»Hauptsache nicht heizen!« Foto: Melanie Geitlinger

Ich habe ein schlechtes Gewissen. Weil ich zu Hause die Heizung noch nicht aufgedreht habe, genauer:  weil ich mich darüber freue. Ich hoffe, ich bin damit nicht allein.

»Temperaturen wie in Spanien – Ortenau erlebt wärmsten Oktober seit 100 Jahren«, haben wir vor Kurzem getitelt. Laut der Wetterstation Ettenheimmünster lag die Durchschnittstemperatur im  vergangenen Monat bei 15,2 Grad, 4,6 Grad über dem langjährigen Mittel. Wer jetzt sagt, der Oktober hat nicht umsonst irgendwann mal das Attribut »golden« verliehen bekommen, dem gehen spätestens im November die Argumente aus. Denn der hat nach anfänglicher Abkühlung  das Thermometer wieder dauerhaft in den zweistelligen Bereich gejagt. Und dort soll es auch erst einmal bleiben, sagen die Meteorologen.

In normalen Zeiten wären die Medien – unsere Zeitung eingeschlossen – voll von Schlagzeilen über den unübersehbar voranschreitenden Klimawandel. Über den Schaden, den wir Menschen  der Umwelt und damit uns selbst zufügen. Doch die Zeiten sind nicht normal. Es ist Krieg in Europa, den wir in Form einer Energiekrise zu spüren bekommen. Und  man sucht größtenteils vergeblich nach gedruckten oder geposteten Sorgenfalten  ob der Langzeitänderung unseres Wetters.

 Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Allseits kommt die Hoffnung zum Ausdruck, die Temperaturen mögen doch bitte noch möglichst lange mild bleiben, damit wir möglichst wenig vom teuren Gas, Strom und Öl brauchen. Das ist nachvollziehbar – wie gesagt: mir sind die Gedanken nicht fremd – doch sollten wir nicht den Fehler machen, zu denken, dass der Klimawandel ein Luxusproblem ist. Es klingt grotesk, doch hoffentlich wird uns das bald wieder bewusst. Wenn die Zeiten wieder normal sind. Und zwischendurch dürfte es (un-)gerne auch noch  etwas kälter werden.