Gründer der Linux-User-Group Kinzigtal: Eugen Albiker (links) und Michael Glatz zusammen mit Tux, dem Maskottchen der Linux-Gemeinde. Fotos: Forth Foto: Schwarzwälder-Bote

Linux-Nutzergruppe klärt über kostenloses und sicheres Betriebssystem auf / Treffen finden einmal im Monat statt

Von Florian Forth

Haslach. Kryptische Befehle rattern über den Bildschirm, vor dem Eugen Albiker sitzt, Daten werden geladen und Dateien gescannt. Was für Laien wirken mag wie eine Szene aus einem Hacker-Film, ist bloß ein weiterer Vortragsabend der von ihm gegründeten Kinzigtäler Linux User Group.

Noch bevor die zehn Interessierten, darunter vier Frauen, an diesem Abend zum erst vierten monatlichen Treffen kommen, haben Gruppengründer Eugen Albiker und Michael Glatz bereits Computer und Beamer aufgebaut und verkabelt. Die beiden verwenden einen guten Teil ihrer Freizeit auf das Thema freie Software, Betriebssysteme und Datenschutz, legen aber Wert darauf, nicht als Computer-Freaks wahrgenommen zu werden: "Linux ist kein Thema nur für Nerds", sagt der Haslacher. Ihm gehe es auch um die Verschlüsselung von Daten und die Sicherheit im Internet. Spätestens seit Bekanntwerden des NSA-Abhörskandals sind diese Themen für fast jeden interessant.

Die KiLUG, wie sich die Gruppe verkürzt nennt, ist ein Zusammenschluss an Gleichgesinnten, die das Betriebssystem Linux bereits benutzen, oder sich für eine kostenlose und vor allem sichere Alternative zu Microsofts Windows und Apples iOS interessieren.

Die Gruppentreffen bestehen jeweils aus einem etwa halbstündigen Vortrag zu einem bestimmten Thema. Im Anschluss wird gefachsimpelt und diskutiert. An diesem Abend geht es um das Thema Computerviren – bei Windows-Rechnern, versteht sich – und wie man diese mit Linux entfernen kann.

Da Windows auf gut vier von fünf Rechnern in Deutschland läuft, ist es ein lukratives Ziel für Viren. Auf rund 65 Millionen Internetseiten finde sich laut einer Statistik von Antivirus-Herstellern Schadsoftware, jeder dritte Computer in Deutschland sei infiziert, bilanziert Albiker.

Schutz vor Viren ist sehr wichtig

"Es ist ein erschreckendes Thema", sagt er. Ziel der sich selbst verbreitenden Computerprogramme sei zumeist der Browser, das Programm, mit dem die Nutzer im Internet surfen. Mittlerweile seien aber auch vermehr Handys betroffen, die wegen fehlender Sicherheitsprogramme ein leichtes Ziel abgeben. Der Gruppengründer mahnt: "Online-Banking über das Handy? Keine gute Idee".

Doch woher kommen die Programme eigentlich, die im besten Fall nur etwas Rechenleistung fressen, im schlimmsten Fall aber den Computer zerstören können? Albikers Vortrag gibt Auskunft: Die organisierte Kriminalität setzt sie zum Datendiebstahl und zum Verschicken von Spam-Mails ein. Einige kommen aus den Geheimdiensten, von Computerexperten oder "brechen aus Forschungsprojekten aus", sagt Albiker. Das kleine Computerprogramm hängt sich an nicht-infizierte Dateien, die dann per Download auf den eigenen Rechner gelangen können. Ist dieser befallen, helfe meist nur die Neuinstallation des Betriebssystems, sagt er.

Hier kommt Linux ins Spiel. Albiker startet ein Linux-Betriebssystem von einem USB-Stick, um damit das befallene Windows-System von Viren zu befreien. Während der Vorführung stellen die Zuhörer immer wieder Rückfragen, die Eugen Albiker und Michael Glatz mal fundiert, mal anekdotisch beantworten.­ Am Schluss wird klar: Linux taugt zwar zur Virenbekämpfung unter Windows, noch viel sicherer surft man mit Linux selbst. "Wir versuchen hier auch wach zu rüttteln, was das Thema Datenschutz angeht", sagt Albiker nach dem Vortrag. Mit Linux sei man derzeit noch gut bedient: Im Juli nutzten laut statista.de nur knapp unter drei Prozent der Deutschen Linux als Betriebssystem. Für Gauner lohnt sich ein Angriff darauf also kaum, die Zahl der bekannten Viren liegt laut Albiker im zweistelligen Bereich.

Weitere Informationen: www.kilug.de

Der Geheimtipp unter den Betriebssystemen wurde Anfang der 90er-Jahre von dem finnischen Programmierer Linus Torvalds entwickelt. Häufig programmieren die Nutzer freiwillig die vielen verschiedenen Softwarepakete, die kostenlos mitgeliefert werden. Da Linux gänzlich anders aufgebaut ist als Windows, greifen viele Funktionsweisen von schädlichen Programmen, wie etwa Viren, nicht. Zudem liegt der Quellcode des Betriebssystems offen. Dies bedeutet, dass er von allen Nutzern gelesen, angepasst und verbessert werden kann. Sicherheitslücken fallen somit schneller auf und können zeitnah geschlossen werden.

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