Auch die Wildtiere im Wald hören das Silvesterfeuerwerk und reagieren darauf. Foto:  

Feuerwerk kann die Waldbewohner erschrecken, schadet ihnen aber nicht zwangsläufig, erklärt Haslachs Revierförster Frank Werstein.

Wenn am heutigen Silvesterabend Sektkorken und Böller knallen, verkriechen sich viele Haustieren zitternd in Verstecken oder müssen mit Medikamenten ruhig gestellt werden. Die Wildtiere im Wald sind auf sich gestellt. Doch die kommen besser klar als viele denken, wie Haslachs Revierförster Frank Werstein erklärt.

 

Wildtiere nähmen grundsätzlich ihre Umwelt ganz anders wahr als Menschen. Im Gegensatz zu ihnen würden zum Beispiel Rehe und Wildschweine nicht sonderlich scharf sehen und würden vor allem Bewegungen erkennen können. Ihr Geruchs- und Hörsinn sei hingegen extrem empfindlich. „Sie sind bei Geräuschen und Gerüchen sehr sensibel und reagieren diesbezüglich auf alle Dinge, die eine Gefahr darstellen könnten“, weiß der Förster.

Wildtiere im Wald sind auch bei Geräuschen lernfähig

Dementsprechend könnte vor allem der Knall der Böller ein Problem darstellen. „Grundsätzlich verbinden Wildtiere mit einem lauten Knall einen Schuss und das versetzt sie natürlich in Angst und Schrecken“, sagt der Förster. Denn Reh, Hirsch und Wildschwein wissen durch die Erfahrung mit Jägern, dass ein Schuss den Tod bringt. „Oder anders ausgedrückt: Sie wissen, wenn es laut kracht, dann passiert etwas Schlimmes“, fasst Werstein zusammen. Aus diesem Grund würden viele Jäger mittlerweile Schalldämpfer nutzen. Sowohl das zu erlegende als auch die Tiere in der Nähe würden so weniger gestresst.

Allerdings seien die Waldbewohner auch in die andere Richtung lernfähig: „Wenn am Schießstand am Vulkan geübt wird, merken die Tiere auch ganz schnell, dass das Geknalle für sie nichts zu bedeuten hat. Denn es passiert ihnen ja nichts. Sie gewöhnen sich mit der Zeit an das Schießen und den damit verbundenen Lärm“, berichtet Werstein. Außerdem seien die Waldbewohner Lärm sowie Licht in der Nacht ja auch von der Natur gewohnt, zum Beispiel bei einem Gewitter mit Blitz und Donner. „Da knallt es ja auch gewaltig und die Tiere haben gelernt, dass dieser Lärm für sie keine unmittelbare Gefahr bedeutet. Diese Geräusche gehören zu ihrem Leben“, sagt Werstein. Er merkt auch an, dass gerade Truppenübungsplätze eine hohe Dichte an Wildtieren aufweisen, obwohl es dort regelmäßig knalle.

Zusammenfassend hänge die Reaktion der Tiere von der Art der Böller, dem Ort und der Dauer des Lärms ab. Bestimmte, besonders laute Knallkörper versetzten die Tiere in Angst, vor allem, wenn sie in ihrer Nähe abgefeuert werden. Aus diesem Grund wäre der Förster nicht begeistert, wenn sie mitten im Wald gezündet würden, „aber die Menschen hier sind da bisher zum Glück vernünftig“, berichtet Werstein.

Bislang gab es keine Probleme mit den Tieren

Und das vereinzelte Böllern über einen längeren Zeitraum sei für die Tiere problematischer als das intensive innerhalb weniger Stunden. „Es ist ein Unterschied, ob es einmal knallt oder hundert Mal. Da merken sie ja irgendwann, dass ihnen nichts geschieht, der Lärm nichts mit ihnen zu tun hat und beruhigen sich.“ Wildtiere seien cleverer und anpassungsfähiger als viele denken, fasst Werstein zusammen.

Als Förster habe er aus diesem Grund bisher noch keine direkten negativen Auswirkungen von Silvester auf die Wildtiere bemerkt. Dennoch ist er kein Riesen-Fan von Feuerwerken und Geknalle. Allerdings aus einem anderen Grund: „Wir haben ein Riesenproblem mit dem Klimawandel und der damit verbundenen Trockenheit“, berichtet Werstein von seinen Erfahrungen.

Zwar habe es 2025 mehr geregnet als sonst, aber dennoch hätten Förster und Forstarbeiter jede Menge zu tun gehabt. „Wir mussten enorm viel Käfer- und Schadholz aus dem Wald holen und sehen tagtäglich, was der Klimawandel anrichtet. Die vielen Feuerwerke tragen ihren Teil dazu bei“, berichtet der Revierförster. Dennoch ist er nicht für ein Verbot, zumindest nicht für ein allumfassendes. „Ein Feuerwerk ist schön, gerade für die Kinder. Aber es sollte in Maßen vonstatten gehen“, findet Werstein. Er plädiert für ein kleines, zeitlich und örtlich begrenztes Spektakel.

Regeln für Feuerwerk

Das Umweltministerium weist darauf hin, dass in unmittelbarer Nähe folgender Gebäude das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände und damit auch von Silvesterfeuerwerk von Gesetzes wegen generell verboten ist: Kirchen, Krankenhäuser, Altersheime, Reet- und Fachwerkhäuser. Verstöße stellen eine Ordnungswidrigkeit dar. Um Beachtung wird gebeten.