Gemeinsam mit Ntando Cele, einer Schauspielerin und Performerin aus Südafrika, präsentierte Raphael Urweider seine Lyrik mit musikalischer Untermalung am Klavier. Foto: Armbruster Foto: Schwarzwälder-Bote

Der Hausacher Stadtschreiber Raphael Urweider zeigte sich zum Abschied nochmals von seiner besten Seite

Von Laura Armbruster

Hausach. In seiner mit "Städte, Orte, Gassen" überschriebenen Abschiedslesung am Freitagabend im Löwen zeigte sich der Hausacher Stadtschreiber Raphael Urweider nochmals von seiner besten Seite. Gemeinsam mit Ntando Cele, einer Schauspielerin und Performerin aus Südafrika, präsentierte er seine Lyrik mit musikalischer Untermalung am Klavier.

José F. A. Oliver bedauerte, dass drei Monate so schnell vergangen seien und der "er- und wahrscheinlich auch belesene" Zuhörerkreis um Raphael Urweider bereits Abschied vom Stadtschreiber im Bereich Belletristik nehmen müsse.

Wie um diese letzte Lesung zu versüßen, schöpfte der Schweizer Lyriker ein weiteres Mal aus dem Vollen: Feinfühlig hinterfragte Urweider in seinem Brief an die Supermarktkette alltägliche Begriffe, die schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind.

Im sprachlichen Vergleich mit dem Schweizerdeutschen wurde aus unserer Hochdeutschen "Feinkost" schnell ein Billigprodukt, so bezöge sich "Kost" eigentlich auf den Preis einer Ware und "fein" sei das was der Schweizer sagt, wenn ihm das Essen geschmeckt habe, also das Äquivalent zu "gut".

Von "Feinkost" über den "Gutpreis" zum "Billigprodukt": Geschickt jonglierte Urweider mit den Worten und scheut sich dabei nicht, sprichwörtlich um die Ecke zu denken.

In einer weiteren Kolumne sprach der Schweizer vom Lesen und Verlesen und wies auf die große künstlerische Bedeutung des Letzteren hin. Bei der Ankunft am Hausacher Bahnhof habe er sich mit einem Gebäude zur "Götterabfertigung" konfrontiert gesehen und immer wieder entdecke er durch solche Missverständnisse neue, spannende Buchtitel.

Die "Leiche des jungen Werther" sei nur einer davon. Neben seinen Kolumnen, die voller Neugier die deutsche Sprache aus einer fast wissenschaftlich anmutenden Distanz betrachten und so immer wieder spitzfindig auf Widersprüche stoßen, präsentierte Urweider mit seinem Überraschungsgast spontan Werke für Klavier und Gesang auf Zulu und Englisch.

Ntando Cele, die Hausach bereits beim Leselenz im vergangenen Jahr zur Leitung einer Klangwerkstatt besuchte, sang mit ihrer kräftigen Stimme unglaublich intensiv und vermittelte so den Zuhörern über Klänge und Stimmmodulation die Themen ihrer Lieder, sodass die für die meisten Hausacher wohl fremde afrikanische Sprache fast in den Hintergrund trat.

Auch Urweider machte sich die Wirkung der Musik zu Nutze und untermalte seine Lyrik mit spontanem Klavierspiel und nahm so die Stimmung der Gedichte bereits in der Musik voraus.

Besonders bei seinen "Haikus aus Casablanca", kurzen, immer gleich aufgebauten Gedichten, wurde der Eindruck der Worte durch die Klavierklänge ergänzt.

Zum Ende der Vorlesung erfreute der Dichter seine Zuhörer mit seinen Liebesgedichten von A bis Z und seinen "Schnapsvariationen".

Nachdem José F. A. Oliver sich vor Jahren ein Gedicht über Topinambur gewünscht hatte, wurde ihm diese Auftragsarbeit heute endlich überreicht und Oliver bedankte sich seinerseits mit einer Flasche des typisch badischen Getränks bei Rapahel Urweider und der Performerin Ntando Cele.

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