Sorgfältig wurde am Ende des Antrags ein Foto des fast fertigen Rohbaus geklebt.Repro: Hensle Foto: Schwarzwälder Bote

Historie: Stadt Hausach versucht vor 70 Jahren, Geld für Neubau des Gymnasiums aufzutreiben / 150­ 000 D-Mark benötigt

Vor 70 Jahren wandte sich die Stadt Hausach an die McCloy-Fonds, um Geld für einen Gymnasiums-Neubau aufzutreiben. Um 200­ 000 D-Mark bat die Verwaltung.

Hausach. "Schüler, die eine höhere Schule besuchen wollten, mußten nach Offenburg oder Villingen in die dortigen höheren Schulen fahren", dies war eine der Begründungen um Gewährung von McCloy-Geldern für den Gymnasiums-Neubau in Hausach. In dem Antrag vom 15. Februar 1951 wurde auf einen Erlass des Badischen Kultusministerium vom Mai 1949 verwiesen, der die Verlegung des Progymnasiums von Wolfach nach Hausach und Ausbau zur Vollanstalt vorsah, "da Hausach für den Kreis Wolfach die verkehrstechnisch günstigst gelegene Stadt ist und von allen Schülern leicht erreicht werden kann".

Tatsächlich hatten die Verlegung nach Hausach und die Umwandlung in ein vollgültiges Gymnasium, das teils in Räumen der Volksschule teils im Hausacher Herrenhaus untergebracht war, die Schülerzahlen derart anwachsen lassen, dass ein eigener Gymnasiumsbau unumgänglich wurde.

Verlegung nach Hausach lässt Schülerzahl anwachsen

"Das Bauvorhaben ist mit 490 000 DM veranschlagt", heißt es im Antrag, und weiter: "Die kleine Stadt Hausach (2700 Einwohner) hat die große und schwere Aufgabe übernommen, die für den Kreis notwendige Vollanstalt zu schaffen." Allerdings: "Nachdem sie den Rohbau aus eigenen Mitteln und mit Hilfe größerer Kredite erstell hat, ist sie für die Fertigstellung des Gebäudes dringend auf fremde Hilfe angewiesen." Neben der Bereitstellung des Grundstücks durch die Stadt kamen besagte Kredite zu 150 000 DM von der Badischen Kommunalen Landesbank und zu 50 000 DM von der Vereinsbank Hausach-Einbach mit einer Verzinsung von je stattlichen acht Prozent. Da dies nicht reiche, so weiter im Antrag, "bitten wir um Gewährung von 200 000 DM aus dem McCloy-Fonds zur Fertigstellung des im Bau befindlichen Gymnasiumsgebäudes", und zwar um "150 000 DM für den Innenausbau" und um "50 000 DM für die Inneneinrichtung".

Die Bitte um Kreditgewährung aus dem McCloy-Fonds war keineswegs völlig unangemessen und weltfremd, da es zuvor Gespräche gegeben hatte: "Bezüglich der Mac-Cloy Gelder für den Neubau des Gymnasiums in Hausach wurde bereits am 18.1.51 eine Unterredung zwischen dem Herren Staatspräsidenten Wohleb und dem amerikanischen Vertreter für das Land Baden, Mr. Newland, geführt. Nach Äußerungen des Herrn Staatspräsidenten dürfte diese Antragsstellung, auf Grund der geführten Unterredung mit Mr. Newland, von gutem Erfolg sein." Abschließend wurde noch eine erwartungsfrohe Dankesformel in den Antrag eingeflochten: "Die ganze Bevölkerung des Kreises Wolfach, insbesondere die Jugend ist Ihnen für eine wohlwollende Verbescheidung unseres Antrags besonders dankbar." Um das Ganze zu unterstreichen, wurde sorgfältig ein Foto des fast fertigen Rohbaus eingeklebt. Der Antrag war in drei Sprachen – deutsch, französisch und englisch – abgefasst, den englischen unterzeichnete Bürgermeister Heizmann mit "Mayor". Dem Antrag war wohl keinen Erfolg beschieden. Jedenfalls findet sich in der Akte kein weiterer Vorgang. Nichtsdestotrotz, im April 1951 fand das Richtfest statt und im September 1951 folgte der Einzug, ein Meilenstein auf dem Weg zur Schulstadt Hausach.

Der Fonds, benannt nach John McCloy, US-Hochkommissar für Deutschland von 1949 bis 1952, förderte bundesweit zahlreiche kulturelle und soziale Einrichtungen. John McCloy war zuvor seit 1947 Präsident der Weltbank gewesen, kannte sich also mit Geld aus und wusste auch, wo und wie man solches beschaffen konnte.

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