Schlagfertig, selbstironisch und herrlich überdreht: Bei der Haslacher Elfimess mussten Bürgermeister, Bankvorstände und der Büttel sich als Fachkräfte beweisen.
Wie viele Liegestütze schafft der Büttel? Welches heimliche Talent hat der Bürgermeister? Kann der Gengenbacher Rathauschef kleppern? Und wie gut macht sich ein Sparkassen-Vorstand im Call-Center? Dies und noch viel mehr erfuhren die Besucher der Haslacher Elfimess am gestrigen Montag.
Nach dem Einzug des Narrenrats – allen voran Büttel Tobias Rauber und die Narrenmusik – nutzten Carlo Carosi und Sebastian Lebek von der Sparkasse die Gelegenheit, eine Neuerung einzuführen. „Wir kommen jedes Jahr hierher und warten, bis jemand sagt, dass wir eine Runde zahlen könnten. Dann gibt es Sekt, und wenn wir gehen, stehen die halbvollen Gläser noch auf den Tischen. Deswegen machen wir es dieses Jahr anders: Es gibt Sekt und Bier für alle“, erklärten sie.
Außerdem berichteten sie, wie sie zurechtkommen, obwohl der Vorstand von drei auf zwei Mitglieder reduziert wurde. „Ein Pfälzer, zwei Mentalitäten, ein Ziel, deswegen schaffen wir so viel“, lobten sich die Sparkassen-Vorstände. Wobei Pfälzer Lebek anschließend über seine Heimat scherzte: „Was ist das Schönste an der Pfalz? Der Blick auf Baden.“
Büttel Tobias Rauber berichtete schließlich, er habe sich Gedanken gemacht, was in einer ländlichen Gemeinde passieren würde, wenn es immer mehr Leerstände gebe. „Da muss man sich etwas einfallen lassen“, befand er und stellte seine Ideen vor: ein Beauty-Salon, „irgendwas mit Fitness“ und ein Call-Center. Dafür brauche es allerdings Fachkräfte, die heutzutage ja leider Mangelware seien. Rauber war sich sicher: „Hier sitzen sie. Jeder kann etwas. Und wenn es nur Ein- und Ausatmen ist.“
Ein- und Ausatmen reicht als Kompetenz
Für den geplanten Beauty-Salon wollte der Büttel gleich die Fähigkeiten der Anwesenden testen. Vor allem Haslachs Bürgermeister Armin Hansmann überraschte mit seinem Talent im Umgang mit Nagellack.
Doch es brauchte auch Fitnessfachkräfte. So bestellte Rauber Tobias Haller, Tobias Hansmann und Tim Dirhold zu sich auf die Bühne, um zu zeigen, ob sie mehr Liegestütze schafften als er selbst. Die vier gaben alles. Am Ende musste sich der Büttel lediglich Dirhold geschlagen geben, der die Marke von 100 Liegestützen knackte. Angesichts seiner dadurch schmerzenden Arme und seiner Unfähigkeit, die Glocke zu bedienen, stellte Rauber fest: „Schade. Jetzt hat’s sich ausgebimmelt. Ich krieg’s nicht mehr hoch.“
Nun fehlten noch Mitarbeiter für ein Call-Center. Dafür rekrutierte er Lebek und Carosi. Gemeinsam spielten sie einen Anruf einer Agentur bei einem älteren Ehepaar nach, das laut Raubers Skript ein Gratis-Abo für einen Sex-Kanal gewonnen hatte. Die irrwitzige Unterhaltung zwischen Ehefrau, Ehemann und Call-Center-Agent löste brüllendes Gelächter aus. Das Fazit des Büttels für die neuen Fachkräfte fiel entsprechend positiv aus: „Euch stelle ich ein. Da läuft was.“
Herbert Rittershofer sang zur Melodie von „Auf der Reeperbahn“ ein Lied über die Haslacher Boulebahn. Eine Abordnung um die Bollenbacher Ruhmattenschimmel präsentierte zudem einen Song darüber, dass die Bollenbacher dringend einen Bollenhut benötigten. Cordula Münzer, Julia Dominguez, Simone Engel, Arne Schmidbauer und Sandra Harter verliehen danach Antje Hettich und Rittershofer für deren Einsatz beim Schnurren die Goldene Schnurraten-Schnur.
Der Büttel vergaß, das Narrenblatt zu bezahlen
In diesem Moment merkte Rauber an, dass der Gengenbacher Bürgermeister Sven Müller anwesend sei, und wollte wissen, wie gut dieser kleppern könne – immerhin ist Gengenbach neben Haslach einer der wenigen Orte, in denen diese Tradition gepflegt wird. Müller sah mit Rücksicht auf die Gesundheit aller Anwesenden von einer Kostprobe ab.
Wie es sich für eine Elfimess gehört, wurden auch die Verfehlungen einiger Haslacher genüsslich ausgebreitet. Diesmal traf es Büttel Rauber selbst. Beim Kauf des Narrenblättles hatte er in der Eile etwas Entscheidendes vergessen: zu bezahlen. „Wir haben ja schon viel erlebt, aber dass jemand nach dem Kauf einfach ins Auto steigt und davonfährt, das war selbst für uns eine Premiere“, berichtete Narrenblatt-Verkäufer Benjamin Fauz.
Der Gerügte versprach Besserung und nutzte am Ende der Elfimess die Gelegenheit, sich nach dem Festspiel zum 150-jährigen Bestehen der Ranzengarde und dem 50. Geburtstag der Marketenderinnen bei allen Beteiligten ausführlich zu bedanken. Zudem dankte er allen, die jedes Jahr die Fasent in Haslach zu dem machen, was sie ist. Mit Freude blickte er auf das große Narrentreffen im kommenden Jahr, bei dem die Haslacher allen zeigen würden, dass Haslach zu Recht eine Fasentshochburg ist. Denn: „Wir haben die fetteste Kanone und die größte Bimmel!“
Zweite Elfimess
Die zweite Haslacher Elfimess findet am heutigen Dienstag um 11.11 Uhr im „Liung Tschang“ (Gasthaus Aiple) statt.