Fast der gesamte obere Teil des Hauses ist verkohlt. Im Vorgarten liegen Trümmerteile. Foto: Reinhard

Zuhause von Elke und Berthold Moritz unbewohnbar. Dankbar für erfahrene Solidarität.

Hausach - Mehr als 60 Feuerwehrleute haben am 31. März gegen ein Feuer gekämpft, das in einem Haus an der Seilergasse ausgebrochen war. Doch sie konnten nicht verhindern, dass es unbewohnbar wurde. Die Besitzer des Hauses versuchen nun, wieder auf die Beine zu kommen.

Das Haus steht noch, aber die obere Hälfte des Gebäudes ist so gut wie vollständig verkohlt, der Großteil des Daches abgedeckt, statt Fenstern klaffen Löcher in den Wänden. Ein Bauzaun trennt das Haus von der Straße ab, im Vorgarten liegen Trümmerteile. Hieß es in der Pressemitteilung der Polizei noch, dass der entstandene Schaden an dem Haus etwa 400.000 Euro betrage, gehen die neusten Schätzungen laut Elke Moritz von 800.000 Euro aus, wie sie dem Schwabo berichtet.

Ursache unklar

Was die Ursache des Brands war, darüber können die beiden 68-Jährigen nicht einmal spekulieren. "Wir haben keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte", sagt Elke Moritz. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. An dem Tag des Unglücks war das Paar gerade in der Küche. Dass zu der Zeit beide anwesend waren, war ungewöhnlich, denn normalerweise war Berthold Moritz zu der Uhrzeit schon bei der Dialyse in Wolfach. "Just an dem Tag war er aber zur Nachtschicht eingeteilt", berichtet Elke Moritz. Berthold Moritz aß gerade etwas, als es an der Tür klopfte. "Raus, ihr müsst raus, es brennt bei euch", brüllte er. "Beim Verlassen des Hauses habe ich dann gesehen, dass der Balkon und der Rosenstock, der neben ihm hoch wächst, brennen", berichtet Elke Moritz.

Mit einem Feuerlöscher versuchten sie noch, die Flammen zu ersticken, doch es half nichts. Sie retteten ihre Tiere, den 17 Jahre alten und tauben Hund, die beiden Kanarienvögel und die vier Hühner, dann kam schon die Feuerwehr. Während diese den Kampf gegen das Feuer aufnahm, kümmerte sich zuerst Marcus Auel, der Arzt der Moritz’, der nur ein paar Meter von deren Haus entfernt seine Praxis hat, um das Paar. Eine Freundin nahm die Beiden danach mit zu sich nach Hause, wo sie für den Rest des Tages blieben und versorgt wurden. Eine weitere Freundin nahm sich währenddessen des verstörten Hundes an und ging mit ihm Gassi.

Sie waren zwar die ersten Hausacher, die Elke und Berthold Moritz ihre Hilfe anboten, aber nicht einzigen und letzten. Bereits wenige Stunden nach dem Ausbruch des Brands rief Erwin Moser vom gleichnamigen Herrenmodengeschäft in den sozialen Medien zu Kleiderspenden auf. Dabei blieb es nicht. Geschirr, Bettwäsche, ein Kuvert im Briefkasten, Anrufe und Hilfsangebote beim Wiederaufbau des Hauses: "Es kommt von allen Seiten etwas. Die Solidarität, die wir von Seiten der Hausacher und Kinzigtäler erfahren, ist riesengroß", sagt Elke Moritz dankbar. Dieser ist es auch zu verdanken, dass das Ehepaar ein Dach über dem Kopf hat. Ein Freund bot ihnen an, vorübergehend in die Wohnung seiner verstorbenen Mutter einzuziehen. Dort leben die Beiden momentan.

Auch in Bezug auf ihre Tiere helfen viele. Ein Freund hat die beiden Vögel zu sich genommen und kümmert sich bestens um sie, ein weiterer nahm die Hühner bei sich auf. "Er hat uns zu Ostern ein paar gefärbte Eier von ihnen gebracht", erzählt Elke Moritz. Es sind diese kleinen Gesten, die sie in dieser Zeit wieder ein wenig aufbauen.

Geburtstageschenke des Enkels verbrannten

Dennoch fehlt es an allem Möglichen und vieles ist unersetzbar. Alles, was sich im oberen Stockwerk des Hauses befand, ist zerstört. Schwerwiegend ist vor allem der Verlust aller Unterlagen und Gutachten aus dem Büro von Berthold Moritz. Doch das ist bei weitem nicht alles. Der allergrößte Teil der technischen Geräte – Fernseher, Laptop und auch das für Berthold Moritz äußerst wichtige Blutdruckmessgerät – sind den Flammen zum Opfer gefallen. Auch die Medikamente verbrannten, aber glücklicherweise hat die Krankenkasse diese sowie das Blutdruckmessgerät ersetzt. Traurig sind die Beiden auch, dass alles, was sie bei sich zu Hause für ihren Enkel aufbewahrten, zerstört wurde: das Kinderbett, die Ersatzkleidung, die Spielsachen sowie die Geburtstagsgeschenke, die sie für den Jungen besorgt hatten. Er wurde am 1. April ein Jahr alt.

Das Haus haben die Moritz‘ 1988 selbst gebaut. Sie haben zwei Kinder darin großgezogen und Berthold Moritz hat in dem dort untergebrachten Büro als Gutachter, Statiker und Architekt gearbeitet. Nicht nur deswegen war es etwas Besonderes. Das Holzhaus enthielt Fachwerk-Elemente und gebrannte Lehmziegel. "Es war unser ganzer Stolz", sagt Elke Moritz. Sie wollen es wieder aufbauen und versuchen, nach vorne zu blicken.

Das Geschehene zu verarbeiten, fällt ihnen trotzdem schwer. "Ich bin immer noch im Schockzustand und funktioniere einfach. Das nimmt mich alles so mit, aber weinen kann ich trotzdem nicht.", versucht Elke Moritz ihr derzeitiges Befinden in Worte zu fassen. Sie schlafe so schlecht, dass ihr Schlafmittel verschrieben wurden.

Die Corona-Krise erschwert ihre Situation weiter – nicht nur, weil alle Vorräte durch das Feuer nicht mehr zu verwenden sind und Elke Moritz trotz der Krankheit ihres Mannes nun gezwungen ist, häufiger als geplant einzukaufen. "Wenn wir abends zusammensitzen, kommt alles hoch. Und es gibt keine Möglichkeit, sich abzulenken oder irgendwohin zu gehen", erklärt Elke Moritz.

Die Stadt Hausach hat Spendenkonten ’ eingerichtet. Spenden gehen an: Sparkasse Haslach-Zell, IBAN DE22 6645 1548 0000 6121 52 oder Volksbank Mittlerer Schwarzwald eG, IBAN DE28 6649 2700 0000 0046 18.

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