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Haslach i. K. Ein Tropfen auf den heißen Stein

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Christine Truve (von links), Natalie Faißt, Peter Weiß, Margareta Brucker-Prinzbach und Ralph Schmieg waren sich bei der Übergabe der Pflegeprämie einig: Der Pflegeberuf muss aufgewertet werden.Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Während des Stillstands sind Pflegekräfte als Helden gefeiert worden. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß übergab nun den symbolischen Scheck an den Caritas-Verband Kinzigtal und informierte sich über die Pflege in Corona-Zeiten.

Haslach. Mit einer steuerfreien Pflegeprämie von 1500 Euro für vollzeitbeschäftigte Pflegekräfte und entsprechender Abstufung für Teilzeitkräfte bedanken sich Bund (1000 Euro) und Land (500 Euro) für deren Einsatz. Peter Weiß hat am Mittwochvormittag den symbolischen Scheck in Höhe einer Pflegeprämie an den Caritasverband Kinzigtal übergeben und sich über dessen Situation informiert.

Schnell war dem Bundespolitiker klar: "Es ist ein kleines ›Dankeschön‹, aber es entbindet uns nicht von der Aufgabe, die Pflegeberufe aufzuwerten."

Margareta Brucker-Prinzbach gewährte als stellvertretende Pflegedienstleiterin der Haslacher Sozialstation Einblicke in den ambulanten Dienst während der Corona-Zeit. "Es war für alle Beteiligten eine große Herausforderung", schickte sie voraus. Angehörige, Betroffene und auch das Personal hätten sich mit Ängsten und Unsicherheiten auseinandersetzen müssen. "Wir haben versucht, in jedem Bereich Ruhe zu bewahren und sachlich zu bleiben", so Brucker-Prinzbach. Viele Gespräche hätten stattgefunden und die Schutzausrüstung mit FFP2-Masken sei zusammengetragen worden. Für den Fall der Betreuung eines an Covid-19-Erkrankten seien Pläne entwickelt worden, die bisher aber nicht zum Einsatz gekommen seien.

Doch das sehr viel größere Problem sei die Einsamkeit der zu pflegenden Menschen gewesen. "Die Narben, die da zurückbleiben, sind noch gar nicht absehbar", war sich die stellvertretende Pflegedienstleiterin sicher. Die Betroffenen hätten mitunter nicht verstanden, warum die Angehörigen sie auf einmal nicht mehr besuchten und soziale Kontakte seien aus Angst vor dem Unbekannten komplett abgebrochen worden. "Die Tagespflege haben wir geschlossen, eine Notgruppe war bei uns personell nicht umsetzbar", erklärte Margareta Brucker-Prinzbach. Das wiederum habe Angehörige vor erhebliche Herausforderungen gestellt und ein Teil des betreuten Personenkreises sei in stationären Einrichtungen untergebracht worden. Aktuell wäre die Tagesgruppe mit acht Personen und zwei Mitarbeitern zur Hälfte belegt, was jedem Kunden wenigstens einen Betreuungstag pro Woche ermögliche.

Doch die große Dankbarkeit gegenüber den Pflegekräften habe im Allgemeinen schon wieder nachgelassen. "Der gut gemeinte Applaus hat gut getan, hilft bei der aktuellen Situation in der Pflege aber nicht", bedauerte die stellvertretende Pflegedienstleitung. "Wir wissen schon lange, dass der Pflegenotstand da ist, aber es tut sich gefühlt gar nichts! Der Beruf muss langfristig aufgewertet werden", forderte sie.

Ihre rhetorische Frage, was noch passieren müsse damit die Politik reagiere, ließ der Abgeordnete unbeantwortet und informierte sich über die stationäre Situation im Alfred-Behr-Haus.

Natalie Faißt schilderte als stellvertretende Hausleitung: "Zuerst dachten wir, das wird schon rumgehen – aber dann haben wir bereits Tage vor der landesweiten Anordnung das Haus geschlossen." Für die Bewohner sei es ganz schlimm gewesen, dass keine Angehörigen mehr kommen durften. Durch den Garten im Atrium und über die großen Balkone hätten die Bewohner wenigstens ein bisschen ins Freie gekonnt. Die digitalen Möglichkeiten des Kontakthaltens seien von den Bewohnern nicht genutzt worden, allerdings hätten sich die Angehörigen verstärkt telefonisch erkundigt. Aktuell wären die Türen des Alfred-Behr-Hauses noch geschlossen, Angehörige müssen sich anmelden und dürfen sich dann mit Schutzmaske im Zimmer des Bewohners treffen.

Als kaufmännische Leiterin des Caritasverbandes schilderte Christine Truve den äußerst vorsorglichen Umgang mit einem Corona-Verdachtsfall, der sich aber nicht bestätigt habe. Ralph Schmieg ist als neuer Geschäftsführer nach eigenen Anfagen "mittendrin auf den Corona-Zug aufgesprungen" und fand es mehr als bemerkenswert, dass es trotz der erheblichen Belastungen keinen signifikanten Anstieg des Krankenstandes beim Personal gegeben habe. Er war sich sicher: "90 Prozent des Pflegepersonals würde auf die einmalige Prämie verzichten, wenn sie wüssten, dass der Beruf im Gesamten aufgewertet wird."

Bundestagsabgeordneter Peter Weiß (CDU) sagt: "Wir werden aus der Corona-Krise noch viel lernen. Was wir uns gerade an Hygiene angewöhnen, ist gut für die Zukunft." Eine erste Konsequenz aus der Krise sei die Bevorratung mit Schutzausrüstung, die mittlerweile von fünf Firmen in Deutschland produziert werde. Im Bewusstsein der Bevölkerung werde sich festsetzen, dass es in Krisenzeiten ein gut funktionierendes Sozialsystem gebe und dass es in der schlimmsten Zeit keine Unterversorgung an Klinikbetten und Krankenversorgung gegeben habe. "Das ist in erster Linie auch den Pflegekräften zu verdanken." Ein allgemeiner Sozialer Dienst für alle jungen Frauen und Männer in Deutschland wäre gut. "Die Prämie ist eine einmalige, nette Geste – eine dauerhafte Regelung mit einheitlichen und verbindlichen Tarifen für die Kranken- und Altenpflege muss von den großen Wohlfahrtsverbänden gefunden werden."

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