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Haslach i. K. "Dieses Zeitgefühl wirkt lange nach"

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Der erste weiße Massai-Krieger, Benjamin Eicher (rechts), war bei Curt Prinzbach im Haslacher Kino zu Gast. Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Der erste weiße Massai-Krieger hat im Haslacher Kino Station gemacht. Benjamin Eicher war am Montagabend bei Kinobetreiber Curt Prinzbach zu Gast, um seinen Film vorzustellen und mit den Kinobesuchern ins Gespräch zu kommen.

Haslach. "Wenn eine Geschichte und die Inszenierung gefallen, dann gefällt auch der Film", ließen sich Benjamin Eichers anfängliche Ausführungen zur technischen Umsetzung zusammenfassen. Beim Dreh einer Tierdokumentation in der Massai Mara habe er viel Zeit mit seinem dortigen Begleiter verbracht, der als echter Massai-Krieger schließlich sein Freund geworden sei.

Beim Besuch in dessen Dorf habe ihn der geistige Führer beim Abschied darum gebeten, einen Film über die Tradition und das Leben als Massai-Krieger zu drehen. "Und so wurde ich ausgewählt, ein Krieger zu werden", führte Eicher zum Film über. Mit einem glutroten Sonnenaufgang und tanzenden Massai-Kriegern begann die virtuelle Reise in das Paradies des Filmemachers. Begleitet von beeindruckenden Landschafts- und Tierbildern dokumentierte Benjamin Eicher seine Verwandlung vom gut situierten Europäer zum ganz in die Natur eingebundenen Menschen.

Durch den Fluss der Zeit in die Massai Mara

"Wir fahren durch den Fluss der Zeit – und betreten die Welt der Massai Mara", beschreibt er im Film den Übergang in den nördlichsten Ausläufer der Serengeti. Entgegen aller Erwartungen habe er im Laufe der Zeit lernen müssen, dass die Krieger am liebsten Spielen, gerne schweigen – und die Wildtiere schützen, anstatt sie zu jagen. Nur in äußerster Gefahr für das eigene Leben, das Dorf oder das eigene Vieh werde ein Wildtier getötet. In erster Linie gehe es aber um das Einhalten des überlebenswichtigen Abstands zu ihnen. Auf dem Speiseplan würden ausschließlich domestizierte Tiere wie Schafe, Ziegen oder Kühe stehen. Die Schlachtung einer Ziege wirkte auf der Leinwand martialisch. Auch die unverständliche Tradition der Zahn-Entfernung bei Kleinkindern und der späteren Beschneidung wurden thematisch kurz gestreift. Am Ende habe er den Massai-Namen "Shalamantira" bekommen und gelernt, mit der Natur und anderen Kulturen spielerisch umzugehen.

Am stärksten beeindruckt habe ihn der Umgang mit der Zeit, denn die Massai würden sich gedanklich weder mit der Vergangenheit noch mit der Zukunft beschäftigen. "Dieses Zeitgefühl wird mir vielleicht das ganze Leben lang bleiben. Jeder Moment ist ganz stark und wirkt nach", erzählte Eicher nach dem Film.

Auf Nachfrage erklärte er den Sinn der Ausbildung zum Massai-Krieger: "In drei Jahren lernt ein Massai den Umgang mit der Natur. In dieser Zeit probiert er sich aus und lernt, wann die Natur und die Tiere Zeichen für Gefahr geben. Anschließend wird er Hirte oder Behüter des Dorfes." Da die Zeit aber so wenig Bedeutung hätte, könnte die Ausbildung auch nur ein halbes Jahr oder vielleicht vier Jahre dauern. Auch das Alter der Krieger liege grob zwischen zehn und 16 Jahren. Der Dorfweise bestimme den Zeitpunkt des Aufbruchs. Einerseits sei es eine große Ehre, als Krieger ausgewählt zu werden, andererseits wäre es aber auch mit vielen Ängsten verbunden. Unvorbereitet müsse in der Natur überlebt werden. "Ich habe bei den Massai gelernt, dass es einen Weg gibt, mit der Natur zu leben."

"Der weiße Massai-Krieger" zeigt, wie Benjamin Eicher seine Ausbildung erlebt hat. Es lag kein Drehbuch zugrunde. Wer einmal Krieger ist, bleibt es bis zum Lebensende – auch der Filmemacher. "Es gibt auch Fragen, die im Film nicht gestellt werden", erklärte Eicher den Zuschauern. Beispielsweise die Beschneidung von Frauen oder die Macht des Dorfältesten, der über absolut alles entscheidet. "Ich wollte die Tradition der Massai-Krieger festhalten. Alles andere müssten eigene Filme werden." Dass er noch einmal in das afrikanische Dorf zurückkehren wird, steht für Benjamin Eicher fest – und dann wird er auch seinen Film im Gepäck haben und den Massai zeigen.

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