Das Frühlingskonzert der Harmonie Dinglingen im Lahrer Parktheater war gut besucht. Foto: Baublies

Das Frühjahrskonzert der Harmonie Dinglingen hat mit ungewöhnlichen Arrangements überrascht. Daher mussten am Samstagabend im Lahrer Parktheater drei Zugaben gespielt werden.

Es war das erste Konzert des Musikvereins unter der Leitung von Yvonne Heizmann, die den Taktstock vor etwa zwei Jahren übernommen hatte, das ein übergreifendes Thema gehabt hat. Was Natur musikalisch für Bandbreiten haben kann, bewies die Auswahl. Alleine mit den Stücken „Into the Racing River“, „Mazama“ und „Rose des Sables“ hat das Ensemble Maßstäbe gesetzt.

 

Das Rafting in einem reißenden Fluss (die freie Übersetzung des erstgenannten Stücks) hatte den passenden Untertitel „musikalische Darstellung einer Wildwasserfahrt“. Daher dürfte es nicht übertrieben gewesen sein, dass die Dirigentin und die Percussionisten Schwimmwesten getragen haben. Dass das Ensemble die Herausforderungen eines 7/8-Taktes gemeistert hat, haben die Zuschauer erst durch die gewohnt souveräne Moderation von Tanja Kassel und Manuel Erfurt erfahren.

Musikalischer Sandsturm in „avantissimo“

„Mazama“ heißt das „Tongedicht einer indianischen Legende“ (Untertitel). Es ist „ein Versuch, eine untergegangene Kultur mit moderner Literatur“ (ein Sammelbegriff für Partituren) und Gesang wieder zu erwecken. Zweifellos ist das gelungen. Gerade die lautmalerischen Stimmen und Farben der verschiedenen Register, Pfeifen, Trillern und teilweise menschliche Stimmen waren der erste komplette Ausreißer des Abends. Der Verfasser dieser Zeilen hat viele außergewöhnliche Arrangements für Blasmusik erlebt. Ein indianischer Gesang, umgesetzt in Musik, war bis zu diesem Abend nicht dabei. Julia Eble (Querflöte) spielte dazu eine „Okarine“, eine Art Flöte, die ursprünglich aus einem Gemshorn bestand.

Unter der Leitung von Yvonne Heizmann überzeugte das Orchester mit  Arrangements zum Thema Natur. Foto: Baublies

Der „Rose des Sables“ hat alle Erwartungen übertroffen, die Zuschauer und Zuhörer von einem „musikalischen Sandsturm“ gehabt haben dürften. Zum einen ist die musikalische Vorgabe „avantissimo“ das erste Mal eingeführt worden. Anders erklärt würde sich „schnellstmöglich“ (die Bedeutung von avantissimo) so lesen lassen: Laut der Anweisung der Partitur sollte das Ensemble „so schnell und laut, wie möglich“ aufspielen. Nach dem Beifall der Zuschauer heißt das in diesem Fall eindeutig: „Erwartungen übertroffen.“

Angesichts der gelungenen Experimente, die das Ensemble im ersten Teil des Konzertes vorgelegt hat, war die Filmmusik von „Jurassic Park“ einfach nur so bombastisch, wie der Auftritt der Dinosaurier in den Spielberg-Filmen .

„When Nature Strikes Back“ ist als „musikalisches Bild einer Naturkatastrophe“ gedacht. Im Gegensatz zum ersten Teil, war dieser musikalische Versuch nahezu konventionell. Die übergeordnete Einheit einer jeden Zivilisation ist musikalisch in Harmonien dargestellt worden. Es waren das Zusammenspiel der Register, laute und leise Vorgaben, und die Farben samt den dynamischen Fähigkeiten eines etwa 50-köpfigen Ensembles, die dem Titel hier recht gegeben haben.

Vier Solisten – Volker Surbeck (Posaune), Simon Seiler (Trompete), Tobias Siefert (Tuba) und Marius Weidenbach (Saxofon) – haben bei einem Medley zu Hits von „Earth, Wind & Fire“ brilliert. Da passte dann auch die erste Zugabe „Waka waka“ von Shakira. Die dritte Zugabe – passend zm insgesamt ungewöhnlichen Arrangement von Harmonie live – war erneut der Sandsturm. Die unter den Gästen, die versucht haben, die menschlichen Stimmen des Ensembles nachzuahmen, werden ahnen, was es heißt, dieses Konzert so auf die Beine zu stellen.

Nächster Auftritt

Der nächste Auftritt der Harmonie Dinglingen ist auf dem Schutterlindenberg am traditionellen Maihock, am 1. Mai.