Bietet Gästen und Einheimischen faszinierende Naturerlebnisse: Die Landschaft im jungen Nationalpark Schwarzwald. Foto: Schwark

Leiter Thomas Waldenspuhl: "Wir sind alle hochmotiviert". Sägerwerksbranche klagt über fehlendes Holz.

Mittleres Kinzigtal/Nordschwarzwald - Vor etwas mehr als einem Jahr ist der Nationalpark Schwarzwald gegründet worden. Wird er inzwischen von den Kritikern angenommen oder gibt es immer noch Streitpunkte? Der Schwarzwälder Bote hat nachgefragt.

Die Stimmung ist jedenfalls gut – bei den Befürwortern. Ernüchterung gibt es dagegen bei den Sägewerksbetreiber. Denn das versprochene Holz aus dem Nationalpark bleibt bislang aus, so die Kritik.

"Die Zusagen des Ministeriums für ländlichen Raum sind seinerzeit gewesen, dass in den kommenden 30 Jahren aus ökologischen Gründen jährlich 35 000 Festmeter Fichte aus den Gebieten des Nationalparks weichen sollen", sagt Klaus Henne, Geschäftsführer des Hausacher Sägewerks Streit. Der Waldumbau sei laut Ministerium notwendig, um auf den Flächen die Voraussetzungen für mehr Tanne und Buche zu schaffen. "Das ist Holz, welches eigentlich der regionalen Holzindustrie zufließen sollte", sagte Henne im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Bislang sei bei den Betrieben davon jedoch noch nichts angekommen. Es gebe angeblich sogar Überlegungen, das geschnittene Fichtenholz auf dem Waldboden zu belassen "Wir haben aber nach anderen Lösungen für unser Unternehmen gesucht und sind nicht ganz unzufrieden", so Henne rückblickend.

"Diskussionen werden nicht aufhören."

Die schwierige Marktposition der kleineren und mittleren Sägewerke und der Einbruch bei den internationalen Exportmärkten sei mit ein Grund dafür, dass das Sägewerksterben im Schwarzwald weitergehen werde: "Das ist absolut nicht nur wegen des Nationalparks", ist sich Henne sicher.

Er fügt aber kritisch an: "Es fließt sehr viel Geld in den Nationalpark, welches besser in die Infrastruktur angelegt werden sollte." "Die Diskussionen um den Nationalpark werden auch künftig nicht aufhören", schätzt Thomas Waldenspuhl.

Der Forstwissenschaftler und einer der beiden Naturparkdirektoren bemängelt, dass diese auf einer falschen Ebene geführt würden. "Derzeit wird von den Waldbesitzern weniger Holz zur Verfügung gestellt, die Konsequenz ist, dass auf dem Markt insgesamt weniger Holz vorhanden ist", so Waldenspuhl.

Derzeit werde noch an der endgültigen Ausweisung der Kernzonen, in denen der Wald dann sich selbst überlassen werden soll, gefeilt. Die Auswertung der Bürgeranhörung laufe gerade, sodass der Nationalparkrat wohl im Februar in einem "Betriebsbuch" das Ergebnis präsentieren könne.

"Die Entscheidung über den Waldumbau hat allerdings keine Auswirkungen auf die Liefermengen für die regionalen Sägewerke", versichert Waldenspuhl. Auch gäbe es im Nationalparkrat keinerlei Überlegungen, das geschlagene Fichtenholz im Wald zu belassen.

Freundeskreis hat bereits zahlreiche Projekte gestartet

"Insgesamt 30 000 Festmeter Holzeinschlag werden wohl künftig herausgenommen, bei rund 1,5 Millionen Festmeter im ganzen Nordschwarzwald gehen da etwa drei Prozent verloren", gibt Waldenspuhl zu bedenken. Er betont mit Nachdruck: "Diese 0,5 Prozent muss das System aushalten."

"Das erste Jahr Nationalpark lief in Sachen Vorbereitungen insgesamt sehr gut", zieht der Forstwissenschaftler im Übrigen zufrieden Bilanz. An ihre Arbeit würden hohe Erwartungen gesetzt: "Nämlich von den Besuchern, der Politik wie auch den Schulen, Tourismus und den regionalen Urlaubsbetrieben."

