Mit Hartwig Guhl ist einer der ältesten Horber verstorben: Er wurde 102 Jahre alt.
Hartwig Guhl war ein Mann, der auf ein ereignisreiches Leben zurückblicken konnte. Er wurde in Rottweil geboren, doch kam er schon früh in den Kindertagen mit seinen Eltern – sein Vater war Steuerberater – über Oberndorf nach Horb.
Dort wurde die Familie Guhl sesshaft, und der junge Hartwig erlebte eine gute Kindheit. In Horb besuchte er die Grundschule und später die Oberschule, die damals in Horb nur das sogenannte „Einjährige“, heute vergleichbar mit der mittleren Reife, anbot. Wer Abitur machen wollte, musste in die Kepler-Oberschule nach Tübingen.
Seine Leidenschaft galt schon damals dem Sport, insbesondere der Leichtathletik. „Ich bin schon als 16-Jähriger über sechs Meter weit gesprungen und die 100 Meter in unter elf Sekunden gelaufen“, erinnerte er sich bei unserem Besuch vor rund zwei Jahren gerne an diese Zeit zurück.
1941 im Krieg
Doch dann kam der 2. Weltkrieg. Bereits 1941 wurde er eingezogen und nach dem Grundwehrdienst 1942 nach Russland geschickt. Dort wurde er, glücklicherweise, wie er sagte, recht schnell verwundet und über viele Umwege in ein Lazarett bei Schwäbisch Hall verlegt.
Kaum genesen, ging es für ihn wieder an die Front, und wie es das Schicksal wollte, wurde er sofort wieder verwundet. An seinem 22. Geburtstag, dem 8. Mai 1945, geriet er in britische Gefangenschaft, wurde jedoch bereits im September in die Heimat entlassen. Als er sich damals beim Arbeitsamt meldete, sagte die Dame vom Amt, die Mutter eines seiner Schulkameraden, „Du kommscht mir grad recht“, und stellte ihn für 120 Reichsmark als Gehilfen ein.
1946 Studium nachgeholt
Das waren seine ersten Schritte ins Berufsleben. Er holte ab 1946 an der Uni Tübingen sein Studium nach, das dann 1949 an der Wirtschaftshochschule Mannheim mit der Prüfung zum Diplomkaufmann und mit späterer Promotion seinen Abschluss fand.
Nach einer kurzen Zeit im Steuerberatungsbüro seines Vaters fing er bei der Firma Jakob Trefz und Söhne an, und aus den ursprünglich geplanten ein bis zwei Jahren wurden 38. Als Mitglied der Geschäftsleitung der Firma Stinnes-Trefz AG schied er dann aus diesem Unternehmen aus. Es folgten noch zehn Jahre als freiberuflicher Unternehmensberater. „Recht, Immobilien und Versicherungen, das waren immer mein Metier“, so die berufliche Bilanz seines Lebens.
Fan der Stuttgarter Kickers
Weil die Augen nicht mehr so mitmachten, wie er es sich wünschte, verfolgte er alle Talkshows im Fernsehen, bildete sich daraus seine eigene politische Meinung. Auch war er als ehemaliger Leistungssportler und aktueller Stuttgarter-Kickers-Fan auch im hohen Alter noch sehr am Sportgeschehen interessiert.
Das absolute Super-Geburtstagsgeschenk machte ihm der Kickers-Vorstand, der ihn zum Geburtstag in Horb besuchte und ihn zusammen mit seinem Sohn Alexander, dem Bürgermeister von Bad Säckingen, zu einem Spiel der Blauen ins Degerlocher Stadion einlud.
Am VdK-Stammtisch
Die beiden Vorstände mussten damals auch die 95 Stufen der Weingasse 39 hochkraxeln, die ihr Edelfan früher täglich, später nur ab und zu, meisterte. „Man muss sich im Städtle sehen lassen, zum VdK-Stammtisch gehen (dort war er Ehrenmitglied), mit den Leuten schwätzen und ab und zu auch auf der Bank vorbei“, erklärt er damals lächelnd und freute sich, dass seine Lebensgefährtin Dagmar Dolderer ihm auf zwei Absätzen der Treppe jeweils einen Stuhl zum Ausruhen hingestellt hat.
Gegen Ende seines Lebens wurden ihm dann diese Treppen doch zu viel, und nach einem Schicksalsschlag tauschte er sein Domizil mit dem fantastischen Blick über Horb gegen ein Zimmer im Pflegeheim Bischof Sproll auf dem Hohenberg ein. Dort ist er am Samstag, den 31. Januar, 2026 im Alter von 102 Jahren gestorben.