Hauptsponsor Winamax wird nur noch eine Saison lang die Brust von Ermedin Demirovic und dem VfB-Trikot zieren. 2025 ist Schluss. In unserer Bildergalerie blicken wir auf frühere Trikotsponsoren der Stuttgarter zurück. Foto: Baumann

Die vorzeitige Aufkündigung des lukrativen Sponsorenvertrags mit Winamax schlägt Wellen. Was sagt Winamax – und welche Alternativen präsentiert der VfB?

Der Knall war laut und deutlich, die Reaktion fiel umso dezenter aus. Nachdem Vorstandschef Alexander Wehrle bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart auf offener Bühne Haupt- und Trikotsponsor Winamax den Laufpass gegeben hatte, war die Antwort am Montag aus Paris: eisiges Schweigen. Man wolle sich nicht öffentlich äußern, teilte der Wettanbieter mit. Klar ist aber, dass der Hauptsponsor Wehrles Vorpreschen irritiert zur Kenntnis genommen hat. Um es vorsichtig auszudrücken. Zwar war man auch bei Winamax darüber informiert, dass der Bundesligist von seinem Recht Gebrauch machen wird, vorzeitig aus dem bis 2026 laufenden Vertrag auszusteigen. Eine Klausel macht dies möglich. Die Art und Weise der Kommunikation gefiel dem Wettanbieter, der dem VfB pro Jahr acht Millionen Euro überweist, aber überhaupt nicht.

 

Bei der offenen Aussprache auf der Mitgliederversammlung war der VfB-Vorstand einmal mehr von Mitgliedern für die Wahl des Trikotsponsors angegangen worden. Ein Wettanbieter, der (auch) mit suchtgefährdendem Spielverhalten seiner Kunden Kasse macht, passe nicht zu den viel gepriesenen Werten des Vereins, so der Tenor. Ehe es in seiner Antwortrede aus Wehrle herausfuhr: „Wir werden schon 2025 aussteigen.“ Eine Aussage aus der Emotion heraus, wie der 49-Jährige später klarstellte. „Ich habe nur auf den Redner reagiert und wollte das nicht proaktiv verkünden.“

Das Tischtuch ist zerschnitten

Doch damit war sie in der Welt, die Nachricht, deren Verkündung eigentlich erst viel später vorgesehen war. Möglichst gemeinsam mit dem Sponsor. Nun scheint das Tischtuch zwischen Winamax und dem VfB zerschnitten. Verärgert zeigt man sich in Frankreich, dem Hauptsitz des Unternehmens, vor allem angesichts der Umstände, unter denen der Deal im vergangenen Jahr zustande gekommen war. Nach dem erneuten Fastabstieg und dem Ausstieg der Mercedes-Benz-Bank standen Trikotsponsoren beim VfB nicht Schlange. Also war man in Stuttgart am Ende froh, in Winamax kurz vor Saisonstart einen zwar umstrittenen, aber potenten Partner gefunden zu haben. Für den sich die Partnerschaft mit dem Vizemeister bislang voll ausgezahlt hat. Der Bekanntheitsgrad in Deutschland wurde deutlich gesteigert, nicht zuletzt durch die sportlichen Erfolge des VfB.

Angesichts der anhaltenden Kritik von Fans und mehr noch von Investor Porsche („Hat uns nicht gefallen“) entschieden sich die VfB-Oberen nun für die Exitstrategie. Auch in dem Wissen, dass es in der gegenwärtigen Situation leichter fällt, neue Sponsoren an Land zu ziehen. Zwei neue, zahlungskräftige aus der Region, kündigte Wehrle an. Einer von ihnen soll noch in dieser Woche vorgestellt werden. Möglicherweise ziert einer der beiden auch das VfB-Trikot der übernächsten Saison.