Die Futterqualität könnte besser sein: Die landwirtschaftliche Bilanz nach verregnetem Frühjahr, sonnigem Sommer und nass bis goldenem Herbst. Foto: Schwarzwälder-Bote

Erntebilanz im Ortenaukreis: Landwirte im mittleren Kinzigtal merken noch die verzögernden Auswirkungen des Saisonstarts.

Mittleres Kinzigtal - Beim Amt für Landwirtschaft des Ortenaukreises sind im Verbreitungsgebiet des SchwaBo knapp 700 landwirtschaftliche Betriebe gemeldet. Für sie könnte die Erntebilanz zum Saisonende besser ausfallen. Fast lässt der goldene Herbst und der sonnige Sommer das verregnete Frühjahr in Vergessenheit geraten. Doch die Landwirte im mittleren Kinzigtal merken sehr wohl noch die verzögernden Auswirkungen dieses Saisonstarts.

"Das Gras ist im Schnitt 14 Tage später dran", bilanziert Paul Buchholz, Vorsitzender des BLHV Mühlenbach. Weil der Jungbauernhof des 49-jährigen Bio-Landwirts auf 500 Höhenmetern über dem Bücherntal liegt, konnte er mit dem ersten Schnitt Anfang Juni eine passable Gras-Qualität einfahren. Das lag an der Verzögerung der Reife durch die Höhenlage seiner Wiesen. Doch in den unteren Lagen war der erste Schnitt ab Mitte Mai laut Buchholz nicht so gut. Durch die langen Regenphasen im Frühjahr war das Gras schon recht alt, als es dort geerntet werden konnte.

Wie Buchholz betreiben die meisten Landwirte im mittleren Kinzigtal Weidewirtschaft und Viehhaltung – meist in Verbindung mit Waldwirtschaft. Laut Amt für Landwirtschaft haben bis dato in diesem Jahr 684 Landwirte des mittleren Kinzigtals einen sogenannten "gemeinsamen Antrag" bei der Behörde abgegeben. Sie bewirtschaften zwischen Steinach und bis ins Wolf- und Gutachtal Flächen, die größer sind als ein Hektar. Für die Förderhöhe ist entscheidend, ob sie extensiv, konventionell und mit Maschinen ihre Flächen bewirtschaften und damit auch intensiv düngen. Für Blumenwiesen, beispielsweise in Hanglagen, und für Streuobstwiesen gibt es zur Grundförderung von 400 Euro jeweils noch einen Zuschlag.

"Ab Gutach hört es mit landwirtschaftlichen Betrieben auf", weiß der Agraringenieur

"Jeder Landwirt hat Streuobstbäume im mittleren Schwarzwald, zum Brennen und für Saft und Most, doch wirtschaftlich interessant ist das nicht", weiß Jürgen Neumaier, Diplom-Agraringenieur beim Offenburger Amt für Landwirtschaft, von dem Wirtschaftsmix der meisten Landwirte im Tal. Auch Ackerland gebe es auf den Flächen entlang der Kinzigauen. Und für Sonderkulturen wie Erd- und Heidelbeeren oder Obst seien die Auen bei Fischerbach eine "Insel im Schwarzwald". Minimal sei auch Weidewirtschaft mit Ziegen und Schafen vertreten.

"Ab Gutach hört es jedoch mit landwirtschaftlichen Betrieben auf, ab da geht es eigentlich nur noch um die Offenhaltung der Kulturlandschaft", betont Neumaier. Denn die Landwirtschaft ist für ihn ein Gewerbe, das ganz oder teilweise von seinen Bodenerträgen lebt. Auch wenn der Bodenertrag nicht Weizen, sondern Gras ist, aus dem für den Winter Viehfutter wird.

Landwirt Buchholz betreibt wie viele konventionell und biologisch wirtschaftenden Kollegen einen solchen landwirtschaftlichen Erwerbsbetrieb. Allein in Mühlenbach zählt der BLHV etwa 60 Mitglieder. Für sie und die zahlreichen anderen Landwirte im Tal ist die Grasernte mit entscheidend. Ihre Qualität bedingt in der Weiterverarbeitung die Silage- und Heuqualität. Besser wären in diesem Jahr laut Landwirt Buchholz mehr Nährstoffe im Blatt gewesen. Deren Energie brauchen die Tiere im Winterfutter. Zum späten Saisonstart hatten die Pflanzen ihre Kraft schon in Blüte und Samen gesteckt. Dann "verholzt" das Futter.

Drei bis vier Grasschnitte pro Jahr braucht beispielsweise Buchholz, um die 45 Rinder seiner Jungviehaufzucht durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Mit der Erntemenge an Winterfutter von seinen 25 Hektar Fläche ist er zufrieden: 200 Tonnen Silage und 20 Tonnen Heu.

Auf einem Viertel der von Buchholz bewirtschafteten Fläche weiden seine Rinder: seit Anfang Mai und vermutlich noch bis Mitte November. Sie, und vermutlich auch ihre anderen Artgenossen im Tal, werden zumindest genug Futter für den Winter haben.