Ein Jahresprogramm mit mehr als 300 Punkten werde demnächst herausgegeben. Die Fertigstellung des großen Infozentrums ist für 2018 geplant. "Die Menschen sollen vertraut werden mit der ›Wildnis‹ und sich dort erholen können, dafür schaffen wir die Voraussetzungen", so Waldenspuhl. Zudem will man neue Wege gehen: "Tiere und Pflanzen sollen sich selbst überlassen werden", so Waldenspuhl. Für die Ansiedlung von Füchsen oder Wölfen sei der Nationalpark allerdings viel zu klein. In den gesamten Wäldern Baden-Württembergs hätten maximal 120 Luchs Platz. Waldenspuhl schätzt daher, dass eher der Wolf, der im Elsaß lebt und viel weitere Strecken wandert, nach Baden-Württemberg kommen wird. "Es wird eine sehr spannende Gesichte, und wir alle sind sehr motiviert", so Waldenspuhl.

Voller Energie ist auch der Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald Sektion Oberes/ Mittleres Kinzigtal, der als Förderverein des Nationalparks Schwarzwald 2014 bereits zahlreiche Aktivitäten aufweisen kann.

Unter anderem wurde am Robert-Gerwig-Gymnasium in Hausach eine Veranstaltung mit dem titel "Nationalpark Schwarzwald – Chance für Mensch und Natur?!" durchgeführt, schreibt Sektionssprecherin Karin Pätzold aus Hornberg.

Demnach gab es verschiedene Veranstaltungen, Schulprojekte und vier Exkursionen in den Nationalpark Schwarzwald. Am 2. August 2014 wurde die erste Elektro-Tankstelle im Nationalpark eröffnet und vom Freundeskreis ein Elektro-Auto an die Nationalparkverwaltung übergeben.

Es gab auch schon eine kleine Sensation: "Am 29. September wurde von dem Pilzforscher Josef Christan aus München die Zitronengelbe Tramete, ein sensationeller Erstfund für Baden-Württemberg, entdeckt", sagt Karin Pätzold. Er kartiert im Rahmen eines Forschungsprojekts Pilze im Bannwald "Wilder See".

Die Sektion im Kinzigtal, so Pätzold, hat sich zum Ziel gesetzt, mit öffentlichen Veranstaltungen, Aufklärungsarbeit über Naturschutz, vor allem an Schulen, und Presseartikeln den Aufbau des Nationalparks Schwarzwald zu begleiten.

Umfrage bei Gästen: Stimmung überwiegend positiv

Sylvia Wiegert

Region - Ist er nach wie vor Streitpunkt oder doch auch schon Anziehungspunkt? Knapp ein Jahr ist der Nationalpark Schwarzwald nun alt. Wie kommt er bei den Feriengästen an? Wir haben nachgefragt.

Im Romantikhotel Sackmann in Schwarzenberg reagieren die Urlauber positiv auf das neue Schutzgebiet der Region. "Ich habe den Eindruck, die Leute gehen sensibilisierter in den Wald und nehmen die Natur nun bewusster wahr", beschreibt Hotelier und Sternekoch Jörg Sackmann die Reaktion seiner Gäste auf die Nationalpark-Hinweisschilder.

Zwar habe sich die Landschaft in diesem ersten Jahr kaum verändert, doch die psychologischer Wirkung des Labels Nationalpark ist laut Sackmann nicht zu unterschätzen: "Wir stehen am Anfang einer langen Entwicklung, die auch von den Urlaubern in der Region interessiert verfolgt wird", so der Hotelier, der bei der Information seiner Gäste über das Projekt eng mit der Baiersbronn Touristik zusammenarbeitet.

Das neue Schutzgebiet werde sich positiv auf den Nordschwarzwald auswirken, meint Sackmann zwischenzeitlich optimistisch. Das war nicht immer so deutlich: "Am Anfang war auch ich etwas skeptisch und verunsichert bei diesem Projekt", erzählt er, doch die Rückmeldungen seiner Gäste und die bisherige Entwicklung des Nationalparks Schwarzwald haben ihn überzeugt: "Es wurden keine Zäune um den Park gebaut, keine Wanderwege gesperrt und keine Sheriffs eingesetzt, die Parkbesucher kontrollieren", sagt Sackmann. Im Gegenteil: "Das Feedback der Wanderurlauber auf den Nationalpark ist positiv."

Einige Gäste und vor allem Journalisten seien im vergangenen Jahr sogar gezielt wegen des neuen Nationalparks bei ihm angereist, erzählt der Hotelier, der sich vom neuen Großschutzgebiet weitere positive Veränderungen erhofft: "Wir werden bei den Feriengästen internationaler, diese Entwicklung war schon in den vergangenen Jahren so, und sie wird sich durch das Label Nationalpark künftig noch verstärken", meint Sackmann.

