Die 14-köpfige Gruppe war auch noch in einer Hütte beisammen. (Symbolfoto) Foto: Trevor205/pixabay

14-köpfige Gruppe sorgt im Kreis Tuttlingen für Entsetzen. Infizierte sollen Quarantäne gebrochen haben.

Ein Wanderausflug einer 14-köpfigen Gruppe samt geselligem Beisammensein in einer Hütte hat in Baden-Württemberg einen sprunghaften Anstieg von Corona-Infektionen ausgelöst - und für Entsetzen bei Politikern gesorgt. Der Bürgermeister der Stadt Mühlheim an der Donau, Jörg Kaltenbach (CDU), sagte laut "Bild"-Zeitung: "Die Wanderer stammen aus zehn Haushalten. Niemand aus der Gruppe hat sich an die Corona-Regeln gehalten, wie wir jetzt erfahren haben. Dabei haben sich Beteiligte gegenseitig angesteckt und später andere infiziert. Das muss hart bestraft werden!" Mehrere Medien berichteten über den Vorfall.

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Kreis Tuttlingen - Positiv getestete Teilnehmer sollen ihre Quarantäne gebrochen und dann auf der Arbeit weitere Menschen angesteckt haben. In Mühlheim lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Ende vergangener Woche bei fast 1000, seither sank der Wert auf rund 500. Im Landkreis Tuttlingen - dort befindet sich Mühlheim an der Donau - lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche am Mittwoch bei 100,9.

"Verhalten grenzt an Selbstherrlichkeit"

Die Gruppe war am 16. Januar durch das verschneite Donautal gewandert. Stefan Bär, Landrat des Landkreises Tuttlingen, sagte in einer am Freitag veröffentlichten Video-Botschaft auf Facebook: "Aus dieser Wanderung sind - Stand heute - bereits 25 positive Fälle hervorgegangen." Es sei einer der massivsten Verstöße gegen die Corona-Verordnung bisher. Das Verhalten sei rücksichtslos gewesen "und grenzt an Selbstherrlichkeit".

"Wir wissen auch, dass Personen aus dieser Gruppe, die positiv getestet waren und in Quarantäne, in ihre Betriebe gegangen sind und dort weitere Personen angesteckt haben", so der Landrat. Die Polizei ermittle, die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet. "Es geht nicht mehr nur um Bußgeld, sondern um Straftatbestände, die zu prüfen sind", sagte Bär.

Straftatbestände werden geprüft

In einer am Montag im Internet veröffentlichten Erklärung des Mühlheimer Gemeinde- und Ortschaftsrats zu dem Corona-Regelverstoß heißt es, es seien offenkundig auch bewusst falsche und unvollständige Angaben bei der Kontaktnachverfolgung gemacht worden. Die Wanderung sei ein "massiver und vollkommen inakzeptabler Verstoß gegen die Coronaverordnung". Der Vorfall habe dem Ansehen der Stadt und des Landkreises stark geschadet.

Bürgermeister Kaltenbach sagte dem SWR mit Blick auf die Konsequenzen für die Corona-Regelbrecher: Es gebe eine klare Erwartungshaltung, "dass man sich hier im allerobersten Rahmen bewegt, dass es weh tun muss und eine abschreckende Wirkung hat".

Update: Voraussichtlich keine strafrechtlichen Konsequenzen

Die Gruppenwanderung wird für die 14 Teilnehmer voraussichtlich keine strafrechtlichen Konsequenzen haben. Man gehe davon aus, dass die Wanderer keine Straftaten begangen hätten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil, Frank Grundke, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Vermutlich handele es sich um Ordnungswidrigkeiten. Die Staatsanwaltschaft sei in dem Fall bislang gar nicht eingeschaltet - entgegen anderslautenden Berichten.

"Stand jetzt gibt es keine Hinweise auf eine Straftat", sagte ein Sprecher der Polizei Konstanz. Man gehe bislang lediglich von Verstößen gegen die Corona-Verordnung und das Infektionsschutzgesetz aus. Jetzt gelte es zu klären, ob die Person oder die Personen, die bei der Wanderung bereits mit dem Coronavirus infiziert gewesen seien, von ihrer Infektion gewusst hätten. Das wäre Voraussetzung für ein Körperverletzungsdelikt. Allerdings gehe die Polizei derzeit nicht davon aus. Die Ermittlungen zu dem Fall könnten sich hinziehen, sagte der Sprecher. Es müssten 14 Personen und weitere Zeugen befragt werden.

Andere Verstöße in Baden-Württemberg

Auch andere Verstöße gegen die Corona-Regeln im Land sorgten zuletzt für Kopfschütteln. So löste die Polizei am Mittwoch eine Kindergeburtstagsparty mit knapp zehn Erwachsenen und mehreren Kindern in Mittelbiberach (Kreis Biberach) auf. Die Erwachsenen, die nicht zum Hausstand gehörten, wurden aufgefordert, das Fest zu verlassen, wie die Polizei mitteilte. Nur unter Protesten seien die Gäste gegangen.

In Aalen (Ostalbkreis) wiederum trafen sich laut Polizei neun Jugendliche in einer Wohnung, um Shisha zu rauchen. Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren hätten noch versucht, sich auf der Toilette oder in Kleiderschränken zu verstecken - ohne Erfolg. Im Anschluss seien sie aber freundlich und kooperativ gewesen. Erst am Wochenende hatten Beamte eine private Party in Münsingen (Kreis Reutlingen) mit 22 jungen Gästen aufgelöst.

Und auch in Freudenstadt kam es zu einem Vorfall: Dort verstieß eine Gemeinde während eines Gottesdienstes gegen die Corona-Auflagen. Mehr dazu hier.