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Hausach Bahnhof alles andere als barrierefrei

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Kein Musterbeispiel für Barrierefreiheit: Der Hausacher Bahnhof Foto: Schwarzwälder-Bote

Hausach - Die Bahn hat für das Kinzigtal als Tourismus- und Industrieregion eine große Bedeutung. Und damit natürlich auch die Bahnhöfe. Aus diesem Grund checkt der Schwarzwälder Bote die Bahnhöfe im Kinzigtal. Heute nimmt er sich den in Hausach vor.

Wie modern sind die Bahnhöfe im Kinzigtal? Wie gut kommt man mit einem Rollstuhl, einem Rollator, einem Kinderwagen und Fahrrad zurecht? Und wie hoch ist die Aufenthaltsqualität? Diesen und anderen Fragen sind die Schwabo-Redakteure nachgegangen. Lage: Das Zentrum Hausachs und den Bahnhof trennt etwas mehr als ein Kilometer. Ganz zentral und damit ideal liegt er also nicht, aber ganz im Abseits ist er auch nicht. Um in die Innenstadt oder zum Schulzentrum zu gelangen, muss man einen kleinen Fußweg auf sich nehmen. Dafür sind die Firmen im Industriegebiet Hinterer Bahnhof nur ein paar hundert Meter entfernt. Theoretisch könnten deren Mitarbeiter also schnell zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Doch vom Bahnhof führt keine Unterführung zum Industriegebiet. Arbeitnehmer müssen aus diesem Grund einen großen Umweg auf sich nehmen. Sie müssen zuerst der Eisenbahnstraße in Richtung Innenstadt folgen, dann über das Schulzentrum in den Hinteren Bahnhof einbiegen. Statt hundert Meter müssen die Mitarbeiter mehr als einen Kilometer auf sich nehmen. Immer wieder kommt es vor, dass Arbeitnehmer die gefährliche Abkürzung über die Gleise nehmen. Mit dem Auto ist der Bahnhof gut zu erreichen. Er befindet sich direkt an der Eisenbahnstraße, einer der größeren Straßen Hausachs.

Wege zu den Gleisen: Wer am Hausacher Bahnhof ankommt und zu Gleis 1 muss, hat Glück. Der Weg dorthin ist ebenerdig und das Gleis somit für alle, die mit mehr als nur zwei Füßen unterwegs sind, leicht zu erreichen. Doch da hört das Glück schon auf. Zu den Gleisen 2 und 3 führen nur Treppen mit einer schmalen Leitrinne für Fahrräder, einen Aufzug gibt es nicht. Da es aber sehr steil bergab geht, stehen viele Fahrradfahrer, gerade die mit schweren E-Bikes, zweifelnd am Treppenabsatz, weil sie befürchten, ihr Gefährt nicht halten zu können. Oft trauen sie sich nur mit der Hilfe einer zweiten Person, die das Rad am anderen Ende festhält, nach unten.

Wer mit einem Kinderwagen oder einem schweren Koffer unterwegs ist, sollte Kraft in den Armen haben. Denn beides muss über die Treppen getragen werden. Für Rollstuhlfahrer oder jemanden, der auf einen Rollator angewiesen ist, gibt es kein Durchkommen. Allerdings gibt es für sie die Option, beim Kauf eines Tickets anzugeben, dass er eingeschränkt ist. Auf Antrag wird der Zug dann auf Gleis 1 umgeleitet. Allerdings funktioniert das nicht immer reibungslos. So mancher Reisender mit Rollstuhl soll seinem Zug, der dann doch von Gleis 2 losfuhr, schon nachgewunken haben. Ticketautomat: Beim Ticket-Kauf auf Gleis 1 ist der Weg zum Automaten nicht das Problem.

Rollstuhl-Fahrer können direkt an den Ticketautomaten heran fahren. Keine Stufen sind im Weg. Auch alle wichtigen Schaltflächen sind im Sitzen zu erreichen. Die Krux ist jedoch: In der blendenden Sonne ist auf dem Bildschirm nicht zu erkennen, welche Knöpfe zu drücken sind. Im Stehen können zwar die Hände genutzt werden, um sich etwas Schatten zu spenden und etwas auf dem Bildschirm zu erkennen. Für Rolli-Fahrer ist dies aber nicht möglich. Der Automat ist unglücklich platziert. Wenn er direkt am Bahnhofsgebäude und nicht neben der Treppe zur Unterführung Richtung Gleis 2 stehen würde, befände er sich im Laufe des Tages häufiger im Schatten.

In der Bahnhofshalle gibt es einen zweiten Automaten. Dieser kann ohne Probleme auch im Rollstuhl bedient werden. Jedoch ist die Halle für eingeschränkte Menschen von der Straße aus schwer erreichbar. Zwei Stufen sind im Weg. Nur über einen Umweg über das ganze Gleis 1 kann auch der zweite Automat ebenerdig erreicht werden. Bahneinstieg: Wer auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist, wird in Hausach mit einer schier unüberwindbaren Lücke zwischen Bahnsteig und Zug konfrontiert – gerade als Alleinreisender. Radfahrer und Kinderwagen können diese Lücke mit etwas Muskelkraft noch überwinden.

Glück im Unglück: Ein Mitarbeiter kommt mit einer mobilen Rollstuhlrampe, um den Weg in den Zug zu erleichtern. Diese habe jeder der Züge mit an Bord, verrät er. Aufenthaltsqualität: Der Hausacher Bahnhof ist sauberer als der Haslacher. An Gleis 1 besteht sogar die Möglichkeit, sich auf einer Holzbank niederzulassen. Diese sind gemütlicher als die klassischen Metallbänke, die es auf Gleis 2 gibt. Bei schlechtem Wetter ist die Bahnhofshalle ein Plus. Hier kann im Trockenen gewartet werden und es gibt einen Snack-Automaten. Auf Gleis 1 gibt es auch eine Bäckerei, die kleine warme Speisen und Getränke anbietet. Infrastruktur: Reisende mit Auto haben derzeit noch Glück und können theoretisch vor der ehemaligen Modellbahn parken. Auf Dauer werden diese Parkplätze aber aufgrund des Markt-Neubaus wegfallen. Die Parkplätze am Bahnhof sind Reisenden mit Parkausweis vorenthalten. Für Radfahrer gibt es aber viele Möglichkeiten, das Zweirad unter einem Dach abzustellen. Außerdem gibt es zwölf "Bike-and-Ride-Boxen", die über das Internet gebucht werden können und in denen das Rad untergestellt werden kann. In der Bahnhofshalle gibt es zudem WCs, die auch – für eine Bahnhofstoilette – relativ sauber sind. Zumindest wurde kurz zuvor feucht durchgewischt. Eine Toilette für Rollstuhlfahrer hingegen gibt es nicht. Zudem kostet die Nutzung 50 Cent.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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