Attraktionen können zum Erfolg verhelfen

Jörg Möhrle vom Hotel Tanne in Tonbach hatte im vergangenen Jahr keine Gäste, die gezielt wegen des Nationalparks in die Region gekommen sind. "Das ist wohl noch zu früh, weil kaum Veränderungen wahrgenommen werden", glaubt er, ist aber für die Zukunft optimistisch: "Wenn erst die Attraktionen wie das Wildtierreservat an der Alexanderschanze oder das Besucherzentrum am Ruhestein stehen, wird der Nationalpark ein Erfolg, daran habe ich keinen Zweifel", so Möhrle. Das Schutzgebiet werde positive Effekte für die ganze Region bringen, ist sich der Hotelier sicher: "Ich habe großes Vertrauen in den Nationalparkrat und in die Nationalparkverwaltung."

Die Gäste von Hotelier Martin Zepf im Hotel Auerhahn in Hinterlangenbach lässt der Nationalpark bislang kalt: "Die meisten Urlauber interessiert der Park nicht, ihnen gefällt die Natur hier auch ohne Nationalpark", sagt Zepf.

Im Gegenteil: Viele Stammgäste hätten kein Verständnis für den Aufwand, der hier für einen Nationalpark betrieben werde, weil sie auch ohne Großschutzgebiet gerne in die Region gereist sind, erzählt der Gastgeber. Aber das scheint laut Zepf keinen der Verantwortlichen zu interessieren: Bei einer Umfrage des Nationalparks sei einer seiner langjährigen Gäste interviewt worden, erzählt er. Ob er schon früher Urlaub im Schwarzwald gemacht hat, sei der Gast allerdings nicht gefragt worden.

Schon seit Beginn des Projekts arbeitet das Hotel Bareiss in Mitteltal eng mit dem Nationalpark zusammen. Wöchentlich werden mit hauseigenen Wanderführern Wanderungen ins Nationalparkgebiet für die Gäste angeboten. "Unsere deutschen und internationalen Gäste sind von der Idee des Nationalparks Schwarzwald begeistert", berichtet Uta Schlagenhauf, Pressereferentin des Hotels. Viele Stammgäste hätten die Diskussionen und die Entwicklung im und um den Nationalpark interessiert verfolgt und begleitet: "Das ist eine spannende Reise, auf die wir unsere Gäste mitnehmen", erzählt sie.

Der Nationalpark sei im Hause Bareiss ein "angenehmes Thema", er werde von den Urlaubern als große Chance für die Region und als ideale Ergänzung zu bisherigen Angeboten wie dem "Baiersbronner Wanderhimmel" gesehen, sagt Schlagenhauf. Allerdings sei es wichtig, gerade den Stadtmenschen die Natur und die natürlichen Prozesse im Nationalpark zu erklären, sagt die Fachfrau. Die Landschaft im Nordschwarzwald sei eine Perle, die durch das Nationalparkprojekt noch mehr an Bedeutung gewinne.

Veränderungen weder zum Guten, noch zum Schlechten

Auch Schlagenhauf hat festgestellt, dass das noch junge Projekt bereits Wirkung zeigt: "Vieles wird jetzt bewusster wahrgenommen", beschreibt sie die Reaktion vieler Urlauber auf den Park und auf die neuen Informationsangebote. "Wir stehen am Anfang eines spannenden Wegs, und unsere Gäste sind neugierig darauf, wie sich der Nationalpark entwickeln wird, und was die Schwärzwälder daraus machen", sagt Schlagenhauf.

Im Hotel Traube Tonbach sind die Reaktionen der Urlauber auf den Nationalpark verhaltener: "Unsere Gäste freuen sich wie eh und je über den Wald", sagt Sebastian Finkbeiner von der Inhaberfamile Finkbeiner, denn viel habe sich seit der Parkgründung ja auch noch nicht verändert – weder zum Guten, noch zum Schlechten.

Das wird sich ändern, wenn erst die Attraktionen im Umfeld des Nationalparks realisiert werden, glaubt der Gastgeber. Der Nationalpark sei schließlich in erster Linie ein Naturschutzprojekt, das erst noch touristisch genutzt werden muss.

"Da steckt großes Potenzial drin", ist Finkbeiner sich sicher, gerade auch im Zusammenhang mit dem geplanten Besucherzentrum und der pädagogischen Arbeit des Nationalparkteams: "Unsere Gäste gehen schon jetzt sehr bewusst mit der Natur um und haben großes Interesse daran", sagt er, schließlich könne der Nordschwarzwald Naturerlebnisse bieten, die Städter sonst nicht haben.

Was die Zukunft des Nationalparks anbelangt, klingt auch Sebastian Finkbeiner optimistisch: "Ich glaube, der Park wird viele positive Effekte für die Region bringen", betont er. Die Stimmung zum Nationalparkprojekt in der "Traube Tonbach" beschreibt er so: "Wir warten die weitere Entwicklung sehr positiv gestimmt ab."

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