Sturmgewehre und Co. der Waffenschmiede in Oberndorf am Neckar sind gefragt, das Unternehmen bereitet sich auf steigende Nachfrage vor.
Der Name gilt was – bei Militärs und Sicherheitskräften steht Heckler & Koch (HK) hoch im Kurs. Und die „Zeitenwende“, die Kanzler Olaf Scholz im Februar 2022 angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine ausgerufen hat, spült auch in das Geschäft der Waffenschmiede in Oberndorf mehr Dynamik.
Umsatz hat sich über 300 Millionen Euro etabliert
Das zurückliegende Jahr sei das zweitbeste in der Firmengeschichte gewesen, informiert Vorstandsvorsitzender Bodo Koch die Aktionärsversammlung am Dienstagvormittag. Das beste war das Vorjahr, und auch im laufenden Geschäftsjahr will man in diese Regionen mit mindestens 300 Millionen Euro Umsatz vorstoßen. Die Ergebnisse des ersten Quartals stimmen zuversichtlich.
Investitionen in Rohmaterialien
Dass der operative Cash-Flow 2023 abfiel, hängt auch mit der Zukunft zusammen: Mit Blick auf eine Anfrage des Bundes wegen einer neuen Ordonnanzwaffe und der Idee, „auch weiteren kurzfristigen Liefererfordernissen für den europäischen Raum“ entsprechen zu können, habe das Unternehmen den Lagerbestand an Rohmaterialien erheblich ausgebaut.
Und noch ein Baustein für die Zukunft: Im laufenden und kommenden Jahr will Heckler und Koch insgesamt rund 50 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investieren – so viel wie in den dreieinhalb Jahren zuvor. „Stärken stärken“, nennt Koch das.
Möglich wird es, weil die Sicherheitslage eine andere ist als noch vor wenigen Jahren, und weil der Ruf nach einer starken Antwort gerade laut ist. Nötig wird es, weil in diesem Zusammenhang HK bei den Behörden in Deutschland, bei europäischen Freunden und Nato-Bündnispartnern – die Zielkunden sind – zwar einen guten Namen hat, aber in diesem Marktumfeld nicht als Monopolist agiert.
Kindersoldaten und „hk“-Waffen
Bei der Aktionärsversammlung ergreifen auch Kritiker das Wort: Kindersoldaten würden zum Dienst mit Waffen von Heckler & Koch gezwungen, wie kann man sicherstellen, dass Waffen nicht in Hände von Gruppen geraten, die man nicht beliefern will und darf – und gibt es einen Plan für eine geschäftliche Zukunft, in der für HK Waffen keine Rolle mehr spielen?
Fragen bleiben unbeantwortet
Nicht nur diese Fragen bleiben am Dienstag unbeantwortet. Der Vertreter von Großaktionär Andreas Heeschen ergreift das Wort und verweist auf gut 15 Millionen Stimmen, die für Heeschen laut jüngster Rechtsprechung zu keinem Zeitpunkt verloren gewesen, hier aber nicht zugelassen seien. Die Auszählung der Präsenz ergibt am Dienstagmorgen bei der Versammlung rund 17,1 Millionen Stimmen – deutlich weniger als die Hälfte des Kapitals. Damit wäre die Versammlung nicht beschlussfähig – und wurde deshalb abgebrochen.