Die fünf Ruster Handwerkerbesuchten auch den Heimatort ihres Kollegen Lamin Jaiteh (rechts) und lernten dessen Familie kennen. Foto: privat

Nachdem das Familienhaus ihres gambischen Kollegen niederbrannte, flogen fünf Ruster in das westafrikanische Land. Dort wollten sie ihm helfen. Aber es gab viele Hürden.

Ein schweißtreibendes Abenteuer liegt hinter fünf Ruster Handwerkern. Die Hälfte der Belegschaft von „Ohnemus-Bauconcepte“ flog nach Gambia. Dabei ging es nicht um einen spannenden Urlaub. Ihr Kollege Lamin Jaiteh kommt aus dem westafrikanischen Land und hat dort Frau und Kinder. Im vergangenen Herbst dann die Hiobsbotschaft: Ein Brand zerstörte das Haus von Jaitehs Familie.

 

Der Gambier, der als Flüchtling nach Deutschland kam und seit 2022 für die Ruster Firma arbeitet, machte sich in seinem Heimaturlaub an den Wiederaufbau. Für seine Kollegen in Deutschland war schnell klar: Sie wollen helfen. Spontan wurde ein „Betriebsausflug“ nach Gambia geplant, um Jaiteh zu überraschen und mit anzupacken. Vor Ort lief aber vieles ganz anders als geplant, schildert Geschäftsführer Leon Ohnemus.

„Wir waren erst einmal erleichtert, dass alle angekommen sind“, beschreibt Ohnemus die nächtliche Ankunft in Banjul, der Hauptstadt des kleinen Landes. Vier Sicherheitskontrollen später ging es dann vom Flughafen zu einer Unterkunft. Am nächsten Tag wollten die Handwerker dann ihren Kollegen überraschen, schließlich hatten sie ihm nichts von ihrem Plan verraten.

Fahrt über staubige Sandpisten

Am Telefon stellte sich dann aber heraus, dass Jaiteh bereits ein Bild eines Zeitungsartikels, in dem die Ruster über ihr Vorhaben sprachen, zugesendet bekommen hatte. Trotzdem sei es für Jaiteh eine Überraschung gewesen. „Er ging von einem Witz aus“, erzählt Ohnemus.

Nach einer komplizierten Fahrt über staubige Sandpisten trafen sie dann endlich ihren Kollegen. „Ein wahnsinnig emotionaler Moment. Da sind die Tränen geflossen“, schildert Ohnemus. Dort lernten sie auch Jaitehs Frau und Kinder kennen, beide mussten nach dem Brand in eine sehr beengte Wohnung umziehen.

Für die Handwerker ging es dann zum abgebrannten Haus. „Der Anblick war ein Schock“, erinnert sich Ohnemus. Das verheerende Feuer, wohl durch einen Kurzschluss ausgelöst, hinterließ nur eine Ruine.

Suche nach Baumaterialien wird zum Problem

Jaiteh hatte sich daher entschieden, etwas außerhalb neu zu Bauen. Da hätten sie erst einmal überlegen müssen, wo sie anfangen, erinnert sich der Ruster. „Mit Stift und Papier haben wir Pläne entworfen“, erzählt Ohnemus. Dann sollte es an das Fundament und die Bodenplatten gehen.

Das Ruster Team machte sich auf die Suche nach einem Bagger. Stunden später wurden sie fündig, der Mietpreis war jedoch unbezahlbar. Wollte man sie über den Tisch ziehen? Ihr gambischer Kollege verneinte das. Auf „europäische Art“ zu bauen, sei für die meisten Gambier unbezahlbar. „Sie machen alles selber“, berichtet Ohnemus. Arbeiter zu engagieren, sei schlicht günstiger, als Baumaschinen zu mieten. Auch die Preise für fertig gemischten Beton sprengten das Budget der Ruster deutlich. „Da waren wir erst einmal frustriert“, gibt Ohnemus zu. Fast alle Materialien müssten importiert werden, was die Preise in die Höhe treibe.

Also gingen sie den „gambischen Weg“, besorgten die Grundmaterialien wie Sand und Zement. Jeder einzelne Baustein wurde von den Männern hergestellt. „Ein Knochenjob. Wir waren fix und fertig“, erinnert sich Ohnemus an die Arbeiten bei 35 Grad in der Sonne. Hunderte der Steine pressten sie mit Formen. Schließlich wollten sie Jaiteh so viel es geht helfen, bevor es wieder nach Hause ging.

Neben den vielen Arbeitsstunden gab es für die Ruster auch die Gelegenheit, seltene Einblicke in das Land zu bekommen. „Wir waren ein Tag im Landesinneren in Lamins Heimatdorf“, berichtet Ohnemus. Während Jaitehs Frau und Kinder wegen der medizinischen Versorgung in der Hauptstadt blieben, zog der Rest der Familie nach dem Brand hierher zurück. Das Kennenlernen und die Reise hat die Ruster tief beeindruckt. „Da kann man wertschätzen, wie gut es uns hier eigentlich geht“, meint Ohnemus mit Blick auf die große Armut in Gambia.

So geht es weiter

Bis das neue Haus steht, wird es noch zwei bis drei Jahre dauern, schätzt Ohnemus. Damit sie zusammen mit Lamin Jaiteh auch von Rust aus weiter helfen können, fertigen sie gerade die CAD-Baupläne. Diese sollen dann nach Gambia geschickt werden. Ohnemus kann sich gut vorstellen, noch einmal nach Gambia zu reisen, wenn das Bauprojekt in den letzten Zügen ist.