Verkehrschaos vor den Schulen ist oftmals ein gewohntes Bild. Grund hierfür ist oft der Bring- und Abholservice der Eltern. Um diese Situation zu entschärfen nimmt die Haslachschule beim Bewegungspass teil. Doch leider ist der Effekt nicht wie es sich Rektor Karsten Rudl wünscht. Er berichtet über die Lage vor Ort.
Parkende Autos auf dem Gehweg, dem Zebrastreifen, im absoluten Halteverbot und mit laufendem Motor und alle mit der Aussage: Ich muss ja nur kurz – die Rede ist von den Elterntaxis vor der Vilinger Haslachschule. Und zwischen diesem ganzen Chaos laufen Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse mit ihrem Schulranzen auf dem Rücken. So sieht das fast morgendliche Chaos vor der Haslachschule im sonst ruhigen Wohngebiet im Norden Villingens aus.
Und dies soll sich endlich ändern. Auch wenn es bisher noch keinen Unfall gegeben hat, möchte Rektor Karsten Rudl nicht warten, bis es soweit ist und doch mal ein Kind übersehen wird. Er möchte die gefährlichen Verkehrssituationen vor der Schule entzerren.
Den Anreiz soll der Spo-Spi-To-Bewegungspass schaffen. Hierbei handelt es sich um eine Aktion, bei der die Kinder innerhalb von sechs Wochen Unterschriften für alle Tage, an denen sie zur Schule und nach Hause gelaufen sind, bekommen. Wer 20 Unterschriften gesammelt hat, macht automatisch bei einem Gewinnspiel mit, bei dem Tretroller, Rucksäcke und weitere Preise gewonnen werden können.
Einige Listen sind bereits abgegeben
Noch bis kommenden Montag können die Kinder der Haslachschule fleißig Unterschriften sammeln und einige Schülerinnen und Schüler haben bereits ihre Listen gefüllt bei den Lehrkräften abgegeben. Die Motivation sei im allgemeinen hoch, so Rudl.
Doch einige Kinder mussten vom Laufen erst überzeugt werden. Nach dem ersten Meckern war es dann aber auch gut, wie Konrektorin Christina Klepzig die Stimmung in den Klassen beschrieb. Die Freude über den Weg zu Fuß wurde bei einigen Schülerinnen und Schülern geweckt, die sich nun jeden Morgen mit ihren Freunden treffen, um gemeinsam zur Schule zu gehen. Auch Kinder, die einen zu langen Schulweg haben, um ihn komplett zu laufen, lassen sich außerhalb des Schulgebietes absetzen, um den Rest an der frischen Luft zu verbringen.
Immer noch zu viel Verkehr
Doch leider ist das nicht die Regel. Auch während des Aktions-Zeitraums sei der Verkehr erschreckend. Und das Chaos hat sich immer noch nicht verbessert. „Leider haben wir nicht den Effekt, den wir gerne hätten“, erklärt Rudl mit Bedauern in seiner Stimme. Er selber könne sich noch gut an seine Schulzeit erinnern, bei der es völlig normal gewesen sei zur Schule zu laufen. Es müsse bereits bei den Eltern ein Umdenken eintreten, die die Fahrt zur Schule als „vermeintlich sicherer“ und im morgendlichen Stress als einfacher ansehen. „Der Stress kann mit dem Weg zur Schule an der Haustüre enden.“
Frische Luft steigert die Konzentration
Diese kurzen Strecken haben hierbei einen positiven Effekt, wie Rudl aufzeigt. Neben dem gesundheitlichen Aspekts der Bewegung mache die frische Luft die Kinder auch wacher und konzentrationsfähiger. Gleichzeitig schone es auch die Umwelt, wenn die Strecke mit dem Auto bis vor die Schule vermieden werde. Doch vor allem sei es auch ein Schritt zur Selbstständigkeit der Grundschüler. Der Schulweg sei hierbei ideal, wie Rudl findet, denn auch das Verhalten im Straßenverkehr werde erlernt.
Zu Beginn können die Eltern die Schüler begleiten, und die Kinder bilden dann im Laufe der Zeit Laufgruppen mit ihren Freunden. Dadurch werde auch die soziale Kompetenz gestärkt und Erlebnisse geschaffen. „Diese positiven Effekte gehen verloren, wenn der Schultag an der Bordsteinkante beginnt und endet.“
Anreiz für langfristige Veränderung
Mit der Aktion des Bewegungspasses möchte die Schulleitung einen Impuls setzten und den Anreiz für eine langfristige Verhaltensänderung erwirken – nicht nur bei den Kindern, sondern vor allem auch bei den Eltern. Auch mit dem Rauslassen an Orten außerhalb der Schule, wie etwa dem Sparkassen-Parkplatz, wäre das Chaos schon um einiges besser, so Rudl. Allerdings gibt es auch die Bedenken, dass nach der Aktion alles wieder zurück zum Alten geht.