Drei Schwestern haben Postkarten des Malers Wilhelm Hasemann an das Gutacher Hasemann-Liebich-Museum gespendet. Die Freude bei Bürgermeister Siegfried Eckert und Jean-Philippe Naudet ist groß. Bald dürfen sich auch Besucher ein Bild machen.
Die Zeichnungen sind in Gutach nicht unbekannt. Wie Jean-Philippe Naudet vom Kunstverein Hasemann-Liebich erklärt, wurden sie bereits 2006 im Rahmen einer Ausstellung präsentiert, die damals noch Ansgar Barth organisiert hatte. Nun hätten sich die drei Schwestern Jessica Lehmann, Antonia Bognar und Hannah Atcheson, in deren Besitz sich die Werke befanden, entschieden, sie dem Museum zu schenken. Die Zeichnungen, die Hasemann seinerzeit als Postkarten verschickt hatte, hatten sie von ihrem Vater Klaus Lehmann geerbt.
Das Hasemann-Liebich-Museum sei beständig auf der Suche nach Werken der beiden Maler. Entsprechend groß sei die Freude über die neuen – kostenlosen – Exponate. Sie hätten immerhin einen niedrigen, vierstelligen Wert. Den drei Schwestern, deren Spende Werke weiterer Künstler umfasst, gelte ein großes Dankeschön.
Die Postkarten gehören zu Gutach
Gutachs Bürgermeister Eckert war hocherfreut ob dieser „noblen Geste“ und darüber, dass die Zeichnungen an ihren Ursprungsort zurückgekehrt sind. „Die Postkarten gehören zu Gutach. Sie ergänzen die Sammlung des Hasemann-Liebich-Museums auf sehr sinnvolle Weise. Es handelt sich wirklich um ganz seltene und hübsche Motive“, fügte Naudet hinzu. „Die Werke befinden sich in einem sehr guten, einwandfreien Zustand.“ Die Postkarten seien handgezeichnete Unikate aus dem Jahr 1882. Sie seien in Ehren gehalten worden und bis auf eine alle gerahmt gewesen.
Die drei Schwestern, die die Zeichnungen spendeten, seien Naudet nicht weiter bekannt, aber deren Interesse an den Werken von Hasemann rühre nicht von ungefähr, heißt es in einer Mitteilung des Bürgermeisteramt Gutach. Karl Lehmann, der Großvater, der drei Geschwister war gebürtiger Gutacher und Lehrer von Beruf. Er wuchs in einem Haus neben Hasemanns Atelier auf. Kontakt zu dem Maler erhielt er in seiner Kindheit, indem er dessen Staffelei und Malutensilien getragen habe. „Einmal soll er das Schild des Malers sogar bis hinauf auf die Hasemann Hütte auf dem Farrenkopf transportiert haben“, heißt es aus dem Rathaus.
Aber nicht nur der Großvater, auch der Vater war an Hasemanns Zeichnungen sehr interessiert. Klaus Lehmann war zwar in Lörrach geboren und in Gutach groß geworden, sein Vater war dorthin als Dorflehrer versetzt worden. Die Postkarten habe er in den 1990er-Jahren bei einer Auktion erworben.
Adressiert an Baron von Fichart
Die gespendeten Postkarten zeigen ganz unterschiedliche Motive: eine Frau am Klavier, ein Schuhputzer bei der Arbeit, ein Teich oder kleines Bächlein, zwei Koffer, ein Bauernhof, eine Wehranlage an einem Fluss und eine Frau mit Mühlbacher Tracht. Laut Naudet gehören die sieben Postkarten zu einer Reihe, von der insgesamt 41 Werke bekannt sind. Wie viele es tatsächlich sind, sei unklar, so Naudet. Die sieben Karten sollen in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden, einen Termin gebe es noch nicht.
Das Spannende: Die Postkarten wurden einst tatsächlich verschickt. Die meisten seien adressiert an einen Herrn Baron Maximilian von Fichart beziehungsweise dessen Sohn Robert. „Die Adresszeilen sind nicht mehr genau zu erkennen“, erklärt Naudet. Hasemann sei aber mit beiden, Vater und Sohn, befreundet gewesen.
„Auf den Postkarten finden sich ganz normale Botschaften“, erklärte Philippe Naudet. Zum Beispiel, dass Hasemann große Freude über ein gemaltes Bild empfand, dass ihm etwas leid getan habe oder dass er zum Schreiner oder zum Fotografen habe gehen müssen. Auch eine Aufzählung der Dinge, die er am Telefon besprochen oder dem Baron per Post geschickt habe, befinde sich darunter.
Hasemann-Liebich
Das Hasemann-Liebich-Museum in Gutach geht auf die Künstler Wilhelm Hasemann und Curt Liebich zurück. Eröffnet wurde es im Jahr 2005. Im April 1880 kam Wilhelm Hasemann zum ersten Mal nach Gutach in den Schwarzwald. Von der dortigen Landschaft und der Bevölkerung beeindruckt, ließ sich der Sachse dort nieder. Er lud Malerkollegen aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich ein ihn in Gutach zu besuchen. Wilhelm Liebich kam auf Einladung Hasemanns 1891 zum ersten Mal in die Gemeinde. Die beiden Künstler begründeten die Gutacher Malerkolonie. 1896 heiratete Liebich zudem Hasemanns Schwägerin Antonie Lichtenberg.