Irmtraud Mussler (von links) und Adelheid Wagner organisieren seitens des Caritasverbands die Angebote für Trauernde. Monika Jakob-Lohrig und Waltraud Schöner haben sich durch die Vermittlung von Irmtraud Mussler kennengelernt. Foto: Kleinberger Foto: Schwarzwälder Bote

Soziales: Caritasverband Kinzigtal bietet Veranstaltungen für Trauernde / Betroffene geben sich Kraft

Trauer hat keinen Zeitplan. Das wissen nicht nur die Mitarbeiter des Caritasverbands Kinzigtal, die verschiedene Formate zur Trauerbewältigung anbieten. Das wissen vor allen Dingen Betroffene, die aus den Caritas-Angeboten Kraft schöpfen können.

Haslach. Die Formate des Caritasverbands mit Sitz in Haslach geben Hinterbliebenen Raum, zu trauern. Sie schaffen manchmal aber auch mehr: Nämlich Verbindungen, Freundschaften, die helfen. Das wird beim Pressegespräch deutlich. Denn Waltraud Schöner und Monika Jakob-Lohrig erzählen aus erster Hand, wie wertvoll der Kontakt zu anderen Trauernden sein kann.

Seitens des Caritasverbands organisieren Irmtraud Mussler und Adelheid Wagner seit dem vergangenen Jahr das "Trauercafé" und die "Gehspräche" – solange es Corona zulässt. "Sie sind sehr gut angelaufen", berichtet Irmtraud Mussler und erzählt von einer breiten Altersspanne zwischen 53 bis 91 Jahren unter den Teilnehmern. Überwiegend seien es Frauen, die die Angebote nutzen. Die Gruppen sind unterschiedlich besetzt, immerhin sind die Teilnehmer der "Gehspräche" gute eineinhalb Stunden auf den Beinen.

Ähnliche Trauerbiografien bilden die Basis

Zwei Hinterbliebene, die über die Caritas in Kontakt getreten sind, sind Waltraud Schöner und Monika Jakob-Lohrig. Mussler erzählt, dass beide sich an sie gewandt hatten, um mehr über die entsprechenden Angebote zu erfahren. Und sie stellte fest: Die Trauerbiografien beider Frauen ähnelten sich stark. Beide verloren sowohl ihren Ehemann als auch ihre Tochter. Während Waltraud Schöner nach dem Tod ihrer Tochter aus dem Rheinland zurück in den heimatlichen Schwarzwald zog, war Monika Jakob-Lohrig mit ihrem Mann aus dem Saarland ins Kinzigtal gezogen – die frühere Urlaubsregion. 2020 wandte sie sich an Mussler – das erste Telefonat habe drei Stunden gedauert. Das Trauercafé habe dann leider wegen der Pandemie vorerst schließen müssen. "Ja, und dann hat sie mir die Frau Schöner ins Leben gedrückt", sagt Jakob-Lohrig. Alle vier Gesprächsteilnehmerinnen lachen.

Gelacht, wirft Wagner ein, werde bei den Veranstaltungen viel. Gleichzeitig geben die Gruppen den Betroffenen das Gefühl und die Sicherheit, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein seien. Daher ist auch der Kontakt während der Pandemie und ihrer Beschränkungen wichtig. Den hält Mussler per Telefon oder E-Mail, auch Online-Treffen per Videochat "haben wir erfreulicherweise schon geschafft". Das sei bei den meist nicht so technikaffinen Teilnehmern dann oft mit dem guten Gefühl verbunden, dass sie das "geschafft" haben. Es gibt aber keine Verpflichtung, betont Adelheid Wagner. Aktuell gebe es ein paar Teilnehmer, die sich nicht mehr melden – die bekommen dann die üblichen Info-Mails zum aktuellen Stand der Veranstaltungen. Deren Entscheidung, auf Abstand zu gehen, respektieren die Organisatorinnen aber. So gebe es bei den "Gehsprächen" zum Beispiel auch klare Regeln: "Wir gehen pünktlich los. Wer bis dahin nicht da ist, kommt diesmal eben nicht – und das ist absolut in Ordnung", so Mussler. "Da muss sich auch niemand rechtfertigen."

Nachdem Mussler den Kontakt zwischen den zwei Frauen hergestellt hatte, "haben wir schnell bemerkt, dass es einfach passt", erzählt Schöner. Inzwischen unternehmen sie viel miteinander, sind füreinander da und "können sich gegenseitig hochziehen", so Jakob-Lohrig. Zwar seien sie grundverschieden, aber sie hätten inzwischen gelernt, dass sie sich aufeinander verlassen können. "Sie ist der einzige Mensch in meinem Leben, der wirklich nachvollziehen kann, was ich meine, wenn ich sage: ›Es geht mir schlecht‹", macht Jakob-Lohrig deutlich. Denn Trauer ist keine lineare Sache, die an einem bestimmten Punkt vorbei ist. Das gegenseitige Verständnis gibt den Frauen Halt – und ist auch etwas, was die Gruppen in den Trauercafés oder "Gehsprächen" erfahren.

Die Freundschaft zwischen Jakob-Lohring und Schöner ist gewachsen. "Ich freue mich, ihr meinen Schwarzwald zeigen zu können", sagt Schöner, die nach dem Tod ihres Mannes und der Tochter bewusst zurück in ihren Heimatort Steinach zurückgegangen ist. Für Jakob-Lohrig war eine Rückkehr ins Saarland nie eine Option. Dort werde sie zu sehr an ihre Tochter erinnert, sagt sie.

Bei den Trauercafés wird auch viel gelacht

Dass Angehörige derzeit wegen der umfangreichen Corona-Regelungen nicht richtig Abschied nehmen können, ist laut Mussler und Wagner "ein Problem". Dass sie mit oder an Corona Verstorbene nicht einmal mehr sehen dürfen, lege sich schwer auf die Hinterbliebenen – "im Moment ist keine Trauerkultur möglich". Gleiches gelte für die Beerdigung, das letzte Fest, das nicht gefeiert werden könne. Die Angebote der Caritas können da ein wenig helfen, auch, die Selbstfürsorge wieder zu lernen. "Im besten Fall findet man hier Gleichgesinnte, freundet sich an, hilft sich gegenseitig", so Mussler.

Sobald die Panemielage es zulässt, können Trauercafé und "Gehspräche" schnell wieder starten, versichert Irmtraud Mussler. Grundsätzlich findet das Trauercafé im Mehrgenerationenhaus am zweiten Samstag im Monat von 15 bis 17 Uhr statt. Die "Gehspräche" sind am Mittwoch, 19. Mai und 2. Juni von 16 bis 17.30 Uhr geplant; danach geht’s im Zweiwochentakt erst um 18 Uhr los. Treffpunkt ist der Waldsee-Parkplatz. Die Teilnehmer werden um Voranmeldung gebeten: Bei Irmtraud Mussler unter Telefon 07832/99 95 52 11 oder E-Mail an irmtraud.mussler@caritas-kinzigtal.de. Dort und auf der Internetseite des Caritasverbands ist auch zu erfahren, ob die Termine stattfinden.

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