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Haslach i. K. "Habe mir hier ein Leben aufgebaut"

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Amir Mikhail und Julia Coutinho arbeiten gerne in der Tierklinik. Foto: Reinhard Foto: Schwarzwälder Bote

Von der Millionen-Stadt in den tiefsten Schwarzwald – der Tiere wegen. Julia Coutinho und Amir Mikhail kommen aus Brasilien sowie Ägypten und arbeiten in der Haslacher Tierklinik. Sie fühlen sich im Kinzigtal sehr wohl.

Haslach. Er kommt aus Ägypten, sie aus Brasilien. Das enden die Unterscheide allerdings schon. Beide haben viele Gemeinsamkeiten. Vor allem eint sie die Liebe zu den Tieren und ihr Beruf beziehungsweise ihr Berufswunsch.

Amir Mikhail ist 36 Jahre alt und kommt aus Kairo. "Tiere sind schon seit meiner Kindheit meine Leidenschaft", berichtet er. Zwar hätte er auch Humanmedizin studieren können und seine Familie hätte das begrüßt, "aber ich wollte unbedingt Tierarzt werden und habe dafür auch einen Konflikt mit seiner Familie in Kauf genommen."

Ein Arzt habe in seinem Heimatland lange mehr Ansehen genossen als ein Veterinär. Das stehe in Zusammenhang mit dem Verhältnis, das Ägypter bis jetzt zu Tieren hatten. "In den vergangen Jahren hat der Respekt den Tieren gegenüber stark zugenommen und damit auch uns Tierärzten gegenüber. Es gibt auch immer mehr Hilfsorganisationen". Auch seine Familie habe mittlerweile Verständnis für seine Berufsentscheidung.

Beide setzen ihren Berufswunsch durch

Seit 2011 ist Mikhail praktizierender Tierarzt. Nachdem er eine Deutsche kennen lernte und mit ihr zusammen einen Sohn bekam, entschied er sich, nach Deutschland zu ziehen, um in der Nähe seines Kindes zu sein. Nach mehreren Praktika an verschiedenen Orten in Deutschland kam er im Juni 2014 nach Haslach, wo er ebenfalls ein Praktikum absolvierte und nach sechs Monaten Probezeit als Tierarzt fest angestellt wurde.

Die 27-jährige Julia Coutinho stammt ebenfalls aus einer Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern. So wie Mikhail vor ein paar Jahren macht sie derzeit ein Praktikum, allerdings im Rahmen ihres Studiums. Auch sie will Veterinärin werden und auch sie löste mit ihrem Berufswunsch bei ihren Eltern zuerst keine Begeisterung aus.

"Sie sind keine großen Tierfreunde und ich durfte als Kind auch nie Haustiere haben. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es bei mir so lange gedauert hat, bis ich die Entscheidung für die Veterinärmedizin gefällt habe", berichtet sie. Sie studierte zuerst Biologie, "aber ehrlich gesagt habe ich mich nie als Biologin gesehen. Ich bin ein praktischer Mensch und wollte etwas mit meinen Händen tun. Und da ich Tiere mag, passte Tiermedizin."

Nachdem sie bereits in Irland gelebt und dabei positive Erfahrungen gemacht hat, wollte sie noch einmal eine Weile ins Ausland und das mit ihrem Studium verbinden. Da sie dort Verwandte hat, kam sie nach Deutschland. Ihr Praktikum in der Haslacher Tierklinik läuft seit Dezember, in der kommenden Woche fliegt sie wieder nach Hause. Aber bereits im Juni dieses Jahres wird sie wiederkommen. Wie lange sie dann bleibt, weiß sie noch nicht.

Die Umstellung von einer lauten Großstadt zum beschaulichen Haslach fiel vor allem Mikhail schwer. "Hier ist alles so ruhig, da musste ich mich erst einmal dran gewöhnen", erzählt er. Coutinho hingegen erklärt, dass sie, obwohl sie in der Drei-Millionen-Einwohner-Stadt Belo Horizonte aufgewachsen ist, noch nie ein Großstadt-mensch gewesen sei. "Es war mir nie so wichtig, in einer riesigen Stadt zu leben."

Eine weitere Herausforderung war natürlich die Sprache. Mikhail spricht fließendes, akzentfreies Deutsch. Aber bis dahin war es ein weiter Weg. "Der Anfang hier, neue Sprache, neue Kultur, war eine Katastrophe", gibt er zu – und das, obwohl er bereits in Ägypten angefangen hatte, Deutsch zu lernen. "Ich bin da sehr ehrgeizig und versuche, Dinge schnell zu lernen". In Deutschland angekommen, belegte er einen Deutschkurs und lernte danach während der Arbeit immer besseres Deutsch. Denn Mikhail hält gerne mal ein "Schwätzle". "Ich mag es, mich mit den Menschen, gerade mit den älteren, zu unterhalten, auch wenn der Dialekt manchmal schwer zu verstehen ist. Man kann viel von ihnen lernen und erfährt, wie die Leute denken."

Entgegen des Vorurteils findet er die Deutschen überhaupt nicht kalt und unfreundlich. "Sie sind sehr nett und hilfsbereit", findet er, sowohl auf der Straße als auch bei der Arbeit. Seine Kollegin Coutinho sieht das ähnlich. Als Brasilianerin habe sie die alemannische Fastnacht positiv überrascht, vor allem die Musik. Auch Mikhail mag die Fastnacht, obwohl er sich selbst nicht als "närrisch" bezeichnet. "Aber gerade für die Kinder ist das fantastisch und ich bin mit meinem Sohn gerne dabei", findet er.

Die Familie und Freunde fehlen natürlich

Insgesamt gesehen habe das Leben in Haslach viele Vorteile. Im Vergleich zu anderen Teilen in Deutschland sei das Wetter besser, auch wenn er die Wärme Ägyptens oft vermisse. Am meisten fehlten ihm seine Familie und Freunde, auch wenn er sie recht regelmäßig besuche. Beruflich gesehen sei die Arbeit in der Klinik sehr interessant und lehrreich. Das findet auch Coutinho. "Die Versorgung für Tiere in Brasilien läuft etwas anders. Dort gibt es einfach zu viele und dann ist die Behandlung natürlich anders. Die Deutschen seien sehr viel besorgter um ihre Tiere als die Brasilianer. "Manche Halter sind vorsichtiger als andere. Ich finde das ganz normal", fasst Mikhail seine Erfahrungen mit den deutschen Besitzern zusammen.

Beide sagen, sie seien zufrieden mit ihrem Leben in Haslach. Während Coutinhos Aufenthalt begrenzt ist, ist Mikhail sicher, dass er bleiben möchte. "Ich habe mir hier ein Leben aufgebaut", sagt er.

Beonders schwierig und anstrengend haben Amir Mikhail und sein Chef Jörg-Wolfgang Schäffner den Umgang mit den deutschen Behörden empfunden. "Das war sehr anstrengend und ich bin Herrn Schäffner sehr dankbar, dass er mich dabei so sehr unterstützt hat", sagt Mikhail. Schäffner selbst bestätigt das, betonte aber auch, dass es bei der Agentur für Arbeit in Lahr einen engagierten Mitarbeiter gegeben habe, der sie sehr unterstützt häbe.

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