Sehen keine wirtschaftliche Perspektive mehr für zwei der Standorte im Wolftal (von links): Jürgen Schmider und Roland Kröger in der historischen Stadt-Apotheke in Wolfach, die am Freitag, 11. Januar, zum letzten Mal geöffnet sein wird. Foto: Adler Foto: Schwarzwälder-Bote

Im Wolftal werden aus wirtschaftlichen Gründen Standorte geschlossen. Wege für Patienten werden weiter.

Wolfach/Wolftal - Aus vier mach zwei: Binnen zwei Wochen halbiert sich die Zahl der Apotheken zwischen Wolfach und Bad Rippoldsau um die Hälfte. Grund sind die fehlenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen Weiterbetrieb, so Jürgen Schmider und Roland Kröger in einem Gespräch mit unserer Zeitung.Den Anfang machte die Klösterle-Apotheke in Bad Rippoldsau: Hier fasste Roland Kröger den Entschluss, dass am Jahresende 2012 Schluss sein würde. Es folgt nun Jürgen Schmider, der erst Ende 2010 die Stadtapotheke von Gerhard Vetter übernommen hatte. Er sieht nach den jüngsten Reformen im Gesundheitswesen in Wolfach nur noch den Rahmen für einen Standort. Die Stadtapotheke, die 2011 ihr 275-jähriges Bestehen feierte, wird am Freitag, 11. Januar, das letzte Mal geöffnet sein.

Strukturelle Probleme führen zu dieser Entscheidung

Die Gründe, die die beiden Apotheker zu diesem Schritt bewogen haben sind struktureller Natur: Seit 2002 bekommen die Apotheken pro verkauftes Arzneimittel nur noch einen Festpreis pro Packung von 6,05 Euro, egal was die Arznei am Ende kostet. An diesem Pauschalpreis hat sich seit über zehn Jahren nichts mehr geändert, während viele andere Fixkosten wie Miete, Energie und Personal zum Teil deutlich gestiegen sind. Auch die nach dem Apothekenstreik im vergangenen Herbst ausgehandelte Anhebung auf 6,30 Euro kann die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben auf Dauer nicht auffangen.

"Das sind gerade einmal zwei Prozent nach der ganzen Zeit", rechnet Roland Kröger vor. Das bedeute gerade in einer ländlichen Struktur, dass die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken können. Auch die Möglichkeiten einer Quersubventionierung durch andere Bereiche ist durch weitere Kürzungen beispielsweise bei medizinischen Hilfsmitteln immer geringer geworden, erläutern die beiden Apotheker. Gerade die kleineren inhabergeführten Apotheken hätten auch keine Möglichkeit, sich bei größeren Ausschreibungen zu beteiligen.

"Die ersten Zweifel kamen bei mir Anfang 2011", berichtet Kröger, der die Klösterle- Apotheke 2004 übernommen hatte. Das Arzneimittel-Neustrukturierungsgesetz 2011 sowie eine neue Betriebsordnung mit höheren Standards und Auflagen sowie mehr Bürokratie brachten bei ihm schließlich das Faß zum Überlaufen. "Das ist keine plötzliche Ad-Hoc-Entscheidung", sagt Kröger.

"2004 sah alles noch gut aus", erläutert er und deutet an, dass sich in der Klösterle­Apotheke damals mit Klinikbetrieb noch soviel erwirtschaften ließ, dass in der Phase der Neugründung immerhin eine vierköpfige Familie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte und auch noch die Kosten aus den Investitionen refinanzieren konnte. Durch den Umstand, dass seine Frau Claudia die Linden-Apotheke in Oberwolfach seit 2009 betreibt, gab es für ihn auch die Möglichkeit, dort miteinzusteigen.

Eine ähnliche Geschichte kann auch Schloss-Apotheker Jürgen Schmider erzählen. Ende 2010 übernahm er die Stadt-Apotheke in Wolfach. "Mein Sohn Fabian kam zurück in die Stadt. Da haben wir uns überlegt, dass wir den zweiten Standort als Filialbetrieb führen und dadurch auch bestimmte Synergieeffekte haben", erläutert er. "Die zwei Reformen, die nach dieser Entscheidung gekommen sind, haben uns dann getroffen. Dadurch sind Dinge, die sich vorher noch gerechnet hätten oder mit einer schwarzen Null aufgegangen wären, jetzt einfach in den roten Bereich gerutscht."

Ein Drittel der Apotheken gilt als gefährdet

Im Lauf des Jahrs 2012 sei dann die Entscheidung näher gerückt, einen der beiden Standorte zu schließen. Beide Apotheker erwarten auch für die Zukunft nichts Gutes, da die Politik und die Krankenkassen nicht bereit seien, sich den strukturellen Problemen wirklich anzunehmen. "Die Politik sagt, dass es kein Apothekensterben gibt", sagt Roland Kröger. "Das liegt aber auch daran, dass eine Apotheke fast in keinem Fall in eine Insolvenz gehen kann, da wir als Kaufleute mit unserem Privatvermögen haften müssten", erläutert er, was automatisch eine private Insolvenz nach sich ziehen würde.

"Wir sind gesetzlich verpflichtet, alle Leistungen anzubieten und können auch keine Patienten ablehnen, wenn beispielsweise dieses Mittel für uns nicht kostendeckend abgerechnet werden kann", erläutern die beiden Apotheker. Auch eine Spezialisierung sei gerade fernab der großen Städte und Ballungsräume nicht zielführend. "Rund ein Drittel der Apotheken gilt nach den Berechnungen des Dachverbands als gefährdet", sagt Kröger, der eine strukturelle Verschlechterung auf Sicht gerade im ländlichen Raum befürchtet.

"Viele Kollegen hören nur deshalb nicht sofort auf, weil sie durch Verträge gebunden sind. Aber wenn es so weitergeht, wird es bald einen richtigen Apotheken-Friedhof geben", sagt er voraus. Die Konsequenzen sind absehbar: Weniger Apotheken bedeuten weitere Wege für die Patienten, mehr Notdienste für die verbleibenden Kollegen.

"Was, wir uns wünschen würden, wäre ein paar Jahre Planungssicherheit", sagt Jürgen Schmider. Aber eigentlich erwarten die beiden nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre nichts Positives. "Wir würden uns einen positiven Konkurrenzkampf zwischen den Apotheken wünschen", sagt Kröger, aber bei diesen Rahmenbedingungen sei das nicht zu erwarten. "Die Patienten werden dies bei den Leistungen noch zu spüren bekommen", sagt er.

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