessen beim Supermarkt um die Ecke einkaufen, sind nur noch sehr wenige da. Ein leeres Rollregal steht in einer Ecke. Ein Mitarbeiter räumt stapelweise Schokolade aus und legt sie in einen Einkaufswagen. Die Weihnachtsartikel warten auf Käufer. Der Markt wir an Heiligabend allerdings nicht mehr existieren.

Angestellte lassen sich nichts anmerken und gehen ihrer Arbeit nach

An der Käsetheke begrüßt eine Verkäuferin ihren Stammkunden mit den Worten "So, noch einmal da?" Ein anderer wirft einer Angestellten, die von der Kasse in den hinteren Bereich des Rewe-Markts eilt. "Jetzt wird’s leerer, was?" zu. Man kennt sich.

Die meisten Kunden wissen genau, dass am heutigen Samstag die letzte Gelegenheit für einen Einkauf beim Supermarkt um die Ecke ist. Und während die Mitarbeiter sich nichts anmerken lassen, weiter ihrer Arbeit nachgehen und Fragen zur Schließung des Geschäfts nicht beantworten, machen die Kunden ihrem Ärger Luft. "Auf deutsch: Es ist Mist, dass der Rewe schließt", sagt Maik Schmitt. Er wohnt im Hegerfeld und arbeitet beim DRK, also nur wenige Meter vom Supermarkt entfernt. "Da war es schon bequem, mal schnell in den Rewe gehen zu können, um was zu besorgen. Aber für mich selbst ist die Schließung nicht ganz so schlimm. Ich habe ein Auto und bin erst 43 Jahre alt. Die ältere Generationen trifft das mehr." Er denke unter anderem an seine beiden Eltern, die ebenfalls im Hegerfeld wohnen. "Meine Mutter wird auch nicht jünger", sorgt er sich.

Der Vollsortimenter muss bis Ende Dezember aus dem Gebäude ausgezogen sein. Wie lange die Räume danach leer stehen, weiß niemand. Der Eigentümer des Hauses hatte den Pachtvertrag mit Rewe auslaufen lassen und stattdessen an Edeka vermietet. Rewe will einen größeren Markt in der Nähe des Bahnhofs, am anderen Ende der Stadt, bauen. Der bisherige sollte aber als kleiner Markt bestehen bleiben. Mit der Verpachtung an Edeka wurde das obsolet. Mehr noch: Laut Regionalplan sind zwei große Vollsortimenter in diesem Abstand nicht erlaubt.

Der entsprechende Bebauungsplan für den neuen Rewe ist in der zweiten Offenlage. Der Gemeinderat hat außerdem den Bebauungsplan am ersten Rewe-Standort so geändert, dass Edeka nicht erweitern kann. Der Konzern leitet rechtliche Schritte gegen die Stadt ein. Wie lange der alte Rewe leer steht, ist unklar.

Für die Hausacher bedeutet das: Keine nahe Einkaufsmöglichkeit im Westen und das für einen nicht absehbaren Zeitraum. Gerade für Senioren wird die Lage schwierig, sind sich alle befragten Kunden einig. Und nicht nur das: Viele hänge an "ihrem" Rewe.

Einkaufsmöglichkeit im Westen wird den meisten Kunden fehlen

"Das ist sehr schade, dass er zumacht. Er wird mir fehlen", sagt die 68-jährige Anika Recchia. "Für uns war das immer schön, hier einkaufen gehen zu können. Man kennt die Leute und zu Fuß waren wir in 15 Minuten da. Jetzt muss ich zum Lidl ganz ans Ende der Stadt. Das ist für mich ein Fußweg von einer Stunde. Nicht jeder der älteren Menschen hat ein Auto." Ihr zwei Jahre älterer Mann Guiseppe weist darauf hin, dass das Paar noch einen Wagen hat, dennoch: "Es wird nicht einfach."

Senioren und Menschen ohne Auto sind aber nicht einzigen, die unter der Schließung des Markts leiden werden. Silvia Lauble zum Beispiel ist 62 Jahre alt und wohnt im Einbach-Tal, dessen Bewohner einen weitaus längeren Weg bis in Hausachs Osten zu den anderen Supermärkten haben. Sie sei aber mobil, "für die Menschen im Seniorenheim und die Älteren aus dem Kreuzberg, die kein Auto haben, ist die Schließung bitterer", sagt sie. Dennoch war der Rewe für sie die nächst gelegene und gern genutzte Einkaufsmöglichkeit "Er war mein Laden", fasst sie es zusammen.    Charlotte Reinhard

Rewe will schon seit Jahren an einem anderen Standort neu eröffnen. Im Bereich der ehemaligen Schwarzwald-Modellbahn soll nun ein größerer Markt entstehen. Ursprünglich sollte am alten Standort ein kleiner Supermarkt bestehen bleiben. Der Gebäudeinhaber verpachtete neu an Edeka. Das Unternehmen will einen großen Vollsortimenter bauen. Doch der Regionalplan lässt keine zwei große Märkte in diesem Abstand zu.

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