Clarissa Geißler informierte über den Erfolg der Spendenaktion. Foto: Kleinberger

Die Türen stehen offen. Bei bestem Sommerwetter starten die Handwerker damit, den Boden des "Rio" auszubauen. Das Haslacher Kino baut um – und spendet seine Kinosessel für die Ukraine.

Haslach - 330 Plätze hatte der größte Kinosaal in Haslach bis dahin. Diese, informiert Clarissa Geißler im Gespräch mit unserer Zeitung, werden durch den Umbau deutlich auf 244 reduziert. "Gerade die vorderen Reihen standen sehr eng hintereinander", sagt sie. Immerhin stand im "Rio" noch die Originalbestuhlung aus dem Jahr 1951.

Die ist bei Kino-Fans allerdings äußerst beliebt: In der vergangenen Woche hatten sie die Möglichkeit, gegen eine Spende die alten Sessel aus dem Saal auszubauen und mitzunehmen. Wer sein eigenes Heimkino aufhübschen wollte, hatte so eine willkommene Gelegenheit. Die Spenden, die über diese Aktion zusammengekommen sind, sollen der ukrainischen Gemeinde Trostjanez zugute kommen.

Anfangs hätte sie sich etwas Sorgen gemacht, ob und wie sie die mehreren Hundert Sessel unter die Leute bringen könnte. Doch die Sorge war unbegründet: "Die Resonanz war überwältigend", blickt Geißler zurück. Die Sitze waren in kürzester Zeit reserviert. Und die Abholer seien mit strahlenden Gesichtern und ihren "neuen" Kinosesseln wieder abgefahren.

Gesammeltes Geld soll Trostjanez zugute kommen

Dabei waren es keinesfalls nur Haslacher oder Kinzigtäler, die Spaß an den Erinnerungsstücken hatten. Die Abholer seien teils aus dem Schuttertal, aus Achern oder sogar vom Kaiserstuhl gekommen, berichtet Clarissa Geißler.

Jetzt stehen noch einige wenige Stühle im Flur vor dem Saal. Diese werden in den kommenden Tagen abgeholt. Vielen Nachfragen hatte Geißler bereits absagen müssen. Aber insgesamt hätte die Aktion nicht besser laufen können, meint sie. Die neuen Stühle waren bereits im Frühjahr bestellt worden. Sie sollen am 22. August angeliefert werden (siehe Info). Während das "Rio" sein neues Gesicht erhält und dann ab September wieder verfügbar sein soll, läuft der Betrieb in den anderen beiden Sälen in Haslach weiter.

Für die 282 bis jetzt abgeholten Stühle sind laut Geißler 7050 Euro zusammengekommen. Dazu kommen weitere Spenden, die mancher Haslacher ihr ohne den Erwerb eines Kinosessels gegeben habe. "Viele fanden die Aktion gut und wollten einfach helfen", so Geißler. Die Spenden sollen in die ukrainische Gemeinde Trostjanez fließen, zu der Haslachs Nachbargemeinde Hofstetten freundschaftliche Beziehungen unterhält. Im Westen des kriegsgebeutelten Landes gelegen, versorgt Trostjanez derzeit unter anderem Flüchtlinge aus der Ostukraine.

Curt Prinzbach freut sich sehr über die gelungene Aktion. Sie sei ganz im Sinne seiner Eltern. "Sie lebten nach dem Motto ›Alles verwenden heißt nichts verschwenden‹", sagte er am Montag sichtlich gerührt.

Info: So geht‘s weiter

Beim Schwabo-Besuch am Montag wurde damit begonnen, den Boden aus dem "Rio" zu entfernen. Wie Clarissa Geißler informierte, sollen die neuen Stühle am 22. August angeliefert werden. Mit dem Beginn der neuen Kino-Woche am Donnerstag, 1. September, soll der größte der drei Haslacher Kinosäle dann wieder öffnen.