Augenscheinlich hilflos kauern Rehkitze im hohen Gras – die Mutter ist in den meisten Fällen aber nicht weit. Unbedachtes Eingreifen könnte in vielen Situationen ein Todesurteil für das Tierjunge bedeuten, betont Haslachs Revierförster Frank Werstein. Foto: Kron

Mit dem Ende der Winteruhe steigt die Wahrscheinlichkeit auf Tiernachwuchs zu stoßen. Revierförster Frank Werstein gibt Tipps, wie man dessen Überleben sicherstellen kann.

Abstand halten, ein Foto des Tieres machen, den genauen Ort merken und Experten kontaktieren – so lautet die goldene Regel des Haslacher Revierförsters Frank Werstein für Begegnungen mit augenscheinlich hilflosen Jungtieren in Wald und Flur.

 

Denn ob und wie man als Spaziergänger oder Pilzsucher in einer vermeintlichen Notlage eingreifen sollte, hängt erstmal auch von der Tierart ab, verrät der Experte im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ein Rehkitz etwa sollte man niemals anfassen“, betont Werstein – auch wenn die Tiere einen hilflosen Eindruck machten.

„Das Kitz bleiben liegen, bewegt sich nicht, duckt sich.“ Der Eindruck täusche jedoch. „Die Mutter ist meist ganz in der Nähe. Fasst man das Tier an – oder nimmt es gar mit – nimmt die Mutter das Kitz vielleicht nicht mehr an“, so Werstein. Für das Jungtier könne das zum Todesurteil werden.

Ein Kitz von Hand aufziehen ist laut Förster schwierig

„Ein Kitz von Hand aufzuziehen ist ganz schwierig. Da muss man Leute haben mit viel Zeit, Kenntnis und Leidenschaft.“ Zudem seien junge Rehe nur schwer wieder auszuwildern. Ähnliches gelte für den Nachwuchs von Feldhasen. Werstein spricht dabei aus Erfahrung: „Ich selbst habe unter anderem schon einen Fuchs, ein Rehkitz und verschiedene Wildvögel aufgezogen – und ich war auch fast immer erfolgreich.“

Es gilt also: Ein Jungtier sollte man nicht einfach anfassen oder mitnehmen. Wie aber reagiert man richtig? „Wer ein Wildtierjunges findet, sollte sich idealerweise an den zuständigen Jagdpächter wenden“, erläutert Werstein. Denn Rehe, Wildschweine oder auch Greifvögel unterliegen dem Jagdrecht.

Wer auf Anhieb nicht weiß, wer der zuständige Jagdpächter ist, könne bei der jeweiligen Kommune nachfragen, um einen Ansprechpartner zu finden. Tierschutzorganisationen oder Tierärzte könnten ebenfalls gute Kontakte sein, die weiterhelfen. „Auch die Polizei weiß in der Regel, wer wo Jagdpächter ist. Die Beamten sind gut vernetzt“, berichtet der Haslacher Revierförster mit Blick auf Wildunfälle (siehe Info). Idealerweise machen Finder auch ein Foto des Tierbabys und schauen über das Smartphone nach dem genauen Fundort – beides Informationen, die der Jagdpächter braucht.

Fotos machen und Standort merken

Der Experte könne dann anhand des Fotos zunächst beurteilen, um welche Tierart es sich handelt und ob ein Eingreifen überhaupt notwendig ist – oder ob man der Natur ihren Lauf lassen sollte, erläutert Werstein im Gespräch mit unserer Redaktion. Idealerweise sollten Spaziergänger und Co. beim Fund eines Tierjungen den Jagdpächter direkt vor Ort kontaktieren und auf Anweisungen warten. Ähnliches gilt laut des Haslacher Revierförsters auch, wenn man auf ein vermeintlich verletztes Tier stößt.

Noch ist die Wahrscheinlichkeit jedoch sehr gering beim Waldspaziergang auf Jungtiere zu stoßen. Es gebe lediglich einige Vogelarten, die bereits brüteten. „So richtig los geht es aber erst, wenn es wärmer wird“, berichtet Werstein. Die Hauptphase, in der Wildtiere ihre Jungen bekommen, starte in der Zeit ab April, Mai und Juni – mit Rehen, Hasen oder auch Wildschweinen.

Wildunfälle melden

„Wenn man ein Wildtier anfährt, selbst wenn am Auto keinen Schaden feststellt oder meint, das Tier habe nichts abgekriegt, sollte man die Polizei oder direkt den Jagdpächter kontaktieren“, schildert der Revierförster Frank Werstein im Gespräch. Die Versicherung wolle in der Regel einen Nachweis des Unfalls, drum könne entscheidend sein, diesen so zu dokumentieren. „Und es ist wichtig, nach dem Tier zu schauen. Oftmals liegen diese dann irgendwo und haben starke Schmerzen. Daher gilt: Immer den Jagdpächter informieren“, so Werstein.