Monika und Rainer Flaig (von links) diskutierten mit der HGH-Vorsitzenden Mechtild Bender, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß, dessen Nachfolge-Kandidaten für die kommende Bundestagswahl Yannick Bury und Haslachs Bürgermeister Philipp Saar. Foto: Kleinberger Foto: Schwarzwälder Bote

Corona: Haslacher Händler macht auf dramatische Lage aufmerksam / Peter Weiß (CDU) vor Ort

Die Einzelhändler sind frustriert und wünschen sich Perspektiven. Das wurde bei einem Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß in Haslach deutlich. Gerade der inhabergeführte stationäre Handel steht vor großen Problemen.

Haslach. Rainer Flaig, Inhaber des gleichnamigen Schuhhauses in Haslach, hatte sich an Weiß gewandt – und zeigte sich zuallererst erfreut, dass der Abgeordnete so schnell reagiert hatte.

Im Geschäft selbst wurde klar, wie komplex die Lage ist. "Wir sind vollgestopft mit Schuhen", machte Rainer Flaig deutlich. Für die jeweilige Saison werde gut ein halbes Jahr vorher Ware bestellt. Nach den Lockdowns und einem hoffnungsvollen Sommer steht nun deutlich mehr davon im Geschäft als üblich. Da Schuhe wechselnden Trends unterliegen, kann die im vergangenen Jahr gekaufte Ware nur mit Rabatten weitergegeben werden. Im vergangenen Sommer sei man noch guter Dinge gewesen. Zumal die Bundespolitik signalisiert hätte, dass Handelsschließungen eine einmalige Sache bleiben würden.

Bekanntlich ist dem jedoch nicht so – und aus Sicht des Haslacher Händlers und seiner Frau Monika ist das Chaos jetzt perfekt. Denn da die Inzidenzzahlen im Ortenaukreis zuletzt um die Grenze zwischen "Click and Meet" und "Click and Collect" herum gelegen sind, ändern sich die Regeln für Handel und Kunden ständig. Die Forderung nach klareren Regeln konnte Weiß jedoch so nicht unterschreiben: "Vorher war das Chaos noch größer."

Internet ist große Konkurrenz für stationären Einzelhandel

Als große Konkurrenz für den inhabergeführten, stationären Handel machen Politiker wie Betroffene das Internet aus. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Pandemie in dieser Hinsicht zwar "nur"­ einen Trend verstärkt, der bereits vorher da war. Wie Yannick Bury, der sich in Weiß’ Nachfolge im Herbst zur Wahl als Bundestagsabgeordneter stellen wird, feststellte, wird das Thema die Politik noch lange beschäftigen. Wichtig sei die Frage, wie die Innenstädte für Kunden nach der Pandemie noch als attraktive Einkaufsorte gelten könnten. Sorgen bereiteten ihm diejenigen Kunden, die bislang eher zögerlich mit dem Internethandel umgehen würden – und jetzt vielleicht bemerkt haben, dass ihnen dieser Weg gefällt. Das sehen die Händler ähnlich. Monika Flaig kritisierte die langen und oft kostenlosen Rückgabezeiten. Für die kleinen Händler sei das kaum zu schaffen, so Rainer Flaig.

Zudem ärgere ihn die Ungleichbehandlung. "Die gesamte Pandemie wird auf dem Rücken des Einzelhandels und der Gastronomie ausgetragen", meinte er. Weiß zeigte Verständnis, betonte aber auch, dass ein ähnlicher Lockdown beispielsweise in Firmen nicht möglich sei. "Dann steht Deutschland still."

HGH-Vorsitzende Mechtild Bender kritisierte zudem, dass die großen Supermärkte inzwischen auch Haushaltswaren und Kleidung verkaufen. Insgesamt blieb die Hoffnung, dass die Haslacher Altstadt auch im Schatten der Corona-Pandemie attraktiv bleibt. "Ohne Einzelhandel und Gastronomie sind unsere Innenstädte tot", so Weiß.

Ideen, Angestellte frei zu stellen um Kapazitäten in Testzentren zu schaffen, wurden beim Besuch positiv diskutiert. Darüber wollen sich die Beteiligten näher verständigen.

Die erste Überbrückungshilfe sei flott beim Empfänger angekommen, so Flaig. Nun hake es aber – die Überbrückungshilfe Drei habe er noch nicht bekommen. Insgesamt seien die Hilfen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Wir greifen auf Rücklagen zurück, die als Altersvorsorge gedacht waren", so Flaig.

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