Kirgistan ist ein Land, von dem nur wenig bekannt ist. Und doch: Für Vitali Lehmann, der lange in Hardt lebte und nun in Sulgen wohnt, war das in den ersten Lebensjahren seine Heimat. Er hat die Menschen dort nicht vergessen und setzt sich nun für sie ein.
Hardt/Schramberg-Sulgen - Unterstützt wird er dabei von seiner Familie und seinem Cousin Alexander Lehmann. Deren Vorfahren wanderten einst von Deutschland – vermutlich aus Schwaben – in die frühere Sowjetunion aus. "Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg muss das gewesen sein", sagt Vitali Lehmann. Die Vorfahren lebten im Wolga-Gebiet und in der Südukraine bei Odessa am Schwarzen Meer. Später ging es weiter nach Kirgistan.
In Schramberg und Schiltach Landesliga gespielt
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion packte die Familie die Chance beim Schopf und kehrte nach Deutschland zurück. Nach einem Aufenthalt im Grenzdurchgangslager in Friedland ging es nach Hardt, wo die Familie schnell Fuß fasste.
Die Cousins spielten Fußball beim FC Hardt. Vitali Lehmann ging sogar noch einen Schritt weiter und war bei 08 Schramberg und bei der Spielvereinigung Schiltach in der Landesliga im Einsatz.
Im August 2019 war er dann erstmals wieder mit seinem Vater in Kirgistan. "Ich war regelrecht schockiert, wie viel Armut es dort inzwischen gibt", erinnert sich Vitali Lehmann. In einem Vorort der Hauptstadt Bischkek – wo die Cousins einst geboren wurden – gibt es viele Familien, die Hilfe benötigen. Arbeitsplätze rar gesät und es gibt keine staatliche Unterstützung. Dafür grassiert die Korruption. Außerdem: Viele Russlanddeutsche verließen die Gegend – und somit auch viele dringend benötigte Fachkräfte.
Bislang über 30 Familien unterstützt
"Viele Menschen haben wenig zu essen, sie leben oft von den Erzeugnissen des eigenen Gartens. Hier muss etwas getan werden", dachte sich Vitali Lehmann – und schon reifte sein Projekt heran. Im vergangenen Jahr war es dann soweit: Ein Team – bestehend aus Vitali Lehmann, seinem Vater sowie dem kirgisischen Gastvater und der Gastmutter – war gefunden, um Hilfe zu leisten: "Wir haben in Deutschland Geld gesammelt und davon dann vor Ort zum Beispiel einen Kühlschrank oder ein Bett gekauft", sagt Vitali Lehmann. Da in Kirgistan alles viel billiger sei, seien die Hilfsgüter dort gekauft worden. Über 30 Familien seien bislang unterstützt worden, freut sich Vitali Lehmann, der selbst 2000 Euro gespendet hat. Mit der weiteren Summe von 3000 Euro komme man in Kirgistan weit. 1000 Euro spendete auch die evangelische Brüdergemeinde Dietingen, wo er aktives Mitglied ist und sich um die Technik in der Kirche kümmert. "Ohne Gottes Hilfe geht nichts. Er gab mir die Kraft, um die richtigen Schritte einzuleiten", sagt der gläubige Christ.
Cousin soll mit ins Boot geholt werden
Das Hilfsprojekt soll weiter wachsen. "Wir wollen künftig jedes Jahr im Sommer hingehen", so Vitali Lehmann. Zudem möchte er mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, die bereits mehr Erfahrung haben. So gibt es beispielsweise Lastwagen einer Hilfsorganisation aus Loßburg, die Kleidung und Essen nach Kasachstan fahren. Diese könnten möglicherweise weiter bis nach Kirgistan fahren. Vitali Lehmann kennt Bedürftige vor Ort oder Leute von der dortigen Kirchengemeinde – sodass Spenden zu 100 Prozent bei Bedürftigen ankommen.
Mit ins Boot holen möchte er seinen Cousin Alexander Lehmann. "Mein Herz schlägt halt sehr für Lateinamerika", meint dieser. Er war bereits in Costa Rica, um christliche Missionsprojekte zu unterstützen. Möglicherweise kann er die beiden Projekte verknüpfen: "Mit den Latinos nach Kirgistan, das wärs", hofft er.
Info
Spender können sich per E-Mail an vitalislehmann@t-online.de wenden oder Vitali Lehmann bei Facebook kontaktieren