Die Protestaktionen der Bosch-Beschäftigten im März – hier an der Konzernzentrale in Gerlingen – haben Wirkung gezeigt: Der Konzern investiert in deutsche Standorte. Foto: Simon Granville

Flaue Gewinne, teure Technologien, wegfallende Jobs: Der Stuttgarter Autozulieferer steht vor einer Reihe harter Aufgaben. Wir beschreiben, vor welchen Herausforderungen das Unternehmen steht.

Der Übergang zu Elektroantrieben war lange Jahre Zukunftsmusik – nun, da es konkret wird, zeigt sich, welche immense Herausforderung der Übergang hin zu klimafreundlichen Technologien bedeutet – auch für Bosch.

 

Klimaschutz

Bosch hat gewaltige Summen in die Elektromobilität investiert und – wie andere Unternehmen auch – darauf vertraut, dass sie an den Märkten zügig vorankommen würde. Doch dem ist nicht so. Nach einem starken Start flaut das Interesse jetzt deutlich ab – die starken Wachstumsraten sind außerhalb von China fürs Erste Vergangenheit. Denn die Käuferschichten, die sich ein E-Auto leisten können und wollen und die es idealerweise an der eigenen Wallbox mit selbst produziertem Photovoltaikstrom laden können, sind versorgt. Jetzt beginnen die Mühen der Ebene, es müssen diejenigen überzeugt werden, bei denen auch das Geld eine Rolle spielt und die sich die hohen Anschaffungskosten ebenso wenig leisten können oder wollen wie den teuren Ladestrom an den öffentlichen Säulen.

„Die Märkte entwickeln sich verzögert“, sagt Bosch-Chef Stefan Hartung – das sei bei der Elektromobilität so, beim Wasserstoff und bei der Wärmepumpe nicht anders. Auch der Staat spart. „Der Klimaschutz kostet viel, das wird klarer denn je.“ Doch der Klimawandel höre nicht auf, er beschleunige sich. Diese langfristige Priorität nicht aus dem Auge zu verlieren und zugleich Freiheit und Wohlstand zu erhalten sei die große Herausforderung für offene Gesellschaften.

Geschäftliche Entwicklung

Bosch hat seine Marktanteile am E-Auto gesteigert, und auch die Rendite der Kfz-Sparte stieg auf 4,4 Prozent – nicht zuletzt deshalb, weil sich die weltweite Fahrzeugproduktion um mehr als zehn Prozent auf 93 Millionen Einheiten und damit deutlich stärker als erwartet erhöhte.

Das ist allerdings stark auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Die Auflösung der Halbleiterengpässe brachte einen Schub. Die Schwäche der E-Mobilität betrifft auch Bosch – allerdings hat das Unternehmen den großen Vorteil, schon lange eine starke Marktposition in China zu besitzen, der einzigen Weltregion, in der diese Technologie tatsächlich auf dem Vormarsch ist.

Es geht nicht nur ums E-Auto

Das operative Betriebsergebnis des gesamten Unternehmens stieg gegenüber dem vergangenen Jahr um einen Prozentpunkt auf 5,3 Prozent. Ein „Endspurt“, wie es Finanzchef Markus Forschner nennt, führte dazu, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr doch noch besser abgeschnitten hat als erwartet. Das ist angesichts der schwierigen Lage ein Erfolg, reicht aber bei Weitem nicht aus, um den Wachstumspfad, den Bosch sich für seine langfristige Entwicklung vorgenommen hat, zu finanzieren. Dass man das Ziel von sieben Prozent verfehlte, hängt nach Hartungs Aussage auch damit zusammen, dass die Rahmenbedingungen komplett anders aussehen, als man dies erwartet hatte. Insbesondere die starke Erhöhung der Leitzinsen, die zu einem Einbruch der Baukonjunktur führte, hatte Bosch wie die meisten anderen Unternehmen nicht auf dem Radar. Ein Haus, das nicht gebaut wird, braucht auch keine neue Wasch- oder Geschirrspülmaschine, wie sie von der Hausgerätetochter BSH angeboten wird, die im großen Stil Stellen abbaut. Auch die Sparte Power Tools mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen leidet massiv unter dem schlechten Konsumklima und will am Firmensitz mehr als 500 Arbeitsplätze streichen.

Während Hartung beim Konsumklima zumindest eine Bodenbildung sieht, spricht er bei der Autobranche vom Beginn einer Stagnation. Im Industriegeschäft sieht er einen Einbruch, ebenso beim Geschäft mit der Gebäudetechnik – etwa Wärmepumpen. Auch im nächsten Jahr hält Hartung das Renditeziel von sieben Prozent für nicht erreichbar. Aber dann müsse auch Schluss sein: „Wir müssen die sieben Prozent bis 2026 sicher holen.“ Für die langfristige Entwicklung sei es „äußerst wichtig, dass wir das aus eigener Kraft schaffen. Sonst müssen wir den Wachstumspfad abbrechen.“ Zur Transformation gehört für ihn ein ordentliches Wachstum, denn die neuen Technologien seien sehr viel materialintensiver, also mit weniger Wertschöpfung verbunden. Um auch nur annähernd an die bisherige Wertschöpfung anknüpfen zu können, sei ein entsprechendes Wachstum dringend nötig.

Stellenabbau

25 000 Bosch-Beschäftigte demonstrierten am 20. März vor der Konzernzentrale in Gerlingen und an anderen Standorten gegen den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen. Allein in der Kfz-Sparte sollen 3200 Jobs verschwinden, was der Betriebsrat aber nicht akzeptieren will. Nun gab es ein erstes Ergebnis. 700 Millionen Euro sollen in die Weiterbildung investiert werden – das soll es ermöglichen, Mitarbeiter für neue Aufgaben zu qualifizieren, die allerdings auch außerhalb des Unternehmens liegen können. Überdies sollen vier Milliarden Euro an den deutschen Standorten der betroffenen Sparten investiert werden. Darin sieht Bosch zugleich ein Bekenntnis zu diesen Standorten und will dem Eindruck entgegenwirken, der Stellenabbau sei der Anfang vom Ende.