Mit dem Buch „Hohner, Seydel, Köstler, Koch und die vielen and’ren noch“ setzte Martin Häffner einen letzten Höhepunkt seiner Laufbahn im Trossinger Harmonikamuseum.
Wenn man mehr als zwölf Jahre an der Konzeption eines Harmonikahersteller-Lexikons arbeitet, dann kann dieses nur sehr gut werden. Den Beweis dafür liefert das Buch „Hohner, Seydel, Köstler, Koch und die vielen and’ren noch“, das im Deutschen Harmonikamuseum, das auch Herausgeber ist, in Trossingen vorgestellt wurde.
Umrahmt wurde die Vorstellung musikalisch von Gérard Deleye passend mit drei perfekt abgestimmten Musikstücken am Akkordeon. Häffner und Co-Autoren aus Nah und Fern hätten mit vielen tollen Beiträgen ein gelungenes Werk geschaffen, das zeige, wie bedeutend die Harmonikaindustrie im deutschsprachigen Raum war und bis heute sei, sagte Susanne Irion als Bürgermeisterin und zugleich Vorsitzende des Trägervereins.
Sie bezeichnete das Buch als „letzten Höhepunkt in der beruflichen Laufbahn von Martin Häffner im Deutschen Harmonikamuseum“, dessen Leitung er 2024 nach mehr als drei Jahrzehnten an Salvatore Martinelli abgegeben hat, dem Museum aber weiterhin als Ehrenamtlicher erhalten blieb.
Co-Autor Thorald Meisel, der eigens aus Klingenthal angereist war, blickte zurück ins Jahr 2018. „Damals schien es, als würde sich die über 180-jährige Harmonikaindustrie in Klingenthal erholen, doch seit einigen Monaten ist eine Rückkehr eher unwahrscheinlich.“
Rückblick auf eine große gemeinsame Tradition
Das Buch sei ein Rückblick auf eine große gemeinsame Tradition, die einige Unterschiede aufweise. Von einst über 200 vielen verstreuten Betrieben gebe es keine Unternehmen mehr im Vogtswinkel. „Es fehlte nicht an Innovation, was fehlte war die Bereitschaft für eine ernsthafte Zusammenarbeit in der Branche“, so seine Meinung. „Alles ist gut durch das Buch nachvollziehbar“.
Der Buchtitel sei in Anlehnung eines Zitates aus dem Jahr 1898 bei der Einweihung der Trossinger Eisenbahn (Hohner, Messner, Weiss und Koch und die vielen and’ren noch) entstanden, erläuterte Häffner, „er soll ein Denkmal sein für Harmonikahersteller im deutschsprachigen Raum“.
Erste Auflage schnell vergriffen gewesen
Das Buch ist nicht komplett neu, Anfang der 2000er-Jahre erschien es in kleinerem Umfang. Diese erste Auflage sei schnell vergriffen gewesen. Die Einleitung habe man übernommen. Auch die Beiträge der ersten Auflage des Trossinger Co-Autors Lars Lindenmüller, der heute in Dresden lebt, wurden übernommen. „Die Abbildungen sind fast alle aus der Sammlung des Deutschen Harmonikamuseums“ betonte Häffner. Wichtig sei ihm gewesen, alle Hersteller aufzunehmen. „Wir haben viel geforscht, so in Thüringen und auch in Wien, so dass es das einzige aktuelle Nachschlagwerk für diese Branche geworden ist“.
Gespickt mit Anekdoten
Häffner lud ein auf einen „kleinen Ritt durch das Buch“. Höhepunkt war die von seiner Frau Fatima Majsoub vorgelesene Autobiographie des Firmengründers Matthias Hohner, dem als Uhrenhändler 1854 niemand etwas abkaufen wollte. Nach weiteren schlechten Erfahrungen (… ich lernte das Trinken auch wieder etwas besser und nahm es mit der Wahrheit nicht sehr genau…) war er zum Umsatteln entschlossen. Auch in Trossingen gab es viele kleine Mundharmonikafertigungen. Eine davon betrieb Johannes Irion Mitte des 19. Jahrhunderts. Er starb bereits im Alter von 30 Jahren. Die Tatsache, dass der Apotheker ein naher Verwandter des jungen Fabrikanten Hohner war, führten zu wilden Gerüchten über die Todesursache, ob der junge Irion wohl eher an der Medizin, als an der vom Arzt bescheinigten Herzklappenentzündung gestorben sei.
Die 1847 in Klingenthal gegründete Firma Seydel sei 2004 insolvent gewesen, erzählte Häffner „doch Investoren haben die Firma wieder flott gemacht“. Zu diesen zählte Hartmut „Hardy“ Hennige, der Anfang der 1970er Jahre zu den Jungunternehmern um Willy Haller, die sich von der Kontrolluhrenfabrik Hengstler in Aldingen abspalteten, zählte. Mit der Neugründung der Firma Interflex in Durchhausen produzierten sie ab 1974 Systeme zur modernen Zeiterfassung und waren so erfolgreich, „dass sie es im Trossinger Hotel Bären ordentlich krachen ließen zum Ärger der traditionsbewussten, großteils hochbetagten Hohner-Direktoren“. Schließlich betrachteten diese den Bären seit vielen Jahrzehnten als Etablissement der Weltfirma Hohner. „Dass erfolgreiche Jungunternehmer dort feierten, war für sie so etwas wie Majestätsbeleidigung“.
Das Buch
Autoren
Das Buch hat 348 Seiten mit 600 Abbildungen und 92 Beiträgen, davon 65 von Martin Häffner sowie einen umfangreichen Anhang mit 22-seitiger Tabelle über mehr als 400 Hersteller und Händler. Co-Autoren sind Xenia Brunner und Lars Lindenmüller mit Beiträgen aus der ersten Auflage, Wolfram Märzendorfer, Thorald Meisel und Anne Schaich. Das Buch entstand mit Unterstützung der Hohner Musikinstrumente. Es kostet 30 Euro.