Jahrzehntelang war die Musikschule untrennbar mit dem Namen Peter Stöhr verbunden. Am heutigen 31. Oktober gibt der 66-jährige Haslacher die Leitung der Einrichtung ab. Als Musiker wird er aber weiter im Tal präsent sein.
Seinem letzten Arbeitstag als Leiter der Haslacher Musikschule blickt Peter Stöhr gelassen entgegen. Schließlich nimmt er damit zwar Abschied von der Verantwortung, aber nicht Abschied von der Musikschule. „Ich mache sozusagen als freier Mitarbeiter weiter“, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Musikunterricht will er nämlich weiter geben, „fast im Umfang einer halben Stelle“.
Dass er seine Leidenschaft für Musik auch anderen näher bringen wollte, war dem Haslacher Peter Stöhr schon recht früh klar. Noch früher wusste er, dass er Musiker werden wollte. „Ich habe mit 16 Jahren beschlossen, dass ich Musiker werden will“, berichtet er. „Im Studium hat es sich abgezeichnet immer, dass ich Musikschullehrer werden wollte. Die Arbeit in Orchestern war nicht so meins.“ Stöhr absolvierte sein Musikstudium mit Hauptfach Querflöte ich an der Musikhochschule Karlsruhe.
1983 begann er, an der Musikschule Offenburg/Ortenau zu arbeiten, zunächst als Lehrer für Querflöte, Blockflöte, Kammermusik, Orchester und Big Band. Sehr bald übernahm er auch Leitungsaufgaben an der Schule als Zweigstellenleiter von Haslach und Zell, sowie Fachbereichsleiter für die Holzbläser. Ab 2011 war Stöhr dann der fachliche Leiter der Musikschule
Bau des „Hauses der Musik“ als Meilenstein
In den 13 Jahren als dieser ist ihn vor allem der Bau des Hauses der Musik in Erinnerung geblieben – und die damit verbundene Beinahe-Katastrophe im Jahr 2008. Das neue Gebäude, dessen Bauprozess Stöhr von Anfang bis Ende begleitete, sei ein Meilenstein in der Geschichte der Haslacher Musikschule gewesen. Eigentlich sollte sie Anfang September eingeweiht werden. Nur ein paar Tage vor dem Termin kam das Jahrhunderthochwasser und zerstörte Teile des neu gebauten Hauses. „Das Wasser stand knietief, die Straße vor der Tür war ein reißender Fluss“, erinnert Stöhr sich. Bei allem Unglück war die Erleichterung groß, dass sich zum Zeitpunkt des Unglücks niemand im Gebäude aufgehalten hatte. „Das hätten wir nicht überlebt“, ist sich Stöhr sicher. Auch dass noch keine Instrumente im Haus der Musik aufbewahrt worden waren, erwies sich unter den Umständen als glücklicher Zufall. Dennoch: Aus der Eröffnung wurde nichts. Stattdessen musste das gerade erst fertig gestellte Haus repariert werden. Statt im August/September 2008 wurde das Haus der Musik dann im April 2009 eingeweiht. Dass mittlerweile jede Musikschul-Zweigstelle im Kinzigtal in einem eigenen Gebäude hat, sei für ländlichen Bereich außergewöhnlich, freut sich Stöhr. Hornberg bekäme demnächst seine eigenen Räume, die Zeller würden demnächst eingeweiht.
Neben der Eröffnung des Haslacher Hauses der Musik sind Stöhr natürlich aber auch viele musikalischen Highlights im Gedächtnis geblieben, vor allem mit der 1989 gegründeten Bigband Surprise und der „Night of the Stars“1989 gründete er die Big Band „Surprise“ – die älteste Band der Musikschule, die seit 2002 mit den „Night of Stars“ in der Haslacher Stadthalle stattfindet. Vor allem aber habe er „wahnsinnig gerne unterrichtet“, berichtet Stöhr. „Aber es hat eigentlich alles Spaß gemacht. Ich habe es sehr genossen, mein Leben als Musiker zu leben.“ Als Leiter der Musikschule habe er viel gestalten und bewegen können. „Aber es war natürlich auch viel Verantwortung und mit viel Engagement verbunden.“ Dass er diese Funktion jetzt abgibt, sei deswegen auch befreiend. „Ich kann mich jetzt auf die Dinge konzentrieren, die ich gerne machen möchte“, freut sich Stöhr. Dazu gehören neben dem Unterrichten und Musikmachen auch Fotografieren, Kochen und Reisen. Das kann er in seinem Ruhestand ganz beruhigt tun; sein Nachfolger Ansgar Seiler arbeitet schon seit September in der Musikschule. Zwei Monate lang haben Stöhr und Sailer zusammengearbeitet. Aus der Welt wird Stöhr ja auch nicht sein. Seinen Ruhestand will er langsam angehen. „So plötzlich aufzuhören ist nicht die beste Strategie“, findet er. „Ich lasse das langsam auf mich zukommen. So lange es mit Spaß macht, werde ich Musik machen.“
Den ersten Tag seiner „Rente“ wird er aus diesem Grund auch nicht mit Faulenzen verbringen. Stöhr ist auf einem Probenwochenende mit der Bigband Surprise.
„Night of the Stars“
Die nächste „Night of the Stars“, deren Gesamtleiter Peter Stöhr ist, in der Haslacher Stadthalle ist für Freitag, 22. November, geplant. Moderator des Abends wurde ist Künstler und Multitalent Uwe Merz, der sich auch musikalisch einbringen wird. Das Motto der „Night of the Stars“ lautet „Ein Tag wie Gold“.