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Hausach Der Hauptberuf als "Lebensretter"

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Hoch über Hausach wurde die Burg Husen am Montag rot angestrahlt. Mit der Aktion schlug die angeschlagene Veranstaltungsbranche Alarm. Foto: Goetze Foto: Schwarzwälder Bote

In der Veranstaltungsbranche herrscht Alarmstufe Rot. Während die Corona-Lockerungen Sparten wie dem Handel oder der Gastronomie mittlerweile wenigstens wieder etwas Perspektiven bieten, werden Großveranstaltungen lange nicht möglich sein.

Mittleres Kinzigtal. Theater, Konzerte, Festivals: Alles fällt aus. Das trifft auch Veranstaltungstechniker. Am Montagabend haben die Betroffenen im Kinzigtal sich daher an der bundesweiten "Night of Light" beteiligt.

Viele der betroffenen Betriebe im Kinzigtal werden im Nebenerwerb geführt. Für sie wird der Hauptberuf zum "Lebensretter", wie Joachim Brückner (LEB Light Show) treffend formuliert. Die Rücklagen werden jedoch langsam aber sicher aufgebraucht. Denn Soforthilfen gibt es für das Gros der Betroffenen nicht. EventKon Veranstaltungstechnik, Hausach: Seit der Fastnacht geht nichts mehr, aber mitten in der Krise haben die Hausacher das Autokino in Schiltach technisch begleitet. "Allerdings kann man mit so etwas keinen nennenswerten Gewinn erwirtschaften", so Stefan Schmider . Das war von vorn herein klar. "Wir wollten der Bevölkerung im Ländlichen Raum etwas bieten, das es sonst nur in größeren Städten gibt."

Bis Ende des Jahres könne das Unternehmen durchhalten. Die Steuerstundung verschaffe ihnen etwas Luft, aber Kredite kommen nicht infrage. "Unsere Branche ist inzwischen die einzige, die keine Umsätze generieren kann", macht Schmider deutlich. Auch wenn die Lockerungen Veranstaltungen wieder ermöglichen, müssen diese lange geplant werden.

Aktuell bereitet EventKon den ersten Teil des Leselenzes vor. LEB Light Show, Wolfach: Seit 32 Jahren besteht das Unternehmen, mit dem Joachim Brückner Betriebe und Vereine in Wolfach und Umgebung mit Beleuchtungs- und Pyrotechnik bedient. Für ihn fallen keine Löhne an, Kredite bestehen nicht. Laufende Kosten muss er privat bedienen. "Ich hoffe sehr, dass den Großveranstaltern, welche zig Angestellte haben, geholfen wird, sonst sterben die professionellen Betriebe", sorgt Brückner sich.

In seinen Augen ist der Zug für dieses Jahr abgefahren. "Ich denke, wir können froh sein, wenn wir an Fastnacht 2021 wieder Arbeit bekommen", sagt er. PEBB Sound, Wolfach: Für die laufenden Kosten greift auch PEBB derzeit in die Rücklagen. "Eigentlich war für dieses Jahr eine Anschaffung von rund 70 000 Euro geplant", informiert Bruno Heil. "Wäre diese bereits erfolgt, hätte das finanziell katastrophale Auswirkungen." So ist die Lage aktuell noch nicht existenzbedrohend.

"Was mir politisch insgesamt fehlt, ist eine Strategie, ein Plan, wann was wieder möglich sein könnte", kritisiert Heil. Trotz der unsicheren Lage würde er sich einen zumindest groben Fahrplan wünschen, der der Branche Sicherheit geben würde.   WVT Veranstaltungstechnik, Steinach: Die letzten Projekte der Steinacher, deren Geschäft zu einem Großteil aus Veranstaltungstechnik besteht, waren diverse Weihnachtsfeiern und Fastnachtsveranstaltungen.

"Ich verbrenne jeden Tag viel Geld", sagt Jürgen Wussler – die Situation könne er so lange durchhalten, wie die Banken eben mitspielen. Momentan hält er sich mit seinem Ersparten über Wasser. Auch die Neuinstallationen von Medien oder Veranstaltungsequipment, die sein Unternehmen anbietet, helfen. Allerdings ist das gegenüber dem Kerngeschäft nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Für die Soforthilfe ist Wussler dankbar, aber weit hat sie ihn nicht gebracht. "Es muss noch viel mehr für uns getan werden", wünscht er sich für die Branche. Helfen könnten Kreditstundungen oder Zinsübernahmen seitens des Bundes oder Landes, meint er.

Wussler hofft, dass er in diesem Jahr noch Einnahmen generieren kann. Von der Regierung komme kein Zeichen, wie es weitergehen kann, kritisiert er.   Jürgen Bachthaler: Der 46-Jährige ist derzeit bei beim US-Amerikanischen Lautsprecherhersteller EAW (Eastern Acoustic Works) in der Vertriebsniederlassung in Köln. Seit dem Lock-Down im März ist der Umsatz seines Arbeitgebers im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 95 Prozent gefallen, informiert der Wolfacher, der die hiesige "Night of Light" mit koordiniert hat. Dank Kurzarbeit sei er bislang von einer Kündigung verschont geblieben.

"Über den Zuspruch und die Solidarität der Wolfacher habe ich mich an diesem Abend sehr gefreut", fasst Jürgen Bachthaler zusammen. Er ist überwältigt, dass um die Uhrzeit – zwischen 22 Uhr und Mitternacht – so viele Menschen den Weg zum Rathaus gefunden haben. Er ist den beteiligten Firmen und Unterstützern dankbar. Positive Reaktionen haben auch seine Mitstreiter erfahren. Joachim Brückner schwärmt ebenfalls von den vielen Gästen in Wolfach. "Das wirkte wie eine Anerkennung für die vergangene Zeit vor Corona", meint er. "Es gibt großes Verständnis für die Situation der Veranstaltungsbranche", stellt Bruno Heil nach der Aktion fest. Auch Jürgen Wussler spricht von "vielen super Reaktionen". Stefan Schmider dagegen hat beobachtet, dass viele Menschen gar nicht so recht wussten, warum die Lichtinstallation erfolgte. In den Ballungsräumen sei das sicher anders gewesen, meint Schmider. "Hier in der Gegend sind Firmen, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten ja nicht ganz so verbreitet."

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