Sie zittern, Speichel läuft aus dem Maul, die Augen sind weit aufgerissen: Viele Tiere leiden in der Silvesternacht – Lärm, Rauch und Lichter versetzen sie in Angst. Tierarzthelferin Nina Grummel gibt Tipps, wie Besitzer ihre Lieblinge schützen können.
Drei, Zwei, Eins, und die Raketen schießen los: Was für viele Menschen an Silvester eine heiß geliebte Tradition ist, um das neue Jahr zu begrüßen, sorgt bei Hunden, Katzen und anderen Tieren für Angstzustände und enormen Stress. Unsere Redaktion hat bei Nina Grummel, Tierarzthelferin im Kleintierzentrum Kinzigtal und selbstständige nebenberufliche Tierheilpraktikerin nachgefragt, wie Haustierbesitzer ihre Tiere in der letzten, beziehungsweise ersten Nacht des Jahres unterstützen können, wenn die Böller und Raketen am Nachthimmel mit viel Lärm und Gestank explodieren.
Der Grund, warum viele Haustiere auf Feuerwerk gestresst reagieren ist laut Grummel, weil Tiere nicht einschätzen könnten, ob eine tatsächliche Gefahr bestehe. „Sie haben Angst vor dem Lärm, dem Rauch, dem Geruch, aber auch den Lichtern.“ Anfällig für den Stress, der sich durch starkes Zittern, Speicheln, weit aufgerissene Augen, das Suchen nach einem Versteck oder panischem Auf und Ab Rennen äußern könne, seien alle Haus- und Wildtiere.
Um die eigenen Vierbeiner im Vorfeld auf Silvester vorzubereiten empfiehlt die Tierheilpraktikerin, schon Monate vorher damit zu beginnen, sie zu desensibilisieren. „Teilweise hilft es, Feuerwerk vom Band abzuspielen, anfangs mit stark reduzierter Lautstärke. Oder man gewöhnt seinen Hund an spezielle Ohrenschützer. Aber das hilft natürlich nichts gegen die Gerüche und die Lichter“, so Grummel. Wenn man frühzeitig anfange, pflanzliche Mittel zu geben, könne man auch damit den Stress etwas lindern.
Geräuschkulisse sollte draußen bleiben
Am Tag selbst sei als Rückzugsort ein dunkler Ort, von dem aus das Feuerwerk nicht sichtbar ist, sinnvoll. Fenster und Rollläden sollte man geschlossen halten und das Radio oder den Fernseher anschalten, um die Geräuschkulisse draußen zu halten. „Das Tier aber nicht alleine lassen“, betont Grummel. „Viele Tiere suchen Schutz bei ihren Menschen. Ihnen sollte man zeigen, dass alles gut ist und sie keine Angst haben müssen, beziehungsweise wir sie beschützen.“ Wenn das Tier sich lieber alleine in den dunklen Keller verkrieche, sei das auch in Ordnung.
Hundehaltern empfiehlt die Tierarzthelferin, ihre Lieblinge schon an den Tagen vor Silvester an der Leine spazieren zu führen – gegebenenfalls sogar mit einem Sicherheitsgeschirr und Halsband, so dass der Hund nicht weglaufen kann.
Kaninchen und Vögel sollte man in den Keller bringen
„Falls der Hund einen Tracker besitzt, sollte man zusehen, dass der immer aufgeladen ist, dass man den Hund schnell wiederfinden kann.“ Auch eine gut sichtbar am Geschirr angebrachte Telefonnummer empfiehlt sie. „Katzen sollten möglichst nicht mehr nach draußen gelassen werden. Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und Co. sollte man eventuell in einen geräuscharmen Keller bringen.“
Es gibt auch Hilfsmittel, die um die Tiere zu unterstützen, zum Einsatz kommen können. Welche da wirken, sei von Tier zu Tier verschieden. „Fängt man frühzeitig an, kann man noch versuchen, mit pflanzlichen Produkten, Homöopathie oder CBD-Ölen entgegen zu wirken. Jetzt wo Silvester vor der Tür steht, bleiben nur noch Medikamente vom Tierarzt“, erklärt Grummel. Für Hunde gebe es zudem Ohrenschützer, Körperbänder und andere Hilfsmittel, die das Feuerwerk erträglicher machen könnten. „Aber diese müssen auch im Vorfeld positiv verknüpft werden“, weiß die Expertin. „Haben die Tiere absolute Panik, dann sollte man sich beim Tierarzt beraten lassen und sich spezielle Medikamente geben lassen.“ Was genau, sei abhängig vom einzelnen Tier und dem Gesundheitszustand.
Auch nach Silvester sind Leinen weiter ratsam
Der Stress ist jedoch nicht das einzige, was Silvester für viele Tiere zur Qual werden lässt. „Die Tiere können sich schwer verletzen, wenn sie in Panik davonrennen. Oder es gibt auch Hunde, die hinter geworfenen Knallern herrennen und sich starke Verletzungen im Fang zuziehen.“ Ist ein Haustier entlaufen, sollte die zuständige Polizei und Tierschutzorganisationen informiert werden. „Es gibt mittlerweile einige Organisationen, die Pettrailer haben und dabei helfen können, ein entlaufenes Tier wiederzufinden. Aber das Wichtigste ist natürlich, sein Tier so zu sichern, dass es nicht weglaufen kann“, betont Grummel.
Da häufig auch an den Tagen nach Silvester noch immer geknallt werde – „auch riecht die Luft für sie noch nach Gefahr“ – , rät die Tierheilpraktikerin, die Tiere weiter gut zu sichern und möglichst an Orten spazieren zu gehen, an denen nicht geknallt wurde, etwa im Wald.
Zur Person
Nina Grummel arbeitet als Tierarzthelferin im Kleintierzentrum Kinzigtal in Haslach. Zudem ist sie nebenberuflich als selbstständige Tierheilpraktikerin tätig. Da bietet sie unter anderem Ernährungsberatung, Akupunktur, Homöopathie und Blutegel an. Weitere Infos gibt es auf ihrer Webseite unter www.tierheilpraxis-grummel.de, per E-Mail an info@tierheilpraxis-grummel.de oder unter Telefon 0151/44 95 49 53 sowie 07832/ 9 74 21 06.