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Hausach "Ein Stipendium ist auch ein Preis"

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Tobias Steinfeld (von links), Anja Tuckermann, Martin Piekar und Marius Hulpe wurden am Donnerstagabend in Hausach begrüßt.Foto: Reinhard Foto: Schwarzwälder Bote

Auch die Begrüßung der Stadtschreiber gestaltete sich im Rahmen des Leselenzes 2.0 dieses Jahr etwas anders als gewohnt, aber nicht minder unterhaltsam. Die drei sehr unterschiedlichen Stipendiaten machten dabei Lust auf Literatur.

Hausach. Die Veranstaltung fand unter dem Pavillon des Blumengartens des Gasthauses Blume statt, einem nahezu historischen Ort, wie Leselenz-Kurator José F. A. Oliver erklärte. "Als der Leselenz noch ganz jung war fanden hier die Sonntagsmatinées statt", erinnerte er sich. Bei den Überlegungen für das Konzept des Corona-Formats 2.0 sei der Gedanke aufgekommen, dass es schön wäre, den Ort zumindest bei einer Veranstaltung zu berücksichtigen – eine gute Idee, denn der Blumengarten bot die heimelige, frische Atmosphäre eines Gartenfests.

Ein Stipendium sei auch eine kleine literarische Auszeichnung, ein kleiner Literaturpreis, meinte Oliver. Aber auch eine Würdigung der Kulturschaffenden, die unter der Corona-Pandemie sehr zu leiden haben. Aus diesem Grund sei die Poetik-Dozentur an der PH Karlsruhe dieses Mal nicht auch an den Gewinner des Amanda-Neumayer-Stipendiums, wie es in den vergangenen Jahren oft der Fall gewesen war, sondern an zwei verschiedene Personen vergeben worden.

Hausachs Bürgermeister Wolfgang Hermann bezeichnete den diesjährigen Leselenz als "außergewöhnlich". "Ich hatte im Frühjahr eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben, dieses Jahr einen Stadtschreiber in Hausach begrüßen zu können", sagte er. "Aber man darf nie die Hoffnung aufgeben und vor allem muss man einen José Oliver haben." Der Leselenz 2.0 sei unter anderem deswegen ein hervorragendes Format, weil sich mit ihm das Literaturfestival über einen längeren Zeitraum erstrecke und so auch länger dauere als sonst, meinte Hermann augenzwinkernd.

Dann folgte der Hauptteil. Statt der Manuskript-Lesung gebe es dieses Mal Kurzlesungen, informierte Oliver, bevor er die Kurzlaudatio auf Stadtschreiber Martin Piekar hielt, der momentan im Rahmen seines Stipendiums in Hausach lebt und arbeitet. "›Ich bin für Gedichte, die mich kritisch betrachten", zitierte Oliver den Stadtschreiber. "Diese klar formulierte und einladende Selbstgewähr kristallisiert vielleicht eine der Voraussetzungen, um all das, was uns Welt bedeutet, nicht minder kritisch zu betrachten", meinte Oliver.

Piekar las anschließend aus seinen Gedichtbänden vor. Stolz zeigte er sich, dass eines davon, Bastard zwei, das er zu Salvador Dalis Elefanten-Bild geschrieben hatte, in ein Schulbuch aufgenommen wurde. Seine Gedichte waren erschreckend zeitgenössisch, kritisch, ehrlich, lapidar-wortgewaltig und oft mit einer Prise Humor gewürzt. Piekar wird seine Abschiedslesung am 27. September halten.

Abschiedslesung von Martin Piekar ist am 27. September

Der nächste Stadtschreiber, Tobias Steinfeld, las Auszüge aus seinem Jugend-Roman "Kein Plan" vor, in dem es um den Teenager Albert geht, der sich neben seinem peinlichen Vornamen und den üblichen Problemen eines Heranwachsenden herumschlagen muss, sondern auch mit der Frage, was er "mal machen soll", wenn er die Schule beendet.

Auch Marius Hulpe nahm die derzeitige Situation der Kunstschaffenden auf. "Das Ökonomische fehlt, aber vor allem fehlt der poetische Zufall", erklärte er, bevor er Auszüge aus seinem Roma "Wilde, grüne Stadt" vorlas, in dem es um Reza geht, der vom Schah-Regime als Spion nach Europa verschickt wird und ausgerechnet ins erzreligiöse Westfalen kommt.

Die Poetik-Dozentur erhält in diesem Jahr Anja Tuckermann. Auch sie gab mit Auszügen aus ihrem Buch "Fräulein Moxa" einen Einblick in ihre Arbeit. Äußerst unterhaltsam waren dann die Dialoge aus "Familie Merkwürdig und Familie Unglaublich machen eine Dampferfahrt".

Oliver bedankte sich schließlich bei Heidi Rösch, die als Professorin am Institut für deutsche Sprache und Literatur in Karlsruhe nun allmählich in den Ruhestand geht, für ihre Unterstützung im Rahmen der Poetik-Dozentur, bevor der offizielle Teil des Abends beendet war.

Der "Leselenz 2.0" entstand als Antwort auf die Corona-Krise. Der Leselenz lockt seit mehr als 20 Jahren jedes Jahr Tausende Literaturfans und Schriftsteller von Weltformat nach Hausach. In seinem 23. Jahr war lange jedoch unklar, ob der Leselenz wie viele andere kulturelle Veranstaltungen der Corona-Pandemie zum Opfer fällt. Das war glücklicherweise nicht der Fall. Er bekam ein neues Konzept, das auf analoge und digitale Formate setzt, und startete am 3. Juli. Der Leselenz wird sich im Jahr 2020 auf einen Zeitraum vom 3. Juli bis zum 31. Dezember erstrecken. Jeden Monat gibt im Schnitt eine analoge Veranstaltung.

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