Die Besuchergruppe der Lahrer SPD kam im Haus des Jugendrechts unter anderem mit Vertretern der Staatsanwaltschaft und des Ortenauer Jugendamts ins Gespräch. Foto: Mühl

Die Lahrer SPD hat sich im Haus des Jugendrechts informiert. Dort arbeiten mehrere Partner daran, dass junge Leute nicht zu Kriminellen werden.

In dem Gebäude in der Schillerstraße 16 wurde den 13 teilnehmenden Gästen im Verlauf kompakter 90 Minuten vor Augen geführt, wie mehrere Partner auf rund 350 Quadratmetern Fläche in interdisziplinärer Kooperation Themen der Jugenddelinquenz bearbeiten. Am Standort Lahr, dem landesweit insgesamt zehnten seiner Art (weitere sind in Planung), arbeiten Staatsanwaltschaft, Polizei, Landratsamt und Stadt Lahr eng verzahnt zusammen. Die Verantwortlichen um Iris Janke (Leitung Staatsanwaltschaft Offenburg) zeigten am Donnerstag unter anderem auf, dass es darum gehe, Straftaten von Jugendlichen und Heranwachsenden bis 21 Jahren auf kurzen, schnellen Wegen zu bearbeiten, ebenso, darauf zu reagieren.

 

„Aus unserer Sicht steht der Erziehungsgedanke im Mittelpunkt, wir arbeiten gemeinsam lösungsorientiert. Wir strafen nicht, sondern sanktionieren“, erläuterte Staatsanwalt Phillip Nique. Während vor allem präventiv gehandelt werden solle, ist die Jugendhilfe im Strafverfahren ein wichtiges Puzzleteil im Gesamtbild. Vertreten wird sie dabei durch sozialpädagogische Fachkräfte des Jugendamts, die Jugendliche, deren Eltern oder Vormunde während eines Strafverfahrens begleiten und beraten.

Straffällige Jugendliche sollen auf den rechten Weg zurückgeführt werden

„Mir gefällt an der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure am Haus so gut, dass es den eigenen Horizont erweitert. In regelmäßigen Teambesprechungen, bei Runden Tischen und in Gesprächen lernt man unterschiedliche Perspektiven besser kennen. Und hier wachsen die unterschiedlichen Systeme zusammen“, schilderte Melanie Maulbetsch-Heidt, die Leiterin des Jugendamts -am Landratsamt.

Das Haus des Jugendrechts deckt vor allem den Bereich des Lahrer Amtsgerichtsbezirks ab – damit sind auch Kommunen wie Seelbach, Schuttertal oder Friesenheim inbegriffen. Dabei gelingt es durch enge Verzahnung und kurze Wege sowie das schnelle Einbeziehen der Jugendhilfe, Verfahrenszeiten um bis zu ein Drittel zu verkürzen. Ebenso schnell wird durch die räumliche Nähe im Haus Zeit gespart bei der Weitervermittlung von Jugendlichen. Janke nennt den Grundsatz „Von Zimmer zu Zimmer, nicht von Amt zu Amt“. Da es sich bei den handelnden Personen um Spezialisten handelt, könne schnell reagiert und sanktioniert werden.

„Erziehung ist immer gut, wenn es schnell geht“, betonte Janke. Dabei greife in rund 60 Prozent aller Fälle die so genannte Diversion. Darunter versteht man die Möglichkeit, ein Verfahren ohne formelles Urteil einzustellen. Stattdessen sollen im Sinne des Erziehungsgedankens alternative Maßnahmen wie Auflagen oder Weisungen ergriffen werden. Kinder und Jugendliche sollen nicht stigmatisiert werden, sondern wieder zurück auf den Pfad finden. Phillip Nique nannte das Beispiel Diebstahl: Auf eine Einstellung beim ersten Mal folgten in der Regel Arbeitsstunden, bei mehrfacher Wiederholung ein förmliches Verfahren und das Jugendschöffengericht.

Zwecks Prävention zeige man Präsenz an Schulen durch Vorträge, aber auch mit dem „Projekt Respekt“, in dem Jugendliche gemeinsam mit der Polizei Situationen gemeinsam aufarbeiten können. Die Erfahrungswerte seien ermutigend. „Die meisten fühlen sich nicht ungerecht behandelt, viele Heranwachsende sehen wir hier auch nur einmal“, konnte Iris Janke mitteilen.

Umfassende Kooperationen sind ein weiterer wichtiger Punkt aus Sicht der neuen Einrichtung. Man arbeitet mit dem Lahrer Amtsgericht, der Diakonie und der sozialen Rechtspflege Ortenau (vor allem wegen Opferentschädigung), der Bundesagentur für Arbeit sowie der Jugend- und Drogenberatung zusammen. In Zahlen sieht das so aus: 1100 Fälle wurden 2024 für das Offenburger Haus des Jugendrechts gezählt, bis August 2025 waren es rund 700 für den Amtsgerichtsbezirk Lahr. „Das sind nicht mehr als anderswo. Lahr ist nicht krimineller als Offenburg oder Kehl“, ordnete Nique ein.

Arbeit wird es für das Haus des Jugendrechts auch künftig genug geben. Zwar seien Delikte im Zusammenhang mit Alkohol rückläufig, die Drogenproblematik sei jedoch, auch im Zuge der Cannabis-Legalisierung, gleichbleibend hoch. Problematisch bleibe ebenso der nicht gerade positive Einfluss sozialer Medien. Hier würden sich die Verantwortlichen gerade von politischer Seite beschränkungen wünschen, wie sie aktuell in Australien Thema sind.

Die interessierten Besucher zeigten sich dankbar für die Einblicke und die „ausgezeichnete Kooperation bei einer so vielschichtigen wie komplexen Thematik“, wie es Roland Hirsch, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Lahrer Gemeinderat, ausdrückte.