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Hardt Ruhe! Jetzt sprechen die Ganters

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Jürgen (links) und Oliver Ganter sind in Sachen Fasnet nicht immer einer Meinung, ist doch der Vater Zunftmeister der Katzenzunft und der Sohnemann Vorsitzender der Steinreute-Teufel. Eins ist aber sicher: Jürgen Ganter ist dem Sohnemann um eine Vielzahl von Orden voraus. Fotos: Dold Foto: Schwarzwälder Bote

Hardt. Wo gibt es denn so etwas? Hardt hat zwei Fasnetsvereine, an deren Spitze Vater (Jürgen Ganter, Katzenzunft) und Sohn (Oliver Ganter, Steinreute-Teufel) stehen. Grund genug, einmal nachzuhaken, was man vom Treiben des Gegenübers hält und wie grün sich die beiden in Sachen Fasnet sind.  

Jürgen Ganter, jetzt mal unter uns: Sind die Steinreute-Teufel "neumodisches Glump" ohne Tradition?

Jürgen Ganter: Ohne Tradition stimmt, aber mittlerweile sind die Teufel im zwölften Jahr. So ganz neumodisch sind sie dann doch nicht mehr. Wenn man es vergleicht mit den Anfängen, dann muss man sagen: Der Verein hat sich ordentlich entwickelt, obwohl aus Sicht einer Traditionszunft noch viel Luft nach oben ist.

Oliver Ganter, was ist bei Ihnen schief gelaufen, dass aus Ihnen keine Hardter Katze wurde?

Oliver Ganter: Im Alter von zwei bis 15 Jahren war ich eine Katze, daher ist das nicht ganz richtig. Dann trennten sich allerdings die Wege, als ich bei "Sälle 15" dabei war und nie wieder den Weg zurück fand. Irgendwann entstanden dann – Sie wissen das ja selbst, Herr Dold – aus einer spontanen Idee die Steinreute-Teufel.  

Wie sollte das Verhältnis zwischen Katzenzunft und Teufeln in zehn Jahren idealerweise aussehen?

Jürgen Ganter: Ähnlich wie jetzt. Wir haben nicht nur ein Nebeneinander, sondern ein gutes Miteinander. Es wäre schön, wenn man sich gemeinsam für Projekte an der Fasnet treffen könnte – wie beispielsweise der aktiven Teilnahme der Teufel am Zunftball als zweite Zunft im Ort. Dann könnte daraus eine Art Dorffasnet entstehen.  

Tradition und Brauchtum gehören zur Fasnet. Pfeifen die Teufel darauf?

Oliver Ganter: Einspruch: Wir haben Tradition. Es gibt sogar die "Legende der Steinreute-Teufel" mit der Befreiung Hardts aus den Klauen der Muttergemeinde Mariazell vor 180 Jahren, auch wenn diese zugegebenermaßen etwas an den Haaren herbeigezogen ist. Das können trotzdem nicht viele Vereine von sich behaupten. Tradition und Brauchtum gehören zum Wesenskern der Fasnet und wir pfeifen da definitiv nicht drauf. Jürgen Ganter: Irgendwann fängt jeder einmal neu an und irgendwann entwickelt sich Tradition. Wenn man sich an das bisher schon gelebte Brauchtum anlehnt und die Fasnet nicht nur als Party sieht, dann sind die Teufel auf dem richtigen Weg.  

Wie sehr schmerzt es, dass der Sohn Vorstand bei den Steinreute-Teufeln ist und nicht bei der Katzenzunft tätig ist?

Jürgen Ganter: Aua. Schmerzen würde ich aber nicht unbedingt sagen. Das hätte man sich vielleicht anders gewünscht. Als sich die Steinreute-Teufel gründeten, war nicht abzusehen, wie sich das entwickelt. Es waren alles Fußballer oder Musiker, die dauerhaft keine Zeit für die Fasnet gehabt hätten und einfach am Fasnetssonntag beim Hardter Umzug mitmachen wollten. Da Oliver das Ganze mit ins Leben gerufen hat und er Vorstand wurde, sieht man, dass er dafür geeignet ist. Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm.

Sind die Steinreute-Teufel die Coolen und ist die Katzenzunft einfach viel zu normal für viele Teufel?

Oliver Ganter: Es sind unterschiedliche Welten: Die Katzenzunft gibt es seit 62 Jahren. Sie sind als die "schönen Katzen" über den Landkreis hinaus bekannt und haben eine ganz andere Art, die Fasnet zu zelebrieren als die Teufel. Wir gehen gerne zu Fasnetsveranstaltungen, führen dort aber nicht immer einen Tanz oder Sketch auf. Es gibt aber bei beiden Vereinen Normale und Unnormale, Coole und nicht so Coole. Eine gesunde Mischung braucht jeder Verein. Bei den Katzen ist der Nachwuchs meist schon familiär "vorbelastet", das ist bei den Teufeln eher seltener so. Katze wird man durch den Katzenschlag, als Teufel wird man geboren.  

Warum ist die Katzenzunft die beste Zunft weit und breit?

Jürgen Ganter: Weil die Katzenzunft vom Hardt ist, das ist für einen Hardter grundlegend. Es gibt viele tolle Zünfte in der Umgebung. Was uns aber auszeichnet: Es gibt uns schon lange. Durch unser Kleidle und unseren Straßentanz beim Umzug mit der Musik haben wir ein Alleinstellungsmerkmal. Damit fallen wir immer auf, weil das andere nicht haben. Unser Narrenkleid bietet auch die Möglichkeit, sich auszutoben. Das ist anders als mit einem Hansel oder Narro. Man kann Spaß haben, aber auch Brauchtum und Tradition vorführen. Das ist der Reiz der Katzenzunft.  

Erschwert oder erleichtert es die Zusammenarbeit, dass Vater und Sohn an den Schalthebeln der Macht der beiden Zünfte stehen?

Oliver Ganter: Definitiv eine unglaubliche Erleichterung. Wäre diese Konstellation nicht schon seit Jahren so, hätte es nicht funktioniert. Im Ort mussten wir lange gegen Windmühlen kämpfen, was die Etablierung der Teufel anbelangt. Ohne das Mitwirken vom Vater wäre das nicht möglich gewesen. Ohne diese Konstellation wären die Teufel nicht dahin gekommen, wo sie heute stehen. Es gibt an der Fasnet von beiden Seiten "Leberhaken" auf der Bühne – mal teilt er aus, mal ich – und die Retourkutsche kommt dann mit Sicherheit. So haben die Leute auch immer was zum Schwätzen. Jürgen Ganter: Das mag sein. Vor allem in den Anfangszeiten war es so, dass man immer wieder gegenüber den Mitgliedern der Katzenzunft etwas gerade rücken musste, wenn bei den Teufeln im Überschwang der ersten Fasnetsgefühle etwas schief gelaufen war. Bei der Katzenzunft war das aber früher eventuell ähnlich. Da hatten wir durch die Vater-Sohn-Konstellation einen Vorteil. Andererseits ist es auch einfacher, wenn ich dem Vorstand der Steinreute-Teufel mal wieder sagen muss: "So geht es nicht."

Die Fragen stellte Martin Dold

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